Kerstin Andreae
DIE GRÜNEN
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Frage von Tnoevry Xyrvar an Kerstin Andreae bezüglich Umwelt

# Umwelt 21. Juni. 2019 - 08:43

Sehr geehrte Frau Andreae,
Die 90 größten Kreuzfahrtschiffe setzen genau soviele Stickoxide in die Luft, wie alle Dieselautos auf der Welt.
Wäre es nicht möglich, anstatt Fahrverbote zu schaffen, einfach Kreuzfahrtschiffe abzuschaffen. Die machen unzählige Abgase, sind teuer, machen Venedig kaputt, sehen hässlich aus und sind wahrscheinlich das abgasschaffende Verkehrsmittel der Welt auf das wir am meisten verzichten können.
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

Von: Tnoevry Xyrvar

Antwort von Kerstin Andreae (GRÜNE) 24. Juni. 2019 - 09:36
Dauer bis zur Antwort: 3 Tage 53 Minuten

Sehr geehrter Herr Xyrvar,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Nicht nur im Bereich der Kreuzfahrtschiffe sehen wir Problem, sondern die Schifffahrt generell muss dringend die Verkehrswende schaffen. Bis 2050 müssen mindestens 50% der CO2-Emissionen eingespart werden. Ansonsten werden wir die Ziele des Pariser Klimaabkommen verfehlen. In unserem Antrag „Maßnahmen für mehr Klimaschutz im internationalen Seeverkehr"(https://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/102/1910201.pdf) fordern wir zukunftsfähige und innovative Lösungen.

Es braucht neue Antriebsmittel und -technologien in der Seeschifffahrt, die aktiv positive Beiträge zur Klimaschutzpolitik leisten. Diesen Weg einzuschlagen, wäre auch eine große Chance für Spitzentechnologie aus Deutschland und Europa für eine klimafreundliche, emissionsreduzierte und saubere Schifffahrt. Wir brauchen eine Strategie für den Einsatz alternativer Treibstoffe in der internationalen Seeschifffahrt. Erforscht wird aktuell noch eine serienmäßige bzw. industrielle Produktion von Treibstoffen über Power-to-Gas oder Power-to-Liquid-Technologien. Hierbei sollen durch den Einsatz von Strom synthetische Kraftstoffe erzeugt werden. Für eine neutrale CO2-Bilanz ist dabei erforderlich, dass der Strom auch CO2-frei erzeugt wird.

Der Einsatz von verflüssigtem Erdgas kann aufgrund seiner teils kritischen Herkunft (gewonnen durch Fracking) und vor allem aufgrund seiner nur geringen Treibhausgaseinsparungen auf diesem Weg keine langfristige Lösung sein.

Mit Bezug auf die drohenden Fahrverbote in vielen Innenstädten würde ein Verbot von Kreuzfahrtschiffen jedoch nicht helfen, da die gesetzlichen Abgasgrenzwerte auch im Straßenverkehr eingehalten werden müssen. Der Skandal, für den die Bundesregierung durch wissentliches Wegsehen erst die Voraussetzungen schuf, betrifft die gesamte Automobilindustrie. Die Bundesregierung war zu keinem Zeitpunkt an den Gründen für überhöhte Abgaswerte von Dieselfahrzeugen im echten Straßenverkehr interessiert, sie sorgte nach dem Abgasskandal nicht für Aufklärung und hat bis heute keine ernsthaften Konsequenzen gezogen.

Wir Grüne im Bundestag kämpfen für die Verkehrswende und wollen Mobilität neu gestalten. Wir wollen Autos, die sauber und sicher unterwegs sind. Auf der Schiene und im Öffentlichen Nahverkehr wollen wir gute Angebote. Mit zahlreichen Initiativen haben wir uns im Bundestag eingesetzt für besseren Bahnverkehr, die Förderung von Elektroautos, den Ausbau von Radwegen, den Abbau ökologisch schädlicher Subventionen und für gezielte Investitionen in ein umweltfreundliches Verkehrssystem. Nur so können Fahrverbote verhindert werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Kerstin Andreae