Frage an Ingbert Liebing von Obqb Fcerh bezüglich Finanzen

27. November 2012 - 12:31

Sehr geehrter Herr Liebing,

vor nahezu zwei Jahren hatte ich Ihnen eine Frage zur Goldlagerung gestellt, die für mich unbefriedigend begründet wurde. Mich würde nunmehr interessieren, wie Sie zum nachfolgenden Sachverhalt und der Goldlagerung heute denken.

Der Autor Gerhard-Helmut Komossa, ist Generalmajor a. D. und war Chef des Militärischen Abschirmdienstes sowie Chef des Amtes für Sicherheit der Bundeswehr und schrieb in seinem Buch erschienen im Ares Verlag, 2007, ISBN 978-3-902475-34-3,

„Die deutsche Karte. Das verdeckte Spiel der geheimen Dienste“ auf der Seite 21 und 22 folgendes:

„Der Geheime Staatsvertrag vom 21.Mai 1949 wurde vom Bundesnachrichtendienst unter „Strengste Vertraulichkeit“ eingestuft. In ihm wurden die grundlegenden Vorbehalte der Sieger für die Souveränität der Bundesrepublik bis zum Jahre 2099 festgeschrieben, was heute wohl kaum jemandem bewusst sein dürfte. Danach wurde einmal der „Medienvorbehalt der alliierten Mächte über deutsche Zeitungs- und Rundfunkmedien“ bis zum Jahre 2099 fixiert. Zum anderen wurde geregelt, daß jeder Bundeskanzler Deutschlands auf Anordnung der Alliierten vor Ablegung des Amtseides die sogenannte „Kanzlerakte“ zu unterzeichnen hatte. Darüber hinaus blieben die Goldreserven der Bundesrepublik durch die Alliierten gepfändet.“

Ich bedanke mich für Ihr Bemühen im voraus und bin gespannt auf Ihre Anwort.

Mit besten Grüßen
aus dem Nordseeheilbad Büsum
dem Tor zum Weltnaturerbe Wattenmeer

Frage von Obqb Fcerh
Antwort von Ingbert Liebing
24. Mai 2013 - 08:28
Zeit bis zur Antwort: 5 Monate 3 Wochen

Sehr geehrter Herr Spreu,

vielen Dank für Ihre erneute Anfrage zum Thema Goldlagerung. Im Anschluss an unsere zuletzt gegebene Antwort (vom 07.01.10) gebe ich Ihnen gerne weiterführende Informationen zur Situation des Goldbestandes. Es ist richtig, dass zu Zeiten des Kalten Krieges in Deutschland nur rund 70 Tonnen in Deutschland gelagert wurden. Dieses hat jedoch einen ganz einfachen Grund. Ein Großteil des Goldbesitzes ging vor allem in den 50er und 60er Jahren als Bezahlung hoher deutscher Außenhandelsüberschüsse in den Besitz der Deutschen Bundesbank über. Daher lagert derzeit der Großteil des Milliardenschatzes im Ausland, vor allem bei der US-Notenbank Fed.

Der gesamte aktuelle Goldschatz beläuft sich auf 3391 Tonnen (umgerechnet 137,51 Milliarden Euro). Davon liegen knapp ein Drittel in Frankfurt (1036 Tonnen), die US-Notenbank Fed lagert rund die Hälfte (1536 Tonnen), die Bank of England beaufsichtigt 445 Tonnen und in Frankreich werden durch die Banque de France 374 Tonnen sicher verwahrt. Mit diesem Jahr beginnend wird ein Anteil von 700 Tonnen der deutschen Goldreserven bis zum Jahr 2020 zur Bundesbank zurückgeführt, wobei die Reserven in Frankreich komplett abgezogen werden sowie aus den USA in den nächsten drei Jahren jeweils 50 Tonnen nach Deutschland kommen. Das alles Gold aus Frankreich abgezogen wird hat einen ganz einfachen Grund. „Die gemeinsame Währung in Europa verringert die Notwendigkeit, Gold bei Partnerländern in Europa zu lagern“, erklärte der Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele Anfang des Jahres. Damit erklärt sich auch der Grund, warum überhaupt Gold im Ausland lagert. Hierdurch bewahrt sich die Notenbank die Möglichkeit, im Fall einer Währungskrise Gold schnell in ausländische Währungen umtauschen zu können. Somit verstärkt die Lagerung von Goldbeständen im Ausland die Handlungsfreiheit Deutschlands und beschneidet sie nicht. Zudem gelten für im Ausland lagernden Goldbestände klare Überprüfungsrechte. Beispielsweise wird regelmäßig kontrolliert, ob das Gold sicher gelagert wird und der Deutschen Bundesbank jederzeit zur Verfügung steht.

In Anbetracht dieser Entwicklung wird deutlich, dass die Bundesrepublik Deutschland durchaus souverän über ihre Goldreserven verfügt und keinerlei Einschränkung durch die ehemaligen Siegermächte stattfindet. Ihre Befürchtungen, die Bundesrepublik unterliege heute immer noch einer insgeheim fremdgesteuerten Politik, entspricht nicht den Tatsachen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ingbert Liebing