Wie stehst du zum Thema Schulbegleiter und Förderung? Und wie soll die Akzeptanz in den Schulen gefördert werden?
Ich habe gerade eine Umschulung zum Schulbegleiter abgeschlossen und finde im blk keine Anstellung. Die einzige Möglichkeit die mir jetzt noch bleibt ist in Thüringen oder Sachsen zu suchen oder als BUFDI mit 42 Jahren zu arbeiten!
Schulbegleitung und -förderung müssen unbedingt gestärkt werden, wenn man wirklich ein inklusives Bildungssystem aufbauen möchte, in welchem jedes Kind die Chance hat, nach seinen Bedürfnissen zu lernen. Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen machen dies gegenwärtig sehr schwierig. Dies kann nicht im Sinne einer Bildungsgerechtigkeit sein, die jedem Kind den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung ermöglichen will.
Um dies zu ermöglichen, braucht es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die nicht nur in der Bildungspolitik ansetzen dürfen. Denn die Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf muss bereits gesellschaftlich vorangebracht werden, bevor man sich den Problemen im Bildungssystem selbst widmen kann. Wir erleben auf gesellschaftlicher Ebene aktuell leider einen Push in Richtung mehr Exklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen, Förderbedarf, Migrationshintergrund oder aus ökonomisch schwierig gestellten Haushalten, weil diese Kinder als angeblicher "Störfaktor" für "normale Kinder" gebrandmarkt werden. Dieser Entwicklung muss auch auf gesellschaftlicher Ebene begegnet werden, damit eine adäquate Förderung in den Schulen überhaupt möglich gemacht werden kann. Dazu braucht es eine Ausfinanzierung und Unterstützung von Awareness- und Inklusionsangeboten, einen Ausbau barrierefreier Infrastruktur und ein gesellschaftliches Gegengewicht zum Narrativ der "Störfaktoren".
Als Linke haben wir in unserem Programm Maßnahmen formuliert, von denen wir denken, dass hiervon auch Schulbegleitung und -förderungen profitieren würden. Dazu gehören multiprofessionelle Teams, in denen Erzieher*innen und Lehrkräfte mit pädagogischen Mitarbeiter*innen, Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen, Sonderpädagog*innen und Fachkräften für die Sprachförderung zusammenarbeiten. Sie sollen Kinder und Familien von Anfang an unterstützen und sie in ihren sozialen und emotionalen Kompetenzen stärken. Dafür benötigen wir ausreichendes und gut qualifiziertes Personal und gesicherte Strukturen – und das ein Leben lang.
Dies muss bereits in der Kita beginnen, um Bedarfe und ggf. problematische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Dazu muss Kita- und Schulsozialarbeit durch entsprechende gesetzliche Grundlagen fest etabliert und dauerhaft finanziert werden. Die Schulsozialarbeit soll dabei weiterhin in Kooperation mit Trägern der freien Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt und durch die etablierten Netzwerkstellen koordiniert und unterstützt werden.
Die Förderung von Kindern muss außerdem durch strukturelle Änderungen in Form von angepassten Klassengrößen, differenziertem Lernmaterial und dem Einsatz von multiprofessionellen Teams verbessert werden. Dazu braucht es auch mehr qualifizierte Pädagog*innen und die konstante Möglichkeit der Fortbildung. Hierzu gehören der Ausbau und die Förderung inklusiver Gemeinschafts- und Gesamtschulen, die sich aus unserer Sicht bewährt haben. Auch die Schule als Ort selbst muss Veränderungen unterliegen. Hierzu wollen wir für den Neu-, Aus- und Umbau von Schulgebäuden verbindliche Vorgaben schaffen und bei der Raumausstattung und -gestaltung das Konzept des Lernraums als dritten Pädagogen berücksichtigen, um lernförderliche und -motivierende Lernumgebungen zu schaffen, die Inklusion als auch das individualisierte Lernen sowie selbstorganisiertes Lernen ermöglichen.

