Lisa Gnadl
SPD

Frage an Lisa Gnadl von Wbpura Nznaa bezüglich Umwelt

21. September 2018 - 12:49

Sehr geehrte Frau Gnadl,

gemäß Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie von 2017 beträgt der Anteil des gesamten Endenergiebedarfes für die BRD 9300Petajoule. (2580 TWh)
Hierbei sind alle Energieverbräuche berücksichtigt, die dieses hochentwickelte Industrieland benötigt.
Kohle, Erdgas, Mineralöle, und Strom für Industrie, Verkehr, Haushalte, Gewebe.
Setzt man den Anteil der erzeugten Energie durch Windkraft und Photovoltaik damit ins Verhältnis, dann machen diese lediglich 5,6 % aus. Windkraft : ca. 4% und Photovoltaik: ca. 1,6%. (zur Endenergie)
Ein Deckungsgrad am Gesamtendenergiebedarf von 5,6 % . Dazu kommt, daß nur ca. 15% dieser 5,6 % Deckungsgrad als GESICHERTE Leistung angesehen werden können!!! (Volatilität)
Dafür werden nach einer Studie an der Uni Düsseldorf bis 2015 etwa 520 Milliarden Euro „fällig“
Das entspricht bei 40 Millionen Haushalten etwa 13.000 EUR je Haushalt. Zudem ist die Kilowattstunde in Deutschland zusammen mit Dänemark an höchster Stelle bei etwa 30 Cent / kWh.
Frankreich zum Vergleich liegt etwa bei 17 Cent/kWh.
Fragen: Wie sind diese enormen Investitionskosten und Strompreissteigerungen hinsichtlich einer Deckung durch Photovoltaik und Windenergie von lediglich 5,6% Deckung bis heute zu rechtfertigen? Was soll die „Energiewende bezwecken, bzw. was verstehen Sie unter „Energiewende“?

Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Energiedaten/energiedaten-gesamt-pdf-grafiken.html „Energiedaten Gesamtausgabe“ Seite 5,11

Frage von Wbpura Nznaa
Antwort von Lisa Gnadl
28. September 2018 - 09:20
Zeit bis zur Antwort: 6 Tage 20 Stunden

Sehr geehrter Herr Nznaa,

Energiewende besteht für mich aus drei wesentlichen Bausteinen:

1. Erneuerbare Energieträger vorantreiben
2. Die Verkehrswende einleiten
3. Energieeinsparung und Effizienz steigern

So sollen mittelfristig fossile Energieträger und Kernenergie durch regenerative, möglichst klimaneutrale Energiequellen ersetzt werden und der Energieverbrach insgesamt reduziert werden. Dabei besteht die Energiewende nicht nur aus Photovoltaik- und Windenergie. Die von Ihnen verlinkten Gesamtausgabe der Energiedaten zeigt auch, dass wir inzwischen (2017) 13,2 Prozent unseren gesamten Primärenergieverbrauchs durch erneuerbare Energie decken, beim Strom stammt ein Drittel aus erneuerbaren Quellen.
Auch die von Ihnen angeführte Studie des Instituts für Wettbewerbsökonomik an der Universität Düsseldorf geht nicht von Kosten in Höhe 520 Milliarden Euro bis 2015 aus. Vielmehr handelt es sich um die geschätzten Kosten für die Jahre 2000 bis Ende 2025, also für insgesamt 26 Jahre. Dabei sind auch Forschungsausgaben und der Netzausbau mit eingerechnet. Nach Ihrer Rechnung mit den 40 Millionen Haushalten wären dies also 500 Euro pro Haushalt und Jahr, wobei die reine Umlegung auf die Privathaushalte insofern irreführend ist, als dass nicht nur Privathaushalte, sondern auch die Industrie Kosten der Energiewende trägt.

Außerdem muss man die in der Studie angenommene Zahl von 520 Milliarden Euro in Zweifel ziehen, denn erstens ist die Studie eine Auftragsarbeit einer Arbeitgeberinitiative, die generell das Erneuerbare Energiengesetz ablehnt. Zweitens sind in der Berechnung die Reformen des Erneuerbaren Energiengesetzes von 2017 nicht berücksichtigt, die ja gerade darauf zielen, die Subventionen für Erneuerbare Energien und damit auch insgesamt die Kosten drastisch zu senken. Und drittens sind dort auch die Effizienzsteigerungen der letzten Jahre bei Windparks, Photovoltaik etc. nicht eingerechnet.

So kommt eine aktuelle Studie des Frauenhoferinstituts ISE Freiburg zu dem Schluss: „»Die Kostenprognosen der Vorgängerstudien haben sich bestätigt. Die Gestehungskosten für Strom aus erneuerbaren Energien sinken kontinuierlich und sind kein Hindernis für eine CO₂-freie Stromerzeugung mehr. Neu errichtete Photovoltaik-Anlagen und Onshore-Windenergieanlagen an günstigen Standorten sind bereits heute günstiger als fossile Kraftwerke, und dieser Trend wird sich bis 2035 deutlich verstärken«, so Projektleiter Dr. Christoph Kost.“ Weiter kommt die Studie zu der Prognose: „Durch technologische Fortschritte werden PV-Freiflächenanlagen in Süddeutschland und Onshore-Windenergieanlagen an windreichen Standorten bis 2035 die durchschnittlichen Stromgestehungskosten aller fossilen Kraftwerke deutlich unterbieten.“ (https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2018/studie-zu-stromgestehungskosten-photovoltaik-und-onshore-wind-sind-guenstigste-technologien-in-deutschland.html).

Zudem vollbringen wir die Energiewende nicht zum Selbstzweck, sondern um konkrete Probleme zu lösen: Der Verbrauch fossiler Energieträger erzeugt CO2-Ausstoß, der den Klimawandel anheizt. Der Klimawandel führt aber nicht nur zu Umweltschäden und menschlichem Leid (etwa durch Dürren, Hungersnöte und Naturkatastrophen), sondern verursacht auch immense Kosten: „Ohne stärkere Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels könnten sich die Kosten der Auswirkungen in Deutschland laut DIW bis zum Jahr 2050 auf insgesamt knapp 800 Milliarden Euro belaufen. Von diesen 800 Milliarden Euro würden ca. 330 Milliarden Euro auf direkte Kosten durch Klimaschäden entfallen, ca. 300 Milliarden Euro auf erhöhte Energiepreise (überwiegend für private Haushalte), sowie ca. 170 Milliarden Euro für Anpassungsmaßnahmen“ (https://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/klimawandel/38487/kosten-des-klimawandels).

Bei unserer bisherigen Energieversorgung sind wir außerdem extrem von Importen abhängig. Wie die von Ihnen verlinkten Gesamtausgabe der Energiedaten zeigt, importieren wir zwischen 90 und 100 Prozent der Energieträger wie Steinkohle, Mineralöl oder Uran – meist aus politisch instabilen Weltregionen wie Russland oder dem Nahen Osten. Nur Braunkohle müssen wir nicht importieren, aber die gesellschaftlichen Kosten des Abbaus kann man gerade am Hambacher Forst betrachten. Die Energiewende ist also auch ein Beitrag zu mehr Unabhängigkeit in unserer Energieversorgung.
Für die SPD sind drei Grundsätze wichtig: Energie muss umweltfreundlich und bezahlbar sein. Gleichzeitig muss die verlässliche Versorgung gesichert bleiben. Das sind für uns drei gleichrangige Ziele der Energiewende.

Daher werde ich mich – auch in Verantwortung gegenüber meinen Kindern – für den weiteren kosteneffizienten Ausbau erneuerbarer Energien einsetzen.
Zur weiteren Information anbei der Link zum Regierungsprogramm der hessischen SPD: https://www.spd-hessen.de/regierungsprogramm/

Mit freundlichen Grüßen

L i s a  G n a d l
Mitglied des Hessischen Landtags