Guten Tag, ich würde gerne wissen, wie sie zu der geplanten Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung stehen und was gegen eine Lebensarbeitszeit (mit ggf. Koppelung) spricht.
Sehr geehrter Herr Zöller,
durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters würden insbesondere Personen mit körperlich anstrengenden Berufen, die früh ins Erwerbsleben einsteigen übermäßig belastet.
Im Gegensatz dazu, würde durch die Lebensarbeitszeit ein Fehlanreiz abgeschafft. Zudem wäre eine Koppelung an die steigende Lebenserwartung - wenn gewünscht - ja trotzdem möglich, dadurch würde bei den hohen Renten, die üblicherweise mit höherer Schulbildung einhergehen, gespart werden. Um Berufe mit höherem Bildungsniveau dennoch attraktiv zu halten, ist es sicherlich zu erwarten, dass die Arbeitgeber sich hier etwas einfallen lassen. Lebensarbeitszeitkonto oder entsprechendes Vergütungsmodell für das Alter, da auch von Seiten der Arbeitgeber wenig Interesse an übermäßig alten Mitarbeitern bestehen wird, da naturgemäß die geistige Anpassungsfähigkeit an immer schneller voranschreitenden technische Entwicklung im Alter nachlässt.
Mit freundlichen Grüßen.
Kerstin B.
Sehr geehrte Frau B.,
vielen Dank für Ihr Schreiben, welches wir gerne aus unserer Sicht beantworten.
Das Renteneintrittsalter bestimmt in der BRD die Bundesregierung welche hier Vorschläge einbringt über die der Deutsche Bundestag und der Bundesrat abstimmen. Somit wird dies durch das Gesetzgebungsverfahren des Bundes bestimmt.
Vorher finden Gespräche mit den Arbeitgeberverbänden und den Spitzen der Gewerkschaften statt.
Grundsätzlich möchten wir festhalten, dass jeder Arbeitnehmer in seinem Beruf gleich wertig zu sehen ist. Man sollte hier nicht unterscheiden zwischen Berufen mit höherem Bildungsniveau und Normalbürgern. Gerade im Beruf von den Handwerkern, Service und Dienstleistungen klaffen derzeit große Lücken.
Wo ich Ihnen gerne zustimmt ist, dass Arbeitnehmer mit körperlich anstrengenden Berufen wesentlich früher die Belastungsgrenze erreichen. Richtig ist auch, dass die technische Fortschritt nicht nur Entlastung mit sich bringt, sondern auch mehr Anforderungen stellt.
Man muss aber auch die Gruppe der Arbeitnehmer sehen, welche freiwillig über das Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeiten. Dies sind derzeit in Deutschland 1,7 Millionen mit klarem Trend einer Steigerung. Und deren berufliche Erfahrung ist auch weiter notwendig.
Ich gestehe offen ein, dass von den vielen unterschiedlichen Lösungen, die derzeit auf den Beratungstisch liegen, noch lange keine ideale gefunden wurde. Sehr gerne würde ich Ihnen eine solche präsentieren.
Der Einfluss meiner Person als Landtagsabgeordneter ist sehr gering, dennoch bin ich in zahlreichen Gremien vertreten, wo diese Problematik aufschlägt. Auch in vielen Gesprächen mit den Bürgern, werden unterschiedliche Lösungen – welche teils widersprüchlich sind – diskutiert.
Wir sind derzeit noch in einer Findungsphase und ich hoffe sehr, dass wir eine passenden Weg sehen. Es ist absolut notwendig.
Daher danke ich Ihnen für Ihren Impuls und stehe weiter für Fragen und Anregungen zur Verfügung.
Mit freundlichem Gruß
Thomas Zöller, MdL

