Jens Kämpfer
DIE GRÜNEN
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Frage von Urytn Fpuzvqg an Jens Kämpfer bezüglich Umwelt

# Umwelt 22. Okt. 2019 - 20:34

Über Klimaschutz und CO2-Reduzierung wird viel gesprochen.
Was unternehmen Sie um eine Verringerung von Plastikmüll etc. zu erreichen. Z.B.
- bei Assiettenverbrauch (Essenanlieferung, Essenmitnahme bei Fleischer). Hier wird erheblicher Müll produziert der unbedingt reduziert werden sollte.
- bei Verwendung von Platikbeuteln in Mülleimern (Verwendung u.a. in öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Hotels in jedem Mülleimer). Auch wenn in den Mülleimern kaum Müll zu finden ist wird täglich der Plastikbeutel entsorgt. Ist denn die Verwendung von Plastikbeuteln unbedingt erforderlich?
- bei Plastik-Füllmaterial bei Paketlieferung (hier wird teilweise eine Unmenge von Füllmaterial verwendet)
Wenn nur bei diesen 3 Punkten angesetzt wird können wir schon sehr viel erreichen. Warum greift diese Punkte Keiner auf?
Sicherlich ist die Einsparung von Trinkhalmen auch ein erster Schritt, gegenüber dem o.g. Müll aber nur sehr sehr gering.

Von: Urytn Fpuzvqg

Antwort von Jens Kämpfer (GRÜNE)

Sehr geehrte Frau Schmidt,

herzlichen Dank für ihre Frage. Die von ihnen aufgeführten Punkte zur Vermeidung von Plastikmüll sehe ich genauso.

Viele gesetzliche Vorgaben zur Plastikvermeidung können aber nur auf nationaler oder sogar nur auf europäischer Ebene getroffen werden.

Auf Bundesebene haben die Abgeordneten der Bundestagsfraktion einen Grünen Aktionsplan gegen Plastikmüll entworfen und fordern die Bundesregierung auf, mit konkreten Abfallvermeidungszielen den Verpackungsmüll bis 2030 auf 110 kg pro Kopf zu halbieren, eine Abgabe auf Einweg-Essensverpackungen einzuführen und für Hersteller und Handel klare Vorgaben zu treffen. Außerdem muss das Mehrwegsystem wieder gestärkt werden, was auch im Bereich der Assietten in der Essenslieferung bzw. beim Einkauf anzuwenden wäre. Hier können Sie dazu mehr lesen: https://www.gruene-bundestag.de/themen/plastik

Denn Deutschlands Plastikverbrauch steht in Europa an der Spitze, die Meere sind weltweit durch Kunststoffe belastet. Selbst in unseren heimischen Gewässern ist Mikroplastik nachweisbar. Wir finden es in Kosmetika, es entsteht durch Abrieb beim Waschen von Kunstfaserkleidung oder im Straßenverkehr und gelangt über das Wasser in die Nahrungskette. Als Partei werden uns daher auf Bundesebene weiter für ein Verbot von Mikroplastik und schwer abbaubaren Polymeren in Kosmetika einsetzen.

Auf europäischer Ebene wurde vor einem Jahr das von Ihnen angesprochene Verbot von Trinkhalmen und Einweg-Geschirr verhängt. Das ist auch deshalb so wichtig, weil gerade diese Arten von Plastikabfall häufig in den Gewässern landet und letztlich dort zu Mikroplastik führt. Bei diesem Verbot waren die GRÜNEN treibende Kraft und fordern nach wie vor härtere Maßnahmen. Hier können Sie das nachlesen: https://www.gruene-europa.de/de/artikel/document/eu-parlament-geht-mit-s...

Doch auch in Thüringen können wir im Rahmen der Zuständigkeiten tätig werden.

So wollen wir in Thüringen kommunale und unternehmerische Strategien zur Kreislaufwirtschaft und Rohstoffrückgewinnung unterstützen, zum Beispiel, wenn Kommunen bei öffentlichen Veranstaltungen und im Alltag auf Mehrweggeschirr und die Einführung von Pfandsystemen setzen.

Weil die öffentliche Hand eine Vorbildwirkung hat, werden wir das Beschaffungswesen aller Landeseinrichtungen darauf ausrichten, nachhaltige Produkte einzusetzen, angefangen bei der Dämmung öffentlicher Bauten bis hin zur Beschaffung von Büromaterial.

Für eine Reduzierung von Plastik und Mikroplastik in Thüringen streben wir eine konsequente Kreislaufführung an. Wir wollen das Monitoring zur Belastung durch Mikroplastik verbessern und die Erforschung ihrer Ursachen und Wege zu ihrer Verminderung fördern. Um die Entwicklung hin zur „Zero-Waste“-Gesellschaft (also einer Gesellschaft, die möglichst keinen oder wenig Abfall produziert) zu beschleunigen, wollen wir, dass die Gründung von Unternehmen (zum Beispiel Unverpackt- Initiativen) durch Förderprogramme gezielt unterstützt wird.

Um die Probleme anzugehen, bitten wir sie daher für Sonntag um Ihre Stimme. Damit wir bei diesen Zielen weiter vorankommen. Über den Bundsrat lässt sich auch auf Bundesebene Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen- um für mehr Plastikvermeidung zu sorgen.

Mit freundlichen Grüßen 

Jens Kämpfer

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