Ina Sinterhauf
DIE GRÜNEN

Frage an Ina Sinterhauf von Orggvan Uüyß bezüglich Verkehr und Infrastruktur

09. Oktober 2018 - 14:53

Hallo liebe Frau Sinterhauf,

Nur noch eine Frage von mir (vorläufig...):

Betrifft Elekrtoautos: Wäre das tatsächlich eine umweltfreundlichere Alternative?
Wäre die dafür erforderliche Energie überhaupt mit Ökostrom abdeckbar?
Wenn ja: Alle wollen zwar die Energie, aber keiner will die Stromtrassen!? (wie wir jetzt ja auch im Coburger Land merken). Und wenn nein: dann doch noch Atomkraft?

Außerdem: Letztens kam ein guter Bericht auf ZDF info zu den Akkus, die für die E-Autos und ja auch für Smartphones etc. gebraucht werden. Das Lithium dafür wird u.a. in Chile abgebaut und die Arbeiter riskieren und geben dafür oft tatsächlich ihr Leben in den ungesicherten Gruben, und das natürlich für einen Hungerlohn. Das kann es ja dann auch nicht sein - oder????

So jetzt ist es erstmal gut. Bitte eine ehrliche Antwort (meine Stimme haben sie auf jeden Fall).

Ich wünsche Ihnen noch viel Kraft für vor der Wahl - und danach im Landtag!!!

Alles Gute von

Bettina Hülß

Frage von Orggvan Uüyß
Antwort von Ina Sinterhauf
10. Oktober 2018 - 23:17
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 8 Stunden

Sehr geehrte Frau Uüyß,

für Ihr Vertrauen und Ihre Stimme bedanke ich mich an dieser Stelle ganz herzlich. Ich freue mich, dass ich Sie mit meinen Ideen offenbar erreichen und überzeugen konnte.

Für die Umweltfreundlichkeit von Fahrzeugen sind meiner Ansicht nach zwei Aspekte maßgeblich: der Ausstoß von Abgasen und die CO2-Bilanz, und zwar über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs. Ersteres gibt es bei E-Autos nicht (womit dieser Punkt zugunsten der E-Autos ausfällt), daher ist vor allem die CO2-Bilanz interessant. Eine Untersuchung des Bundesumweltministeriums von 2017 ( https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Verkehr/emob_klimab… ) kommt zu dem Ergebnis, dass selbst mit dem heutigen Energiemix (d.h. mit nicht 100 % Erneuerbaren Energien) und unter Hinzuziehung weiterer konservativ gerechneter Annahmen das E-Auto über die gesamte "Lebenszeit" schon heute einen um 16-27 % geringeren CO2-Ausstoß erzeugt als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Ich halte E-Autos daher tatsächlich für die umweltfreundlichere Alternative.

Der Punkt der Arbeitsbedingungen nicht nur für die Gewinnung von Rohstoffen für E-Autos, sondern ganz generell in der Herstellung von Produkten für unseren Wohlstand, ist wichtig. Denn es handelt sich um eine Frage der sozialen und globalen Gerechtigkeit und um grundlegende Menschenrechte. Die Sicherstellung von Arbeitsschutz und gerechter Bezahlung liegt natürlich in der Verantwortung der Hersteller, welche auch auf ihre Lieferketten Einfluss haben, aber auch in der Außen- und Außenhandelspolitik, welche über Handelsabkommen Standards verhandeln kann.

Nicht nur für die Speisung von E-Autos, sondern auch generell als Maßnahme für den Klimaschutz setze ich mich für einen Ausbau der Erneuerbaren Energien auf 100 % ein. Im Jahr 2017 betrug der Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland insgesamt laut Bundeswirtschaftsministerium 36 %. Es gab im vergangenen Jahr aber auch im Winter sogar Tage, an denen dieser Anteil bei 100 % lag. Zudem exportieren wir Stromüberschüsse an Tagen mit hohem Sonne- und Windaufkommen, sodass etwa ein Drittel der Kohlekraftwerke abgeschaltet werden könnte, ohne dass Strom "fehlt". Internationale Studien (z.B. http://energywatchgroup.org/wp-content/uploads/2018/01/Full-Study-100-R… , dort Seite 4) zeigen Szenarien auf, mit welchem Energie-Mix der weltweite Strombedarf aus 100 % Erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Künftige technologische Innovationen sind im Bereich der Speichertechnik mit eingerechnet, bei entsprechender Gestaltung des Marktes kann aber auch in anderen Bereichen von Innovationen ausgegangen werden.

Ich bin daher der festen Überzeugung, dass eine Strombedarfsdeckung in Deutschland zu 100 % aus Erneuerbaren Energien möglich ist, auch beim Umstieg auf E-Mobilität. (Zumal davon auszugehen ist, dass nicht alle Autos mit Verbrennungsmotoren gleichzeitig stillgelegt und durch E-Autos ersetzt werden.) Die Verkehrswende und die Energiewende sollten dazu aber zusammen gedacht und miteinander verzahnt umgesetzt werden.

Atomkraft ist für mich in keinem Fall eine Alternative, da diese Technologie die ungeheure Hypothek der Endlagerung von Atommüll mit sich bringt. Nicht nur gibt es in Deutschland bisher kein taugliches Endlager, auch ist unklar, wie man den radioaktiven Abfall über die notwendige und undenkbar lange Dauer von 10.000 Jahren sichern und Menschen davor schützen will.

Für den Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energien und den dafür notwendigen Netzausbau gibt es bisher kein mir bekanntes Planungsszenario, daher lässt sich seriöserweise nicht sagen, ob und welche neuen Stromtrassen dann benötigt werden. Die Erstellung einer solchen Planung mit 100 % Erneuerbaren wäre daher ein erster wichtiger Schritt, um nicht weiter mit Hypothesen operieren zu müssen. Meine Haltung zu neuen Stromtrassen (dort mit Bezug auf das Coburger Land, aber auch insgesamt gültig) habe ich außerdem in einer anderen Frage hier auf Abgeordnetenwatch dargelegt.

Ich hoffe, mit diesen Ausführungen Ihre Fragen zufriedenstellend und umfassend beantwortet zu haben. Ich freue mich, wenn wir den Austausch auch künftig fortsetzen.

Herzliche Grüße
Ina Sinterhauf