Klaus Albrecht
DIE LINKE
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Frage von Rüdiger G. •

Frage an Klaus Albrecht von Rüdiger G. bezüglich Bildung und Erziehung

Sehr geehrter Herr Albrecht,

Im Landtagswahlkampf ist das Thema Bildung ein Thema besonders die Organisation des Schulwesens wird thematisiert.
Finnland gilt bei diesem Thema ja immer als Maßstab, besonders auch die Grundschulen dort gelten als vorbildlich.

Freunde von mir wohnen in Nürnberg und schicken Ihren Sohn dort für 230,- € im Monat auf die Jena Plan Ganztags- Grundschule, diese ist ähnlich wie in Finnland organisiert.
Das Pädagogische Konzept wird hier http://www.jenaplan.org/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=14
erläutert.

Wichtige Komponenten sind u.a. kleine Klassen, immer 2 Betreuer pro Klasse, kein Frontalunterricht.
Zum Beispiel sieht der Bayrische Lehrplan vor, daß man sich in der 2 Klasse mit einem Tier beschäftigt.
Hier kann sich in jeder Klasse immer ein Team, ca. 4-5 Schüler, ein Tier aussuchen und auch entscheiden wie es sich damit beschäftigen will.
Das Team mit dem Sohn meiner Freunde hat z.b. ein Kochbuch über einen Fisch erstellt.
Am Ende der Lerneinheit werden die Ergebnisse, von einem Kind pro Team, vor der gesamten Klasse vorgestellt.
Die beiden Betreuer beobachten und unterstützen die Kinder dabei.

Halten Sie solch ein pädagogisches Konzept für sinnvoll?
Falls ja, wann könnte so etwas in Hessen der Standart sein?

Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Gruhle,

diese Frage beantworte ich Ihnen sehr gerne.Ich komme aus einer Lehrerfamilie und bin selbst seit über 25 Jahren im Schuldienst. Die Diskussion um den Jenaplan kenne ich schon, da war ich noch in der Grundschule. Mein Vater war ein eifriger Verfechter dieser Pädagogik, und hat sie an seiner Schule versucht umzusetzen. Er war ein Schüler von Heini Rodenstein. Im Studium in den 70iger Jahren habe auch ich mich mit der Reformpädagogik der zwanziger Jahre intensiv auseinander gesetzt. In meiner gesamten Unterrichtsparxis als Berufschullehrer versuche ich heute noch die pädagogischen Grundsätze anzuwenden. Das läuft heute u.a. unter der Begrifflichkeit der Handlungsorientierung, dazu habe ich mit Kollegen entsprechende Lehrpläne ausgearbeitet. Allerdings bin ich im Laufe dieser Zeit immer erheblichem Widerstand von anderen Kollegen und auch der Schulbürokratie begegnet. Diese Grundsätze, die die Schüler durch ihre praxisnahe individuelle Förderung zu kritikfähigen Menschen machen soll, stehen häufig im Widerspruch zu der Organisation und dem "Bildungsauftrag" der herkömmlichen Schule. Diese glänzt durch Selektion und einseitige theoretische Inhalte. Sie fragen, wann diese fortschrittliche Gedanken des Jenaplanes in Hessen wie in Finnland oder Bayern umgesetzt werden könnten. Ich denke jeder Zeit. Dazu müssen nur noch ein paar politische Rahmenbedingungen verändert werden. Mit einer Regierung unter Koch wird es schwierig sein, weil er die nötigen Mittel nicht zur Verfügung stellen will. Mal sehen, wie es nach der Wahl aussieht. Eine revolutionäre Angelegenheit ist es nicht unbedingt, den Jenaplan zu verwirklichen, aber es würde uns bei der Bildung unserer Jugend ein erhebliches Stück weiterbringen.

Mit freundlichen Grüssen

Klaus Albrecht