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Sebastian Maack
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Frage von Olaf M. •

Was bedeutet Ihnen der heutige Gedenktag, der 27. Januar, und wie würdigen Sie diesen?

Sehr geehrter Herr Maack,

heute, am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, gedenken wir der über eine Million Menschen, die dort von Deutschen und ihren Kollaborateuren ermordet wurden – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, politische Gefangene, Widerstandskämpfer, kranke und behinderte Menschen sowie Millionen verschleppte Slawen und Zwangsarbeiter.

Vor diesem historischen Hintergrund möchte ich Sie fragen:

Wie gehen Sie als Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Partei, deren Rhetorik und Geschichtsverständnis immer wieder in der Nähe von Relativierungen der Nazi-Verbrechen zu verorten ist, mit der Verantwortung um, an diesen Tag würdevoll und glaubwürdig zu erinnern?

Halten Sie es angesichts der von Ihrer Partei angeführten „Schuldkult“ und „erinnerungspolitische Wende“ ein ehrliches Gedenken an die Opfer des Holocaust für möglich? Wie halten Sie es persönlich?

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Antwort von AfD

Herr M.,

dass Sie mir und meiner Partei pauschal die Fähigkeit oder den Willen zu einem würdevollen Gedenken absprechen, ist eine Unverschämtheit, die einer klaren Einordnung bedarf.

Der 27. Januar ist ein Tag des stillen Gedenkens an die Opfer eines beispiellosen Verbrechens. Dass Deutsche in deutschem Namen unermessliches Leid über Millionen Menschen gebracht haben, ist eine historische Tatsache, die niemand in meiner Partei leugnet. Ein würdevolles Gedenken zeichnet sich jedoch durch Demut vor den Opfern aus, nicht durch die politische Instrumentalisierung dieses Leids, um Andersdenkende moralisch zu diskreditieren. Echtes Gedenken braucht keine ideologischen Scheuklappen: Die Trauer um die Ermordeten ist eine menschliche Pflicht, die über Parteigrenzen hinweg Bestand hat. 

Wenn wir Begriffe wie „Schuldkult“ verwenden, meinen wir damit nicht das Gedenken an sich, sondern die obsessive Fixierung auf die zwölf Jahre der NS-Diktatur als alleiniges Fundament deutscher Identität. Eine gesunde Nation muss sich ihrer gesamten Geschichte stellen – den tiefsten Abgründen ebenso wie den glanzvollsten Leistungen. Und wer „Nie wieder“ sagt, muss dies heute auch dort tun, wo jüdisches Leben in Deutschland erneut bedroht wird. Hier vermisse ich bei denjenigen, die uns „Relativierung“ vorwerfen, oft die notwendige Konsequenz im Angesicht aktueller antisemitischer Entwicklungen.

Ich würdige diesen Tag, indem ich innehalte und mir der Verantwortung bewusst bin, dass sich solche staatlichen Verbrechen niemals wiederholen dürfen. Das schließt jedoch in der Tat auch den Wunsch nach einer „erinnerungspolitischen Wende“ ein: weg von einer rein defensiven, auf Schuld basierenden Identität, hin zu einem Selbstverständnis, das aus der Geschichte lernt, ohne die nachfolgenden Generationen in dauerhafte moralische Geiselhaft zu nehmen.

Gedenken darf nicht zur rituellen Pflichtübung verkommen, die dazu dient, den politischen Gegner auszugrenzen. Es sollte ein Moment der inneren Einkehr sein.

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