Wie möchte Bündnis 90/Die Grünen als Stimme für den Tierschutz glaubhaft bleiben?
Sehr geehrte Frau Fröhlich,
mit großem Entsetzen habe ich gelesen, dass sich die Grünen in RLP für eine Reduzierung des Wildbestandes durch Jadg einsetzen (https://wahl-o-mat.de/rlp2026/). Wie wollen Sie eine glaubhafte Tierschutzpolitik betreiben, wenn Sie sich für die gewaltsame Endlosschleife stark machen, in der Tiere immer weiter aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben und letztlich sogar getötet werden? Verweise auf eine ökologische Nachhaltigkeit und Waldschutz sind für mich nicht ausreichend, um die Grünen in RLP ernsthaft als Tierschutzpartei wahrzunehmen.
Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.
Sehr geehrte Frau Y.,
vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Engagement für den Tierschutz. Ich finde es wichtig, dass solche Fragen diskutiert werden, der Schutz von Tieren sowie ihren Lebensräumen liegt mir, auch vor meinem Hintergrund als Biologin, besonders am Herzen. Leider beobachten wir in unseren Wäldern jedoch zunehmend einen Konflikt zwischen Naturschutz und Tierschutz. Unsere Wälder sind geschwächt: durch den Einfluss des Menschen und die entstandenen Monokulturen und nun auch noch zusätzlich durch die Klimakrise. Dabei ist ein gesunder Wald ein essenzieller Bestandteil für den Klimaschutz. Daher halte ich es für ausgesprochen wichtig, dass sich unsere Wälder erholen können. Das wird erschwert, wenn gerade junge Triebe vom Wild gefressen werden. Zudem fehlen trotz der allmählichen Rückkehr des Wolfs in vielen Gebieten natürliche Feinde, die den Wildbestand auf natürliche Weise begrenzen. Deshalb kann es aus ökologischer Sicht sinnvoll/notwendig sein, Wildbestände zu begrenzen. Wenn hohe Wildbestände den Lebensraum als solchen gefährden, steht damit auch das Überleben anderer, zum Teil bereits gefährdeter, Arten auf dem Spiel. Aus diesen Gründen setze ich mich für eine wissenschaftlich fundierte Wildtierpolitik ein, die sich an ökologischen Notwendigkeiten orientiert und keinesfalls nur an jagdlichen Interessen.
Das entspricht nur nebenbei auch der Ansicht der Tierschutzpartei. Diese haben die Frage im Wahl-O-Mat zwar mit Nein beantwortet, in ihrer Begründung jedoch geschrieben, sie befürworten eine Regulierung des Wildbestands (nur), wenn sie ökologisch notwendig ist. Dem stimme ich absolut zu.
Zudem hört Tierschutz bei uns natürlich auch nicht im Wald auf. Insbesondere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung sehen wir untragbare Zustände. Deshalb ist unser Ziel die Abschaffung der industrialisierten Massentierhaltung. Wir fördern Forschung, die Alternativen zu Tierversuchen entwickeln, und stärken unsere Tierheime. Um eine zentrale Stelle für den Tierschutz zu haben, wollen wir außerdem das Amt einer/eines Landestierschutzbeauftragten schafften.
Falls Sie gerne eine noch ausführlichere Beantwortung hätten, stehe ich für Rückfragen jederzeit zur Verfügung. Gerne können Sie mir diese auch per E-Mail an lena.froehlich@gruene-frankenthal.de senden.
Mit besten Grüßen,
Lena Fröhlich

