Péter Vida
Péter Vida
BVB - Freie Wähler

Frage an Péter Vida von Nagbavn Yvruznaa bezüglich Umwelt

30. August 2019 - 08:37

Sehr geehrter Herr Vida,
im Wahlprogramm 2017 las ich:
„Der Klimawandel kann zur ernsthaften Bedrohung für unsere nachfolgenden Generationen werden. ... Wir brauchen Antworten auf Überschwemmungen, Verwüstung, Dürre, Wasserressourcen, Stürme, Starkregen und eine sich verändernde Flora und Fauna.“
„Wir begrüßen das Pariser Klimaabkommen und wollen eine ambitionierte Umsetzung der vereinbarten Ziele...“
Nun wollen Sie die Angstmacher stoppen und nennen dabei "Klimapanik".
Wie passen diese Positionen zusammen? Was sagen Sie jungen Menschen, die die weltweiten klimatischen Veränderungen mit Sorge betrachten und regelmäßig für Klimaschutz demonstrieren?
Im Grundsatzprogramm der FREIEN WÄHLER heißt es:
„Energieversorgung und Klimaschutz sind … zentrale Zukunftsaufgaben... Eine regionale, effiziente und für alle bezahlbare Versorgung durch erneuerbare Energien sowie nachhaltige Klimaschutzmaßnahmen sind … ein besonderes Anliegen.
(1) „… sehen die FREIEN WÄHLER die erneuerbaren Energien als nachhaltigen Entwicklungsbeschleuniger und Jobmotor ... Ziel ist, … durch … und den Einsatz erneuerbarer Energien einen Großteil des gesamten Strombedarfs zu decken. Langfristig sind auch Wärme und Verkehr durch erneuerbare Energien … abzudecken.
2019 heißt es nun hingegen:
„…soll sich die Landespolitik auf einen regenerativen Energiemix konzentrieren und die Steigerung der Energieeffizienz fördern. Hierdurch können nachhaltig Arbeitsplätze geschaffen werden. …“ „Der massenhafte Bau wohnortnaher Windräder ist einzustellen.“
Wie kann es sein, dass Sie einerseits den regenerativen Energiemix fordern, andererseits jedoch die Errichtung von Windrädern unterbinden wollen (wohnortnah und im Wald auch) und diese als Gegensatz zum Naturschutz darstellen? Wie soll der regenerative Energiemix aussehen, bedenkt man, dass wir uns hier in einem Industrieland befinden, dies auch künftig so sein soll und darüber hinaus Wärme und Mobilität „erneuerbar“ werden sollen?
MfG Nagbavn Yvruznaa

Frage von Nagbavn Yvruznaa
Antwort von Péter Vida
30. August 2019 - 12:46
Zeit bis zur Antwort: 4 Stunden 8 Minuten

Zwischen der sachlichen Suche nach Problemlösungen und Panikmache besteht ein Unterschied.

Ein gutes Beispiel ist der überzogene Ausbau der Windkraft. Brandenburg hat bereits jetzt rund 7.500 MW an Windkraftanlagen. Aber selbst gemeinsam mit Berlin nur einen Strombedarf zwischen 2.500 MW nachts und bis zu 4.500 MW tags über. Hiervon werden schon 500 MW durch Biomasse gedeckt. Ergebnis: Weht der Wind, haben wir bereits jetzt mehr Strom, als benötigt wird. Die überschüssigen Windkraftanlagen werden zwangsweise abgeschaltet und erhalten nach § 15 EEG jährlich hunderte Millionen Euro an Schadensersatz - ohne den geringsten Nutzen für Bürger oder Klima. Zudem liegen die neuesten Standorte in Wäldern, direkt neben an Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten oder viel zu nahe an Wohnbebauung. Denn fast alle geeigneten Stadtorte für Windkraft sind bereits mit Windräder bebaut. Somit werden nicht nur finanzielle Schäden verursacht, sondern auch dem Anwohner-, Landschafts- und Artenschutz geschadet.

Gleichzeitig ist durch die einseitige Ausrichtung auf Windkraft noch immer keine Versorgung in windarmen Zeiten sichergestellt. Und Braunkohle dient weiterhin als Reserve für diese Zeiten. 20 Jahre Massenzubau an Windkraft haben daher am Ende die Braunkohle nicht überflüssig gemacht. Ein Problem, dass man nicht löst, indem man noch mehr Windräder baut. Denn Strom für die windarmen Zeiten lässt sich in den notwendigen Mengen nicht zu vertretbaren Kosten speichern. Doch genau das ist der unrealistische Vorschlag der Panikmacher.

Wir suchen hingegen sachlich nach realistischen Lösungen. Analysieren die Probleme, schauen was technisch, finanziell und angesichts der geographischen Gegebenheiten machbar ist und entwickeln daraus ein Lösungskonzept, das auch umsetzbar ist. Wir schließen die Versorgungslücke in windarmen Zeiten durch mehr Photovoltaik und Gaskraft. Da die Versorgung dann zu jeder Wetterlage gesichert ist, ist die Braunkohle nicht mehr als Reserve notwendig. Folglich kann sie zurückgefahren werden und der Ausstieg wie geplant stattfinden. Am Ende haben wir ein auf (bereits vorhandener) Windkraft und Biomasse sowie Photovoltaik und Gaskraft basiertes Energiekonzept, das technisch machbar und obendrein bezahlbar ist. Und dennoch innerhalb von 10 Jahren die Emissionen um ca. 60% reduziert. Mehr, als in den letzten 20 Jahren in Brandenburg erreicht wurde. Umweltfreundlicher und günstiger als das Energiekonzept der SPD. Und erheblich günstiger als das der Grünen - und im Gegensatz zu diesem auch real umsetzbar.