Hubert Hüppe
Hubert Hüppe
CDU
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Frage an Hubert Hüppe von Matthias M. bezüglich Wirtschaft

Guten Tag Herr Hüppe,

Ihre Haltung zu einem Thema, das in der öffentlichen Diskussion bisher kaum vorkommt, interessiert mich besonders: Die Digitalisierung. Hierunter werden die unterschiedlichen technologischen Entwicklungen wie Automatisierung, Vernetzung oder Big Data Analysen zusammengefasst.
Durch die fortschreitende Digitalisierung wird sich die Arbeitswelt und auch die Gesellschaft wandeln. Sicherlich ist Ihnen die Studie von Osborne und Frey (The future of employment: how susceptible are jobs to computerisation?) bekannt, aus der folgt, das 47% aller Berufe bis 2030 obsolet sein werden. Weitere Studien zu diesem Thema kommen zu ähnlichen Ergebnissen (siehe Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages: WD 6 – 3000 - 035/16).
Nun meinen Fragen: Wie gedenken Sie auf diese Entwicklung zu reagieren? Wie wollen Sie verhindern, dass 2030 die Arbeitlosenquote über 50% steigt? Wie können die Sozialsysteme eine solche Entwicklung aushalten? Wie kann der Staat weiter funktionieren, wenn Arbeit nicht mehr zur Erwirtschaftung von Erträgen benötigt wird, aber die einzige wesentliche Einnahmequelle bleibt? Wie können die Bürger vor ungewollter Nutzung oder Missbrauch ihrer Daten geschützt werden? Wie sollte dieser Umbau der Gesellschaft durch Gesetze reguliert werden und wie soll die Kontrolle darüber erfolgen?
Die Beantwortung dieser Fragen halte ich für die wichtigste Herausforderung an Sie als Politiker, da die Auswirkungen auf die Gesellschaft durchaus in einem vergleichbaren Umfang wie bei der Industrialisierung im 19. Jhdt. Zu erwarten ist. Bitte erläutern Sie Ihre Ansichten, sowie die Ihrer Partei.

Herzlichen Dank,

Frage von Matthias M. am
Thema
Hubert Hüppe
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 5 Tage 11 Stunden

Sehr geehrter Herr M.,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Auch ich halte die Digitalisierung für ein sehr wichtiges Thema. Meines Erachtens stellt sich die Frage, ob wir bei der Digitalisierung mitmachen, nicht mehr. Dieser Prozess hat längst begonnen, man merkt es überall. Noch Mitte der Woche war ich in Berlin, um Förderbescheide über mehr als 11 Millionen Euro für den Breitbandausbau im Kreis Unna entgegenzunehmen.

Ich muss zugeben, dass ich die von Ihnen angeführte Studie von Carl Frey und Michael Osborne nicht kannte, da dies nicht mein Fachgebiet ist. Wenn ich die ebenfalls von Ihnen angesprochene Dokumentation des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages (WD 6 – 3000 – 035/16) richtig verstanden habe, ist das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung bei der Übertragung der Studie von Frey/Osborne auf Deutschland zwischenzeitlich zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht 47 Prozent, sondern nur 12 Prozent der Berufsbilder eine relativ hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit bis 2030 haben.

Dies deckt sich auch mit meinen eigenen Beobachtungen. Durch viele Besuche in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Polizeidienststellen und Betrieben weiß ich, dass überall Pflegekräfte (besonders in der Altenpflege), Ärzte, Polizisten, Sonderpädagogen, Lehrer und Handwerker fehlen. Viele Arbeitsplätze – und das betrifft Berufe mit beruflicher und akademischer Ausbildung gleichermaßen – sind auch mittelfristig nicht durch einen „Roboter“ zu ersetzen. Denn die zunehmende Digitalisierung wirkt sich auf Branchen und Berufe sehr unterschiedlich aus. Überall dort, wo es um den direkten Kontakt zum Menschen geht, werden wir auch künftig einen hohen Bedarf an Arbeitskräften haben

Nichtsdestotrotz bietet die Digitalisierung gerade im Bereich der Wirtschaft große Chancen und natürlich auch – wie Sie ansprechen - große Herausforderungen. So sind wir vor dem Hintergrund des demografischen Wandels darauf angewiesen, die Produktivität zu steigern, um unseren Sozialstaat langfristig zu sichern. Zusätzliche Wertschöpfung durch Digitalisierung bietet die Chance, einen großen Produktivitätsschub zu bringen. Gleichzeitig glaube ich, dass die Digitalisierung unsere Arbeitswelt erheblich verändern wird. Menschen müssen zunehmend digital kompetent sein, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Deshalb müssen wir neue Berufsbilder definieren, die Möglichkeiten der Weiterbildung und Qualifizierung ausbauen und eine Kultur des lebensbegleitenden Lernens etablieren.

Allerdings ist dieser Strukturwandel weder neu, noch lässt er sich aufhalten. Man denke zum Beispiel an den Beruf des Hufschmieds zurück, dessen schrumpfende Auftragslage nach der Erfindung des Automobils mit einem stark wachsenden Bedarf an Automechanikern einherging. Damals wie heute bringt der Fortschritt neue Berufe.

Mit der Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union wurde bereits der Rahmen gesetzt, in dem wir auf nationaler Ebene flexibel auf neue digitale Geschäftsmodelle reagieren und zugleich die berechtigten Datenschutzinteressen der Bürgerinnen und Bürger wahren können

Von uns hängt es nun ab, ob wir aus der Digitalisierung das Beste machen oder nur zuschauen, wie andere die Welt verändern. Mir ist wichtig, dass der digitale Fortschritt im Dienst der Menschen steht: er muss die Arbeitswelt menschlicher machen, die Umwelt schützen, die Gesundheitsversorgung verbessern und die Lebensqualität erhöhen.

Soweit mein Blick auf das Thema. Darüber hinaus ist Digitalisierung eines der zentralen Themen im gemeinsamen Regierungsprogramm von CDU und CSU zur anstehenden Bundestagswahl. Das Kapitel „Chancen im digitalen Zeitalter“ finden Sie ab Seite 48 unter https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/170703regierungsprogramm2017.pdf .

Mit freundlichen Grüßen
Hubert Hüppe MdB

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