Wie stehen Sie zur anthroposophischen Medizin und zur Behandlung von Patienten durch selbständige niedergelassene Ärzte? Wie stehen Sie zu Impfpflichten? Wie stehen Sie zur Wehrpflicht?
Sehr geehrter Herr Frank,
mit Freude lese ich in einer Ihrer letzten Fragenbeantwortungen, daß Sie sich dafür einsetzen möchten, daß Krankenhäuser in der öffentlichen Hand bleiben oder wieder in die öffentliche Hand kommen. Was ist Ihre Vision für die ambulante medizinische Versorgung? Stehen Sie dafür ein, daß weiterhin eine persönliche Arzt-Patientenbeziehung im ambulanten Setting möglich sein wird oder befürworten Sie eine unpersönliche Versorgung z.B. im Rahmen von MVZ oder Klinikambulanzen mit wechselnden (austauschbaren) Ärzten? Wie ist Ihre Einstellung zur anthroposophischen Medizin? Wie ist Ihre Einstellung zur Therapiefreiheit von Patient und Arzt? Wie stehen Sie zu einer Wahlfreiheit hinsichtlich der Nutzung digitaler Medien? Wie stehen Sie zu der Frage des Nutzens und potentiellen Schadens der ePA (Datenschutz)? Würden Sie im Falle eines erneuten großflächigen Infektionsgeschehens eine Impfpflicht befürworten? Wie stehen Sie zur Wehrpflicht?
Sehr geehrte Frau V.,
Herzlichen Dank für Ihre Frage und Ihr Interesse an unseren politischen Positionen. Der Austausch über Plattformen wie Abgeordnetenwatch ist ein wichtiger Bestandteil eines lebendigen demokratischen Diskurses.
Das sind relativ viele Fragen, mit denen man wahrscheinlich ein mehrstündiges Gespräch füllen könnte. Im Folgenden möchte ich mich daher auf die zentralen Punkte konzentrieren und meine Positionen dem Format entsprechend in Kürze darstellen. Sollten Sie Interesse an einer ausführlichen Unterhaltung haben, möchte ich Sie gerne zu einem persönlichen Austausch, einem Infostand oder einer Unterhaltung im Kontext einer Wahlkampfveranstaltung einladen.
Für uns gilt grundsätzlich: Gesundheit ist keine Ware. Aus diesem Grund möchten wir nicht nur öffentliche Krankenhäuser in Wohnortnähe, sondern auch eine starke ambulante Gesundheits- und Pflegeversorgung. Daher möchten wir uns für kommunale Gesundheitszentren einsetzen, die auch in Dörfern und Stadtteilen die ärztlichen Angebote bündeln und eine flächendeckende Versorgung auch auf dem Land garantieren. Die Versorgung soll hausärztliche, pflegerische, psychotherapeutische sowie pharmazeutische Behandlungen mit Sozialberatung verknüpfen. Im ländlichen Raum sollen mobile Kliniken und ein flächendeckender Medikamenten Botendienst die Versorgung sicherstellen. Fachärztliche Praxen sollen erhalten und durch Land und Kommunen gefördert werden. Notfallpraxen sollen so erreichbar sein, dass sie innerhalb von 30 Minuten erreichbar sind. Weiterhin möchten wir aufgrund der Unterversorgung im Bereich der mentalen Gesundheit einen psychologischen Notdienst etablieren und aufbauen. In jedem Stadt und Landkreis sollen multiprofessionelle Krisenambulanzen aufgebaut werden, die rund um die Uhr 24/7 erreichbar sind.
Medizinische Versorgungszentren in den Händen von Konzernen lehnen wir grundsätzlich ab und möchten daher die erwähnten kommunalen Gesundheitszentren in öffentlicher Hand fördern, um der ambulanten Versorgung insbesondere bei Pflege und psychischen Erkrankungen Vorrang vor Krankenhausaufenthalten zu gewähren. Dort, wo Aufenthalte notwendig sind, müssen diese natürlich gewährleistet werden. Inwiefern die Versorgung persönlich oder unpersönlich ist, hängt in erster Linie nicht davon ab, ob die Ärzte und Ärztinnen in einer eigenen Praxis, einem MVZ oder einem kommunalen Gesundheitszentrum praktizieren. Auch niedergelassene Ärzte und Ärztinnen haben häufig Gemeinschaftspraxen, in denen nicht garantiert wird, dass Sie immer von derselben Ärztin oder demselben Arzt versorgt werden. Weiterhin geben auch niedergelassene Ärzte und Ärztinnen ihre Praxen teilweise auf und es gibt Wechsel. Ich selbst habe innerhalb von neun Jahren mehrere Wechsel meiner niedergelassenen Hausärzte mitgemacht, obwohl diese nicht in einem MVZ untergebracht waren. Insofern ist die Frage nach niedergelassen oder MVZ weniger eine Frage der Persönlichkeit oder Unpersönlichkeit der Behandlung.
Als Wissenschaftler lehne ich die anthroposophische Medizin persönlich und politisch ab. Es steht jedem und jeder selbstverständlich frei, selbst zu entscheiden, welche Therapieform er oder sie bevorzugt. Dennoch zeigen uns wissenschaftliche Untersuchungen und Studien, dass durch anthroposophische Medizin teilweise Krankheitsverläufe tödlich geendet sind, die hätten erfolgreich behandelt werden können. Insbesondere bei Krebserkrankungen gibt es viele negative Beispiele. Als Wissenschaftler vertraue ich auf messbare und überprüfbare Ergebnisse statt auf Energien, Annahmen und Empfindungen.
Mit Blick auf digitale Medien befürworte ich eine Wahlfreiheit. Ein Social Media Verbot für Minderjährige lehne ich ab. Jeder und jede sollte selbst entscheiden dürfen, welche Medien er oder sie nutzt. Dennoch halte ich Medienkompetenz, auch bei Erwachsenen, für einen entscheidenden Faktor. Mein Eindruck war, dass sich in der Zeit der Coronapandemie insbesondere Erwachsene in dubiosen Gruppen mit verschwörungstheoretischen und teilweise demokratiegefährdenden Inhalten aufgehalten haben. Verstehen Sie mich an diesem Punkt bitte nicht falsch: Ich denke, es gibt in der Zeit der Pandemie viel aufzuarbeiten. Mit der Politik der damaligen Regierung war ich nicht einverstanden. Dennoch war es aus meiner Sicht auffällig, dass insbesondere Erwachsene den Erzählungen in sozialen Medien verfallen sind und keine Jugendlichen zu Vorreitern der Verschwörungserzählungen geworden sind, sondern vielmehr Erwachsene Prominente wie Xavier Naidoo, Michael Wendler oder Attila Hildmann. Insofern bin ich überzeugt, dass ein Verbot sozialer Medien oder eine Einschränkung digitaler Medien falsch ist, wir aber mit Blick auf Medienkompetenz, Fake News und gesicherte Informationen im Internet als Gesellschaft noch einen weiten Weg zu gehen haben.
Die ePA ist aus meiner Sicht in der aktuellen Form nicht tragbar. Der Chaos Computer Club hatte frühzeitig Bedenken angemeldet und aufgezeigt, wie einfach diese sensiblen Daten gestohlen werden können. Die Sicherheit und der Datenschutz sind bei der ePA in der jetzigen Form nicht gewährleistet und bedeuten ein hohes Risiko. In den Erfahrungsberichten der Bürger und Bürgerinnen, mit denen ich Kontakt habe, werden die darin enthaltenen Informationen selten genutzt oder in Verbindung gebracht. Der Nutzen der ePA könnte enorm sein, doch unter den bestehenden Rahmenbedingungen und den kurzen Durchlaufzeiten in der Behandlung bringt sie selten den versprochenen Mehrwert. Hier sollte dringend weiter daran gearbeitet werden. Zuständig wäre hier das CDU geführte Bundesgesundheitsministerium.
Die Frage nach der Impfpflicht lässt sich so pauschal nicht beurteilen und berührt einen sehr sensiblen Bereich. Grundsätzlich sehe ich den Einsatz von Zwang durch den Staat kritisch. Meine Einschätzung zu einer Impfpflicht wäre abhängig vom konkreten Infektionsverlauf und der Tödlichkeit des entsprechenden Virus.
Als Friedenspartei lehnen wir die Wehrpflicht und deutsche Waffenlieferungen konsequent ab und unterstützen die entsprechenden Schulstreiks gegen die Wehrpflicht, welche heute vielerorts starten. Der deutsche Staat muss sich verteidigen können, doch niemand darf zum Dienst an der Waffe gezwungen werden. Insofern sind wir seit Gründung der Partei gegen eine Wehrpflicht und setzen uns konsequent dagegen ein.

