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Katina Schubert
Die Linke
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Frage von Olaf P. •

Das SEZ verdient in seiner Vielfalt eine Regenbogenfahne! Verhindert den Abriss! Mehr als 150 WissenschaftlerInnen aus ganz Europa fordern den Erhalt des SEZ – warum nimmt Berlin das nicht ernst?

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Antwort von Die Linke

Sehr geehrter Herr P.,

leider nehmen der Senat, die ihn tragenden Fraktionen von CDU und SPD sowie die WBM nehmen diese richtigen Forderungen nicht ernst. 

Meine Fraktion und ich stehen da fest an Ihrer Seite. Die Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus hat im Februar letzten Jahres einen parlamentarischen Antrag eingebracht. Darin fordern wir den Senat auf, unverzüglich ein aktuelles Baugutachten zum Zustand der Gebäude erstellen zu lassen. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie soll ein städtebaulicher Ideenwettbewerb unter Beteiligung der Anwohnerschaft stattfinden. Bis zur endgültigen Entscheidung ist so schnell wie möglich im Rahmen von Zwischennutzungen wieder ein Sport- und Freizeitangebot im SEZ zu schaffen. 

Unser Antrag wird in der Ausschusssitzung am 2. März 2026 um 9.30 Uhr unter TOP 3 – eine Anhörung zum SEZ – beraten. Die Ausschussberatung können Sie im Livestream unter https://www.parlament-berlin.de/mediathek/parlament-live/livestream-ausschuss verfolgen.

Berlin braucht dringend neue Wohnungen. Die Sport- und Freizeitnutzung und zusätzlicher Wohnungsbau schließen sich jedoch nicht aus. Es liegen bereits Vorschläge von Architekt*innen vor, die Freizeitangebote mit dem Bau von bis zu 300 neuen Wohnungen kombinieren. Im Rahmen des Wettbewerbs soll insbesondere untersucht werden, wie Wohnbebauung und Freibad – etwa durch Laubengänge – kombiniert werden können, ohne dass es zu einer unzumutbaren Lärmbelästigung für die neuen Mieter kommt. 

Seit dem Beschluss des Bebauungsplans vor rund 10 Jahren hat sich die Klimasituation zugespitzt, mit immer mehr Hitzetagen und leider auch Hitzetoten. Sie erwähnen zurecht: Friedrichshain ist hochverdichtet und benötigt zusätzliche Sport- und Freiflächen (die übrigens bis vor kurzem noch teilweise zur Verfügung standen). Unsere Fraktion tritt zudem aus Klimaschutzgründen, um die Klimaziele Berlins auch tatsächlich zu erreichen, für den Erhalt des Gebäudebestands ein. Abrisse dürfen nur noch in begründeten Ausnahmen erfolgen. Der Neubau ist mit einem der größten Klimakiller, der Betonindustrie, auf das erforderliche Minimum zu begrenzen. 

Was der Abriss kostet wissen wir nicht. Das werden wir in der Anhörung erfragen. Wir fordern vergleichbar mit dem Abriss des Jahn-Stadions volle Kostentransparenz. Die Eile beim Abriss erklärt sich dadurch, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen nur in Wohnungsneubau-Zielzahlen denkt und die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM entsprechend unter Druck setzt, diese Zahlen zu liefern. Ob dabei ein ansprechendes, attraktives Wohnquartier mit gemischter Nutzung entstehen wird, diese Frage ist den Wohnungszahlen untergeordnet. 

Wir bedauern es sehr, dass das Landesdenkmalamt den Sonderbau – ein herausragendes Werk der Spätmoderne in der DDR – gerade angesichts des Wertes für die Freizeitgestaltung in der späten DDR und in der Wende- und Nachwendezeit nach mehrmaliger Prüfung nicht unter Denkmalschutz gestellt hat. Dabei ist die Entstehungsgeschichte auch einmalig: Der Gebäudekomplex war von schwedischen Architekten und der DDR-Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin unter der Direktion von Erhardt Gißke entworfen worden, in einer Kooperation mit HOCHTIEF, die den Bau anpasste. Die westdeutsche Baufirma setzte damals einen Mitarbeiter ein, der erst kurz zuvor aus der DDR geflüchtet war. Sein Vorteil: Er war bestens vertraut mit DDR-Normen und -Vorschriften. Auch dies ist ein Teil der Geschichte des SEZ, eines Gebäudes, welches für die Einwohner*innen Ost-Berlins und viele DDR-Bürger*innen von ähnlicher Bedeutung war wie der Palast der Republik.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse am Thema und freuen uns, wenn Sie auch weiterhin kritisch die Entwicklung des SEZ verfolgen. 

Mit freundlichen Grüßen

Katina Schubert

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