Portrait von Sibylle Centgraf
Sibylle Centgraf
DIE GRÜNEN

Frage an Sibylle Centgraf von Gvyznaa Fpurhor bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

05. August 2006 - 05:03

Sehr geehrte Frau Centgraf,
welchen persönlichen Bezug haben Sie zum Wahlkreis 06, oder ist der Wahlkreis für Sie austauschbar?
Was möchten Sie speziell für diesen Wahlkreis bzw. für den Stadtbezirk erreichen?

Frage von Gvyznaa Fpurhor
Antwort von Sibylle Centgraf
07. August 2006 - 12:25
Zeit bis zur Antwort: 2 Tage 7 Stunden

Sehr geehrter Herr Scheube,

vielen Dank für diese hervorragende Frage, die mir eine persönliche Selbstdarstellung erlaubt. Ich wurde von meinem Kreisverband der Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin im WK 06 aufgestellt, weil meine inhaltlichen Schwerpunkte am Besten zum grünen Profil für Wilmersdorf-Nord passen.
In der zu Ende gehenden Legislatur hatten wir großen Erfolg bei der Sicherung von Grün- und Freiflächen in diesem attraktiven, durch eine hohe Wohndichte gekennzeichneten Wahlkreis. Meine Tätigkeiten in der BVV (für die ich auf Platz 3 wieder kandidiere) führten zu zahlreichen Kontakten mit Anwohnern, Gewerbetreibenden und Kultur¬einrichtungen vor Ort. Als bisher stellvertretende Fraktionsvorsitzende und baupolitische Sprecherin der Fraktion in Charlottenburg-Wilmersdorf liegen meine Schwerpunkte in der Baupolitik und der ökologischen Stadtplanung.

Als langjährige Grüne (seit 1984) bin ich darin geübt, mit Beharrlichkeit auf dem Hintergrund der Werte der Ökologie-, Frauen- und Bürgerbewegung kritisch gegen etablierte Sachzwänge zu agieren. Diese sog. Sachzwänge zeigten sich im Wahlkreis gerade bei der Frage was wo, von wem und auf wessen Kosten investiert, entwickelt und bebaut werden darf.
Zusammen mit der Bürgerinitiative Fasanenplatz haben wir 2004 ein Hochhaus an der Gerhart-Hauptmann-Anlage verhindert, da es die Grünfläche verschattet und zerstört hätte. Inzwischen sind Investitionsmittel (540 Tsd. Euro für 2008/09) für die Aufwertung des Parks in den Bezirkshaushalt eingestellt. Nun plant der Investor abermals auf Flächen, die jetzt noch dem Land Berlin gehören, zu bauen. Diesmal hochwertige Wohnungen. Ich werde gegen eine weitere Verdichtung durch Bebauung im bereits eng bebauten Innenstadtbereich kämpfen.

Wilmersdorf-Nord hat eine Grünflächen-Unterversorgung. Deshalb ist es wichtig, die vorhandenen Grün- und Freiflächen, die Spiel- und Bolzplätze und auch die verbliebenen Kleingartenareale als grüne Oasen und kostenlos nutzbare Erholungsflächen zu erhalten!

Mein Wahlkampf-Slogan heißt: Mehr Stadtgrün!
Statt eines ?Ausverkaufs? von Grundstücken und Liegenschaften zur Sanierung des Landeshaushalts (z.B. von bisher kleingärtnerisch genutzten Flächen am Volkspark) braucht die Stadt ein Investitionsprogramm für die ökologische und energetische Sanierung. Energiesparpotentiale, Regenwasserbewirtschaftung, Dach- und Fassadengrün sind öffentlich zu fördern und auch von Investoren einzufordern. Ökologische Innovationen schaffen vor Ort Arbeitsplätze, schonen langfristig den Geldbeutel und die natürlichen Lebensgrundlagen.

Lebensqualität hat Vorrang!
Der Wohnwert des Quartiers wird durch baumbestandene Straßen mit breiten Gehwegen und Stadtplätzen wie dem Ludwigkirchplatz, Fasanenplatz, Nikolsburger Platz und dem Prager Platz gehoben. Ich möchte daher weitere Stadtplätze aufwerten und vom Verkehr entlasten. So kann einem Wegzug der einkommensstärkeren Bewohner und der Familien mit Kindern entgegengewirkt werden, damit der Stadtteil in seiner ?gesunden? Mischung von Wohnen, kulturellen Angeboten, Arbeiten und Einkaufen auch langfristig attraktiv bleibt.

Im Abgeordnetenhaus würde ich mich dafür einsetzten, dass die ?sozialraumorientierte Mittelzuweisung? im Land Berlin nicht zum einseitigen Nachteil gut funktionierender Stadtteile führt. Die neue Strategie des rot-roten Senats, die den Bezirken mit ?sozialen Brennpunkten? verstärkt Haushaltsmittel auf Kosten der ?unproblematischen? Quartiere zuweist, braucht ein Korrektiv. Zwar ist es richtig, dass der Senat versucht Chancengleichheit herzustellen, dabei ist es aber nicht mehr als Recht, auch die auch gewachsenen Qualitäten zu berücksichtigen. Denn der Erhalt von historischer Substanz, z.B. von Garten-, Baudenk¬malen und Kulturstandorten ist ebenfalls eine öffentliche Aufgabe.

Mit freundlichen Grüßen

Sibylle Centgraf