Warum denken Sie, dass es eine Alternative zu neuen Schulden gibt, so wird die Wirtschaft schrumpfen - Nachfrage zu Ihrer Antwort vom 19.11.2025
Sehr geehrter Herr Reddig,
vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort auf meine Frage vom 17.11. Ich habe als Reaktion darauf eine Mail an Ihr Büro geschrieben, in dem ich ausführlicher auf Ihre Antwort eingehe. Hier möchte ich mit dem folgenden Argument gegen:
Die Bundesbank gibt jedes Jahr eine Übersicht über die Sektoralen Finanzierungssalden heraus. Wir können uns sicher darauf einigen, das diese Zahlen stimmen und das Schulden und Guthaben immer 0 Ergebnis. Die Zahlen für 2024 sind:
- priv. Haushalte: +298 Mrd
- Unternehmen: +40 Mrd
- Staat: -110 Mrd
- Ausland: -219 Mrd
Durch Veränderung in der Weltwirtschaft (Trump etc.) ist davon auszugehen, dass die Auslandsschulden 2025 niedriger sein werden. Wenn private und Firmen weiter sparen, was wahrscheinlich ist, kann doch nur noch der Staat Schulden machen oder die Wirtschaft schrumpft um den Fehlbetrag. Es gibt doch keine Alternative zu Staatsschulden, leider. Diese Zahlen finden in der Debatte kaum Beachtung, seltsam.
Sehr geehrter Herr T.,
vielen Dank für Ihre Anschlussfrage.
In dem von Ihnen geschilderten Szenario gibt es aus meiner Sicht schon eine Alternative zu einer höheren Staatsverschuldung, und zwar, wenn Unternehmen mehr investieren (und damit weniger sparen), der entsprechende sektorale Saldo also sinken würde. Dazu braucht es jedoch Planungssicherheit, weniger Bürokratie sowie passende Rahmenbedingungen für Unternehmen. Eine Stabilisierung der Beitragssätze u.a. zur Rentenversicherung, um Lohnnebenkosten und damit Arbeit nicht noch teurer zu machen, ist dabei essenziell.
Höhere Staatsschulden dagegen hätten zur Folge, dass wir in den nächsten Jahren immer mehr Geld aus dem Bundeshaushalt für Zinszahlungen ausgeben müssten, was den Handlungsspielraum künftiger Regierungen und Generationen weiter einschränken würde. Zudem wirken (hohe) Schulden inflationstreibend, was nicht in unserem Interesse sein kann, wenn wir starke Preissteigerungen vermeiden möchten.
Mit freundlichen Grüßen
Pascal Reddig

