Portrait von Sarah Vollath
Sarah Vollath
Die Linke
100 %
/ 8 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Sophia N. •

Stimmen Sie der automatischen Kopplung des Rentenalters zu ja oder nein?

Portrait von Sarah Vollath
Antwort von Die Linke

Ich lehne eine automatische Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung ab. Denn die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland verschleiert Unterschiede zwischen Regionen und sozioökonomischen Gruppen. Wir beobachten in Deutschland eine zunehmende soziale Schieflage bei der Entwicklung der Lebenserwartung. Wer ernsthaft über die Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung diskutiert, blendet die steigenden Ungleichheiten völlig aus. Eine pauschale Kopplung sendet ein völlig falsches Signal an die Menschen, die ohnehin schon benachteiligt sind.

Die Lebenserwartung entwickelt sich regional sehr unterschiedlich. Männer in Baden-Württemberg leben im Schnitt zwei Jahre länger als Männer in Sachsen-Anhalt. Während die fernere Lebenserwartung in einigen Bundesländern in den letzten zehn Jahren gestiegen ist, ist sie in Bremen, Hamburg, Hessen und Niedersachsen sogar gesunken. Für die Menschen in diesen Bundesländern würde eine Kopplung also nichts anderes als eine Rentenkürzung bedeuten. Und die Schere geht immer weiter auseinander, die Lebenserwartung wird immer ungleicher. Gerade in strukturschwachen Regionen, wo die Renten ohnehin schon viel zu niedrig sind, würde sich die Altersarmut durch eine Kopplung also nochmal drastisch verschärfen!

Außerdem wirken sich sozioökonomische Faktoren auf die Lebenserwartung aus. Ein niedriges Einkommen und ein niedriger Bildungsstand sowie schlechte Arbeitsbedingungen und die Wohnsituation beeinflussen die Gesundheit und damit auch die Lebenserwartungen erheblich. Auch das ignoriert die Rentenkommission, wenn sie vorschlägt, die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung zu koppeln. Wir finden das ungerecht und falsch!

Nach einem langen Arbeitsleben müssen Menschen verlässlich und ohne Angst vor Altersarmut in Rente gehen können. Dafür muss die gesetzliche Rente wieder gestärkt werden. Wir brauchen ein höheres Rentenniveau von 53 Prozent und eine solidarische Mindestrente, die Menschen zuverlässig vor Altersarmut schützt und gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit wie Pflege und Erziehung anerkennt. Außerdem müssen endlich alle ins Rentensystem einzahlen. Das umfasst neben Abgeordneten auch Selbstständige und Beamte. Ein gutes solidarisches Rentensystem funktioniert nur, wenn wir es als Gesellschaft gemeinsam tragen und alle mitmachen.

Die Rente ist kein Luxus. Sie ist die Anerkennung von Lebensleistung und muss ein gutes Leben im Alter garantieren. Mit einer Anhebung der Regelaltersgrenze und der Kopplung an die Lebenserwartung erreicht die Bundesregierung das Gegenteil! Das ist der falsche Weg. Die Antwort muss ein gerechteres Rentensystem sein, in das alle einzahlen und aus dem alle sicher leben können.

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Sarah Vollath
Sarah Vollath
Die Linke

Weitere Fragen an Sarah Vollath