Ingrid Nestle
DIE GRÜNEN
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Frage von Pynhqvn Qboorefgrva an Ingrid Nestle bezüglich Gesundheit

# Gesundheit 11. Aug. 2019 - 22:43

Sehr geehrte Frau Nestle,

von Zeit zu Zeit verfolge ich Ihre Pressemitteilungen auf Ihrer Website.

Da sich eine Ihrer Mitteilungen auf den Einsatz von Glyphosat an Bahngleisen bezieht möchte ich Folgendes zitieren:

"Ich sehe vor allem die Gefahr, dass Glyphosat bei der Nutzung auf den Gleisen vom eigentlichen Zielgebiet abdriftet und in Nähe der Gleise lebende Anwohnerinnen und Anwohner beeinträchtigt werden. Zwar ist eine Vegetationskontrolle an Gleisanlagen für den sicheren Bahnverkehr zwingend notwendig, jedoch sind potentiell gefährliche Pestizide dabei keine Lösung."

Da das Gesundheitsministerium zur Zeit einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt hat, mit dem Ziel die Grundrechte der Bürger einzuschränken um einen unverhältnismäßigen Impf-Zwang bezüglich der Masern, Mumps und Röteln durchzusetzen (Einzelimpfstoffe bezüglich der Masernimpfung sind in Deutschland nicht erhältlich),möchte ich gerne von Ihnen wissen, ob Sie auch hier Position im Sinne der Gesundheit für die Bürger beziehen?

Die MMR Impfstoffe Priorix und Priorix Tetra von GSK sind jeweils mit verschieden Nebenwirkungen gelistet, unter anderem mit einer Enzophalitis.

Weder Glyphosat noch so ein chemischer Impfstoff gehören in einen gesunden Menschen, die Auswirkungen sind im Vorfeld nicht absehbar, wer das bestreitet lügt.

Kann ich als Mutter zweier Kinder per Gesetz dazu gezwungen werden, eine Enzophalitis bei zwei gesunden Kindern in Kauf zu nehmen?
Ich habe das Gefühl, um Glyphosat werden sich mehr Gedanken gemacht.

Wie positionieren Sie sich zu diesem Thema?

Über eine Stellungnahme freue ich mich sehr.

Pynhqvn Qboorefgrva

Von: Pynhqvn Qboorefgrva

Antwort von Ingrid Nestle (GRÜNE) 13. Aug. 2019 - 10:13
Dauer bis zur Antwort: 1 Tag 11 Stunden

Sehr geehrte Frau Qboorefgrva,

herzlichen Dank für Ihre Frage!

Nach wie vor gibt es in Deutschland sowohl bei einzelnen Bevölkerungsgruppen als auch in manchen Regionen erhebliche Impflücken, d.h. die Impfquote ist nicht hoch genug, um einen sicheren Schutz der Menschen vor Masern zu gewährleisten. Gesundheitsminister Jens Spahn hat nun unter dem nicht ganz zutreffenden Label „Impfpflicht“ einen Gesetzentwurf zu einer verbindlichen Masern-Impfung für Kinder und Beschäftigte in Kitas und Schulen vorgelegt. Zum größten Problem, den sehr bedenklichen Impflücken bei Erwachsenen, hat er kein gezieltes Konzept. Es sind nämlich knapp 97 Prozent der Kinder einmal gegen Masern geimpft und knapp 93 Prozent haben auch die notwendige zweite Masernimpfung. Aber bei den über 30jährigen liegen die Impfquoten unter 50 Prozent.

Die Bundestagsfraktion der Grünen hat nun einen Antrag zu Masern und anderen Infektionskrankheiten beschlossen („Masern und andere Infektionskrankheiten endlich eliminieren – Solidarität und Vernunft fördern, Impfquoten nachhaltig steigern“). Unser Ziel ist es, diese Erkrankungen anders als Spahn nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten zu besiegen. Den Antrag finden Sie unter nachfolgendem Link: https://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/099/1909960.pdf

Unsere Vorschläge sind z.B. aufsuchende Impfangebote in Schulen, Kitas, Betrieben usw. und Impferinnerungen beim Aufsuchen von Ärztin oder Arzt und Krankenhaus. Wichtig wäre auch, dass Kinderärzte Erwachsene impfen dürfen. Dann können ungeimpfte Eltern sich zusammen mit ihren Kinder impfen lassen. Wir halten eine entsprechende Verankerung im SGB V für dringend erforderlich, um das bundesweit umzusetzen.

In unserem Antrag sprechen wir uns auch dafür aus, für Kinder und Beschäftigte einen ausreichenden Impfschutz zur Voraussetzung für den Besuch insbesondere der Kita zu machen. Uns hat das Argument insbesondere von Eltern überzeugt, dass dadurch Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen, am besten vor der Ansteckung durch Masern geschützt werden können.

Wir schlagen in unserem Antrag außerdem vor, dass Hausärztinnen und Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten gezielt einladen, um ihren Impfschutz zu vervollständigen. Ein digitaler Impfpass soll sicherstellen, dass niemand mehr nach seinem Impfpass suchen muss und die Informationen zum Impfstatus immer aktuell sind. Eine App auf dem Smartphone könnte dann daran erinnern, dass eine Impfung fällig ist.

Für all diese Dinge ist wichtig, dass der öffentliche Gesundheitsdienst wieder gestärkt wird. Er wird seit Jahrzehnten kaputt gespart, es fehlt an Personal - Ärztinnen und Ärzte dort werden schlechter bezahlt. Doch die Gesundheitsämter in den Kommunen können am besten erkennen, wo eine problematische Impflücke besteht und wie sie gezielt angegangen werden kann. Sie kennen die Probleme und können beispielsweise gezielt in Schulen und Kitas gehen oder Impfkampagnen für Erwachsene steuern.

Angesichts der geringen Impfquoten bei Erwachsenen zeigt sich: Die Forderung nach einer generellen gesetzlichen Impfpflicht geht am Kern des Problems vorbei. Sie ist außerdem kontraproduktiv, weil sie auch Menschen vor den Kopf stoßen kann, die gar keine prinzipiellen Einwände gegen Impfungen haben. Das könnte die Akzeptanz nicht nur bei Masern sondern auch bei anderen Impfungen schädigen. Wir sind der Auffassung, dass die Menschen durch Aufklärung und Informationen dazu bewegt werden können, ihren Impfschutz zu vervollständigen. Drohungen mit Sanktionen und Einschüchterung halten wir für den falschen Weg. Sie richten Schaden an und untergraben das notwendige Vertrauen der Menschen.

Weitere Infos zum Nachlesen finden sich unter: https://www.gruene-bundestag.de/gesundheit/impfquoten-nachhaltig-steiger...

Mit besten Grüßen
Ingrid Nestle