Katrin Schubring-Salazar Diaz
DIE LINKE
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Frage von Adelbert R. •

Frage an Katrin Schubring-Salazar Diaz von Adelbert R. bezüglich Gesundheit

Sehr Verehrte Frau Salazar,

Sie sind Verwaltungsangestellte bei einer Krankenkasse. Alles spricht von der zwei Klassenmedizin. Offizielle Regierungsvertreter verneinen dies. Wie sehen Sie das? Ich denke diese ist schon längst Fakt.
Was halten Sie von einer Bürgerversicherung?
Ist der Verwaltungsaufwand bei der Patientengebühr nicht extrem hoch? Bleibt von diesen 10€ überhaupt noch was übrig für die Krankenkassen?
Zu was ist eine Kassenärtzliche Verrechnungsstelle eigentlich noch gut?
Werden dort nicht Kassengelder verschwendet? Die Ärtze könnten doch direkt mit den Krankenkassen abrechnen, oder? Dies wäre sicher ein günstiger Weg , um mit den Geldern der gesetzl. Versicherten umzugehen.
Was halten Sie von den Privatisierungswellen im Gesundheitsbereich, speziell der Verkauf von Unikliniken und Krankenhäuser?

Mit freundlichen Grüßen
Adelbert Ringwald
Dipl.Betriebswirt BA Steuern&Prüfungswesen

Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Ringwald,

ihre letzte Frage möchte ich ganz krass beantworten: Krankheit, Behinderungen, Alter und Pflegebedürftigkeit, Leid, Schmerzen und Sterben sind keine Ware, an denen skrupellose, menschenverachtende Geschäftemacher sich bereichern dürfen. Ich lehne Privatisierungen von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen strikt ab. Der Verkauf der Hamburger Krankenhäuser zu 74,9 Prozent an den Gesundheitskonzern Asklepios sowie der Verkauf der Alten- und Pflegeheime von pflegen&wohnen an das private Pflegeunternehmen Vitanas ist eine Katastrophe für Patienten, Heimbewohner und die Beschäftigten.

Gewinne lassen sich nur durch Einsparungen verwirklichen. Das trifft immer das Personal, welches abgebaut bzw. schlechter bezahlt wird. Die Versorgung der Patienten wird dadurch so gefährdet, dass der medizinische Dienst der Krankenkassen von Pflegenotstand spricht. Zu erwähnen ist, dass der CDU-Senat diese Privatisierungen gegen das deutliche Votum in einem Volksentscheid und trotz Proteste der Belegschaften durchgezogen hat.

Ja, natürlich haben wir bereits eine 2-Klassen-Medizin. Das macht sich nicht nur daran fest, dass für bestimmte medizinische Untersuchungen und Behandlungen der Patient selbst aufkommen muss, sondern z.B. an den Zuzahlungen für Medikamente und an der Praxisgebühr Es gibt eben immer mehr Menschen, für die 10 Euro eine Menge Geld sind und die daher auf einen Arztbesuch und auf Medikamente lieber verzichten.

Die zunehmende Anzahl der sog. Wahltarife, Erstattungen, Selbstbehalte und wie die Modelle alle heißen mögen, sind für mich allerdings der deutlichste Hinweis darauf, dass Kranke und Geringverdiener immer stärker belastet werden. Hier sickern Elemente der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche ein und weichen das Solidaritätsprinzip auf.

Die gesetzlichen Krankenkassen überbieten sich hierbei an Einfallreichtum, um das Abwandern der Besserverdienenden in die private KV zu verhindern. Das ist allerdings auch verständlich, denn die "Geiz-ist-geil-Mentalität" insbesondere der jüngeren "guten Risiken" lässt diese häufig die Konsequenzen des Wechsels zu einer privaten Krankenversicherung unterschätzen und vorschnell wechseln, was natürlich zu einem Absinken des Beitragsvolumens führt. Ich befürchte, dass es bei Zunahme dieses Wahl- und Spezialtarif - Marktes zu einer ähnlichen Situation wie bei den Handytarifen kommt: keiner blickt mehr durch.

Ich nehme an, dass von den 10 Euro Praxisgebühr für die Krankenkassen genügend übrig bleibt, kenne jedoch keine genauen Zahlen.

Die Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen ist gesetzlich geregelt (SGB V). Danach haben sie hauptsächlich in ihrem Zuständigkeitsbereich die ambulante kassenärztliche Versorgung sicher zu stellen. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Ärzten und ihrer KV, wobei es häufig um die Aufteilung der Gesamtsumme an die Ärzte geht. Auch die hohen Gehälter der Vorstände der KVn bieten immer wieder Anlass zur Kritik. Abgesehen davon, dass es Gesetzesänderungen bedürfte, würde eine Abschaffung der KVn und KZVn und eine Übertragung ihrer Aufgaben an die Kassen selbstverständlich einen enormen Verwaltungsaufwand nach sich ziehen. Ob dieser gerechtfertigt wäre, vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür müsste ich mich eingehender damit beschäftigen.

Nach dem Modell der solidarischen Bürgerversicherung der Partei DIE LINKE. sollen alle Bürgerinnen und Bürger in der gesetzlichen Krankenversicherung zu einem Beitragssatz von 10 Prozent ihres Einkommens (einschließlich Zins- und Mieteinnahmen ) versichert werden. Dabei würden sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Rentnerinnen und Rentner 5 Prozent ihres Einkommens zahlen, denn die restlichen 5 Prozent würde der Arbeitgeber bzw. die Rentenversicherung tragen. Ein Beitragssatz von 10 Prozent wäre dadurch möglich, dass Kapitaleinkünfte und hohe Einkommen dann genauso die Finanzierung des Gesundheitssystems mittragen würden wie Arbeitseinkommen und geringe Einkommen. DIE LINKE. findet, dass ein Beitragssatz von 10 Prozent eine deutliche Verbesserung gegenüber dem heutigen Beitragssatz von ca. 14 Prozent darstellen würde. Auch würden nach unseren Berechnungen die Zuzahlungen für Medikamente und Arztbesuche und ähnliche Ungerechtigkeiten entfallen.

Freundliche Grüße
Katrin Salazar