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Frage von Anika W. •

Frage an Karl Addicks von Anika W. bezüglich Außenpolitik und internationale Beziehungen

Guten Tag Herr Addicks,

wir sind ein PoWi-LK aus Bruchköbel und beschäftigen uns zur Zeit mit dem Thema Sozialpolitik in Entwicklings-, sowie Schwellenländern. Zu diesem Thema wurde am 16.01.2008 im Bundestag debattiert. Unsere Frage dazu ist jetzt wie sie persönlich zu dem Thema soziale Sicherung in Entwicklungsländern als Schwerpunkt deutscher Entwicklungspolitik stehen?

Mit freundlichen Grüßen
PoWi -Lk

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Antwort von
FDP

Sehr geehrte Frau Wallocha,

vielen Dank für Ihre Frage zum Thema Sozialpolitik in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ich freue mich, dass Sie sich im Rahmen ihres Unterrichtes mit diesem wichtigen Thema befassen.

Durch meine langjährige Erfahrung als Mediziner und Entwicklungspolitiker halte ich Soziale Sicherung in Entwicklungsländern für einen sehr guten und wichtigen Schwerpunkt in der Entwicklungszusammenarbeit, der noch viel stärker beachtet werden muss. Jedoch muss man auch sehen, was Entwicklungspolitik auf diesem Gebiet zu leisten im Stande ist und was die sich entwickelnden Länder selbst tun können und sollten. Momentan wird so viel Geld für Gesundheit- und Gesundheitssystemstärkung von der internationalen Staatengemeinschaft zur Verfügung gestellt wie nie zuvor und dennoch sind viele Probleme noch nicht gelöst. Das liegt zum einen an fehlenden Strukturen vor Ort um die Gelder auch richtig und effizient einzusetzen, aber auch an einer schlechten Koordinierung und einer falschen Schwerpunktsetzung durch die Geberländer. All dies sind Ansätze die auch zu einer Verbesserung der Lage in Entwicklungsländern beitragen können, insbesondere im Gesundheits- und Sozialbereich.
Einen ersten Schritt hat die internationale Gemeinschaft mit den acht Millenniumsentwicklungszielen (MDG) im Jahr 2000 getan. Drei dieser acht MDGs behandeln den Gesundheitssektor. Die Gesundheitsversorgung ist einer der Schlüsselfaktoren, die zur Entwicklung eines Landes beitragen. Nur mit einer gesunden Bevölkerung kann sich ein Land wirtschaftlich entfalten und die Menschen die Entwicklung ihres Landes vorantreiben. Dies ist nicht möglich, wenn der größte Teil der Bevölkerung zu jung, zu alt oder zu krank zum Erwirtschaften und Arbeiten ist. Nach wie vor sterben in vielen Ländern Menschen immer noch an Krankheiten, die einfach zu behandeln wären. Diese "Armutskrankheiten", aber auch HIV/Aids und Malaria führen dazu, dass die Lebenserwartung in Entwicklungsländern teilweise bis zu 30 Jahren unter der in den Industriestaaten liegt und weiter sinkt. Mangelhafte Gesundheitsdienste, Unterernährung/Mangelernährung, verschmutztes Trinkwasser und schlechte hygienische/sanitäre Bedingungen sind nach wie vor Hauptursachen dafür. Tropische Armutskrankheiten, HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose, Parasitosen* *und andere infektiöse Krankheiten stellen gerade für die afrikanischen Staaten eine immer größere Herausforderung dar.

Es gilt für Deutschland und die internationale Gebergemeinschaft den afrikanischen Staaten bei der Verbesserung ihrer Gesundheitsversorgung große Unterstützung zukommen zu lassen. Hierbei müssen die beteiligten nationalen Regierungsvertreter, aber auch die Zivilgesellschaft und die religiösen Autoritäten sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Grundsätzlich gilt es alle Anstrengungen im Bereich der Prävention, aber auch der Behandlungsmöglichkeiten, Medikamentenversorgung, Ausbildung von Gesundheitspersonal und der Bildung von Gesundheitssystemen zu verstärken.

Wir dürfen aber nicht den Fehler begehen, unsere sozialen Sicherungssysteme auf Entwicklungsländer zu übertragen. Das wäre zum einen nicht finanzierbar und damit auch nicht nachhaltig. Wir sehen in Deutschland ja gerade welche Probleme wir mit der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme haben. Aus diesen Fehlern müssen wir nicht nur in Deutschland lernen, sondern auch Entwicklungsländer bei der Schaffung nachhaltig finanzierbarer Sicherungssysteme unterstützen, die sich die Länder auch leisten können. Rein durch Entwicklungsgelder finanzierte Systeme sind nicht zukunftsfähig. Aber ich sehe in einigen Ländern schon gute Ansätze, so hat die marokkanische Regierung begonnen eine Krankenversicherung einzuführen.

Wie Sie sehen, passiert momentan einiges auf diesem Gebiet und ich werde dieses Thema auch in meiner parlamentarischen Arbeit weiter kritisch begleiten.

Viele Grüße!

Dr. Karl Addicks