Lisa Gnadl
SPD

Frage an Lisa Gnadl von Wbpura Nznaa bezüglich Umwelt

07. Oktober 2018 - 18:22

Sehr geehrte Frau Gnadl,

vielen Dank für Ihre Antwort vom 28.September.
Dazu möchte ich nachfolgend Stellung nehmen.

Das Frauenhoferinstitut ISE Freiburg, auf dem Sie sich beziehen, hat im Grunde lediglich Gestehungskosten einzelner Stromerzeuger beleuchtet. Sie nimmt keinerlei Bezug auf das Zusammenspiel von volatilen (wetterabhängigen) Energiequellen wie Sonne/Windstrom und benötigter Grundlast in einem Industrieland wie Deutschland. Sie ist daher für den weiteren Ausbau von Wind und Sonnenstrom so nicht brauchbar. Hans Werner Sinn vom IFO Institut hat diese Zusammenhänge sehr gut in einer Rede mit dem Titel „Energiewende ins Nichts“ beschrieben. (Quelle YouTube oder http://www.hanswernersinn.de/ )
In der Tabelle 39/41/42 „Energiedaten Gesamtausgabe“ (Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Energiedaten/energiedaten-ges... können Sie sehen, dass Deutschland im Vergleich der europäischen Strompreise sowohl für Industrie als auch für private Haushalte (mittlerweile) absolute Spitze sind. Unsere Nachbarn Frankreich sind bei den Stromkosten nur etwas mehr über die HÄLFTE der deutschen. Glauben Sie, das hätte nichts mit dem Ausbau von Wind und Fotovoltaik zu tun? Und bei diesem Spitzenstrompreis machen Wind und Sonnenstrom (die größten Preistreiber) derzeit gerade mal 5,6% Deckungsgrad des gesamten Endenergiebedarfes aus. Man muss kein Mathematiker sein um sich vorzustellen, dass wir keinen zus. Ausbau ohne weiteren Anstieg der Strompreise bekommen könnten, auch wenn Investitionskosten gesunken sind.
Mein Resümee: Wir können nicht Grundlastkraftwerke durch wetterabhängige Energiequellen ersetzen, wir werden beides benötigen. Das wäre nur mit einer effizienten Speichertechnologie möglich, die wir nicht haben. Die Grenze des Ausbaus von Wind- und Sonnenstrom ist erreicht, weiterer Ausbau wird unsere Netze destabilisieren und die Kosten weiter nach oben treiben.
Wollen Sie das verantworten?

Frage von Wbpura Nznaa
Antwort von Lisa Gnadl
22. Oktober 2018 - 09:39
Zeit bis zur Antwort: 2 Wochen

Sehr geehrter Herr Nznaa,

die französischen Strompreise hängen vor allem mit dem hohen Anteil an Kernenergie zusammen. Dabei ist anzumerken, dass die Kernenergie über Jahrzehnte mit hohen Steuermitteln subventioniert wurde. Ebenso spiegeln die Preise für Kernenergie die gesamtgesellschaftlichen Kosten nicht wider (etwa auf Jahrtausende zu garantierende sichere Endlagerung, menschliche Opfer und Sachkosten im Falle eines Unfalls). Wer das französische Modell kopieren will, muss klar benennen, dass das eine Abkehr vom Atomausstieg und den Neubau mehrerer Atomkraftwerke bedeuten würde. Das wäre in der Tat eine Politik, die ich nicht verantworten möchte.

Wie bereits ausgeführt, halte ich den Umstieg auf regenerative Energien für unumgänglich, erstens aus Gründen des Klimaschutzes und zweitens, um mehr Unabhängigkeit von Energieimporten zu erlangen.

Dass mittelfristig bis zur Marktreife von effizienten Speichertechnologien auch noch konventionelle, möglichst flexibel steuerbare Kraftwerke nötig sind, stelle ich überhaupt nicht in Abrede. Besser ausgebaute europäische Netze könnten hier dazu beitragen, regionale Schwankungen bei der Energieerzeugung auszugleichen.
Auch dass die Stromkosten einen nennenswerten Anteil im Budget der privaten Haushalte ausmachen, ist mir absolut bewusst. Daher setzt sich die SPD dafür ein, die Energiewende möglichst effizient und kostengünstig umzusetzen und bei Bedarf nachzusteuern. Die Reform des Erneuerbaren Energiengesetzes von 2017 hat ja genau das Ziel, Subventionen für erneuerbare Energien merklich zu senken. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich die Energiewende für absolut nötig und im Gesamtinteresse des Landes und künftiger Generationen halte.

Mit freundlichen Grüßen

L i s a  G n a d l