Steffen Quasebarth
BSW
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Frage von Inka H. •

Sind sie für die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung? Und wenn ja, bezieht sich die Lebenserwartung auf Beamte und Politiker oder die der körperlich hart arbeitenden Bevölkerung?

Antwort von BSW

Sehr geehrte Frau H.

vielen Dank für Ihre Frage.

Ich antworte darauf ausdrücklich als Abgeordneter und nicht im Namen meiner Partei. Dennoch wird meine Antwort die Politik des BSW inhaltlich stützen. Zur Sache: Nach meinem Kenntnisstand hat das BSW zu dieser konkreten Frage noch keine abschließend einheitliche Position entwickelt; auch eine mir bekannte Stellungnahme der BSW-Grundwertekommission liegt dazu bislang nicht vor.

Meine persönliche Haltung ist: Eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung sehe ich sehr kritisch und würde sie in dieser Form nicht unterstützen.

Der zentrale Grund ist genau der Punkt, den Sie in Ihrer Frage ansprechen: „Die“ Lebenserwartung gibt es politisch und sozial nicht. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob jemand sein Arbeitsleben überwiegend am Schreibtisch, in einem gesicherten Beamtenverhältnis oder in körperlich schwerer Arbeit auf dem Bau, in der Pflege, in der Produktion, in der Logistik oder im Handwerk verbracht hat. Wer über Jahrzehnte körperlich hart gearbeitet, Schichtdienste geleistet oder gesundheitlich belastende Tätigkeiten ausgeübt hat, erreicht ein höheres Renteneintrittsalter oft nicht bei bester Gesundheit. Eher im Gegenteil. 

Eine pauschale Anhebung des Rentenalters trifft deshalb nicht alle gleich. Sie trifft besonders diejenigen, die meist früher angefangen haben zu arbeiten, niedrigere Einkommen hatten, geringere Rentenansprüche erwerben konnten und statistisch oft auch eine geringere gesunde Lebenserwartung haben. Für viele wäre eine solche Regelung faktisch keine „längere Lebensarbeitszeit“, sondern eine Rentenkürzung durch Abschläge, Erwerbsminderung oder Arbeitslosigkeit vor der Rente.

Ich halte es für gerechter, zunächst das Rentensystem insgesamt solidarischer aufzustellen. Dazu gehört für mich eine Erwerbstätigenversicherung, in die perspektivisch alle einzahlen: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbständige, Abgeordnete und auch Beamte. Wer über die Zukunft der gesetzlichen Rente spricht, darf die Lasten nicht einseitig den abhängig Beschäftigten aufbürden.

Außerdem brauchen wir bessere Löhne, mehr Tarifbindung, eine armutsfeste Rente und besondere Rücksicht auf Erwerbsbiografien, wie sie viele Menschen in Thüringen erlebt haben: niedrige Löhne, gebrochene Erwerbsverläufe nach 1990, Teilzeit, Pflege von Angehörigen oder harte körperliche Arbeit.

Kurz gesagt: Ich bin nicht gegen eine ehrliche Debatte über die langfristige Finanzierung der Rente. Ich bin sogar sehr dafür. Aber ich bin gegen eine technokratische Formel, die so tut, als seien alle Lebensläufe gleich. Maßstab muss nicht nur sein, wie alt Menschen durchschnittlich werden, sondern ob sie nach einem langen Arbeitsleben gesund, würdig und ohne Armut in Rente gehen können.

Noch ein Wort zur Transparenz: Bei der Erarbeitung dieser Antwort habe ich – wie inzwischen in vielen Arbeitsprozessen üblich – auch KI-gestützte Recherche- und Formulierungshilfen genutzt. Die politische Bewertung und Verantwortung für diese Antwort liegt selbstverständlich bei mir.

Herzlich 

Steffen Quasebarth

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