Portrait von Henriette von Enckevort
Henriette von Enckevort
SPD
Zum Profil
Frage stellen
Die Frage-Funktion ist deaktiviert, weil Henriette von Enckevort zur Zeit keine aktive Kandidatur hat.
Frage von Christian G. •

Frage an Henriette von Enckevort von Christian G.

Sehr geehrte Frau von Enckevort,

ich sehe eine schlechte Entwicklung bei den Bücherhallen. Die Bücherhallen, die ich kenne, dünnen Ihr Sortiment aus, verkleinern die Räume, müssen im Gegensatz immer mehr Platz herhalten für lernende Schüler und anderen Bürger.
Zum Beispiel die neue Horner Bücherhalle wird um 2/3 verkleinert.
Die Bücherhalle Billstedt und Mümmelmannsberg mussten sich auch verkleinern.

Von den schon in der Vergangenheit geschlossenen Bücherhallen nicht zu reden.
Weshalb wird den der Stiftung der Bücherhallen nicht der finanzielle Hintergrund gegeben, das die Bücherhallen auf einem guten Status gehalten werden können? Ein Ausbau der bestehenden Gebäude und Erweiterung der Bestände wäre auch mal nicht schlecht.Wenn man was spezielleres ausleihen möchte, muß man in der Regel in die Zentralbibliothek dieses Medium ausleihen.Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen Austattung und Beliebtheit.

Mit freundlichen Grüßen
C. G.

Portrait von Henriette von Enckevort
Antwort von
SPD

Sehr geehrter Herr G.,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Die Bücherhallen sind der zentrale Ort für kulturelle Bildung in der Stadt. In Hamburg haben die einzelnen Filialen einen großen Kreis an Nutzerinnen und Nutzern. Über 4,5 Mio. Besucher, ergänzt noch einmal um ca. 3,5 Mio. Online-Besucher, fast 14 Mio. Entleihungen, ca. 9000 Veranstaltungen besonders für Kinder und Jugendliche in allen Stadtteilen, außerdem Schulaktivitäten in allen Stadtteilen, sehr gute Online-Dienstleistungen auf hohem Niveau und Arbeitsvorhaben mit ca. 500 ehrenamtlichen Mitarbeitern überall in der Stadt. Ich gebe Ihnen Recht, das Budget wurde in den letzten Jahren nicht deutlich erhöht. Trotz allem haben die Bücherhallen es geschafft, weitere Besucher hinzuzugewinnen und eine Dynamik in Gang zu setzen, die die Leistungsbilanz sogar noch verbessern konnte. 2011 hat der SPD Senat geplante Kürzungen bei den Bücherhallen zurückgenommen, damit keine weiteren Standorte geschlossen werden mussten und die Öffnungszeiten erweitert werden konnten. Was den Umzug der Bücherhalle Horn in das Stadtteilhaus „Horner Freiheit“ angeht: Durch den Abriss des vorherigen Gebäudes am Rhiemsweg wird Wohnungsneubau ermöglicht. Die Bücherhalle am alten Standort war zudem räumlich überdimensioniert und überdies baufällig. Durch den Umzug der Bücherhalle in das Stadtteilhaus „Horner Freiheit“ ist das Angebot jetzt besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, da es sich in der unmittelbaren Nähe der U-Bahnstation und verschiedener Buslinien befindet. Die Verkleinerung der Fläche hat damit zu tun, dass die Miete in dem Neubau entsprechend teurer geworden ist und nur ein kostenneutraler Umzug für die Stiftung infrage kam. In Barmbek Basch, dem örtlichen Stadtteilhaus, profitieren alle von den räumlichen Synergien der verschiedenen sozialen Einrichtungen unter einem Dach.

Es ist richtig, dass mitunter die Räume der Bibliotheksstandorte gelegentlich oder wann immer es die Vertragslage ermöglichte, verkleinert wurden. Dies waren allerdings nicht immer nur reine Sparmaßnahmen, sondern auch Reaktionen auf veränderte Nutzerströme. Die strukturellen Veränderungen bei den Bücherhallen hängen deshalb auch nicht nur mit der finanziellen Ausstattung zusammen, sondern auch mit dem sich verändernden Medienkonsum und der Veränderung der Medien selber.

Durch Zusammenlegungen sehr kleiner Stadtteilbibliotheken konnten neue größere Standorte geschaffen werden. Die durch ihr Angebot attraktiver für die Leserinnen und Leser wurden und somit produktiver und erfolgreicher in der Auslastung sind. In den einzelnen Standorten wird immer wieder neu strukturiert um mehr Platz für Nutzerinnen und Nutzer zu schaffen. Denn die Bücherhallen sind für viele Menschen ein sozialer Treffpunkt. Dafür soll auch in Zukunft Platz geschaffen werden. Ein nicht kommerzieller Ort der Begegnung für zum Beispiel Lerngruppen, Interessensgruppen und Hobbygruppen.

Um die Öffnungszeiten auch an den Stadtteilstandorten zu erweitern, wird in Finkenwerder ein Modell getestet, welches die Türen der Bücherhalle zwar für Nutzer öffnet, aber kein Personal benötigt. Bei der „Open-Library“ handelt es sich um sogenannte Selbstbedienungszeiten in den Räumen der Bibliothek. Der Nutzer trifft keine Mitarbeiter an, kann sich aber selbständig Medien entleihen, zurückgeben und die Räume der Bibliothek nutzen. Auch in der Zukunft wird es darum gehen, wie mit weniger Personal das Angebot erweitert werden kann. Wie mehr Kitas, Schulen und andere kommunale Netzwerke von dem Angebot der Bücherhallen profitieren können. Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort behilflich sein. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, kommen Sie gerne persönlich zur Bürgersprechstunde in mein Büro.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Jette von Enckevort