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Heidi Reichinnek
Die Linke
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Frage von Greta T. •

Liebe Frau Reichinnek, ich kann ihre Position zum Nordischen Modell leider nicht nachvollziehen. Könnten Sie mir dies bitte aus einer feministischen Perspektive erläutern?

Weit über 90% der Frauen in der Prostitution sind dort aus Armut und Zwang. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn es handelt sich um ein großes Dunkelfeld.

Die Forderungen der Linken (Gesundheitsberatung u.a.) sind bereits umgesetzt,erreichen aber nur den geringsten Anteil der Frauen, die von sich sagen diese Tätigkeit selbstbestimmt durchzuführen.

Erkenntnisse aus Ländern in denen das Nordische Modell (Sexkaufverbot, Kriminalisierung der Freier) bereits umgesetzt ist zeigen, dass die geänderte Gesetzgebung den Anteil an gehandelten Frauen drastisch reduziert. Die Länder werden als Zielländer unattraktiv.

Außerdem ist Prostitution doch absolut unfeministisch, denn es hat nichts mit Selbstbestimmung zu tun, sondern mit Not und Erniedrigung. Die Frauen sind den Freiern schutzlos ausgeliefert. Es gibt keinen Beruf mit einem so hohen Gefahrenpotenzial körperliche und psychische Langzeitschäden zu erleiden (v.a. PTBS). Bitte, schauen sie auf dieses Thema nochmal drauf.

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Antwort von Die Linke

Sexarbeit als solche ist sehr vielfältig. Sie reicht von Formen der Sexarbeit, die von einem hohen Grad an Selbstbestimmung geprägt sind, bis hin zu prekären armuts- und ausbeutungsgeprägten Situationen, die gleichwertige Beachtung verdienen. Die Probleme und Kämpfe von Sexarbeiter*innen sind anders gelagert als die von Betroffenen von  Menschenhandel. Die Ausgangslage und Bedarfe sind verschieden, weshalb es verschiedene Lösungen braucht.

Menschen in der Prostitution brauchen Beratungsangebote, Unterstützung, wenn sie sich gegen Missstände wehren wollen und ggf. die Legalisierung ihres Aufenthaltsstatus, damit sie keine Angst haben müssen, abgeschoben zu werden, wenn sie Hilfe suchen. Es muss darum gehen, die Rechte von Sexarbeiter*innen zu stärken, anstatt sie stereotypisch zu Opfern zu erklären. Gleichzeitig müssen jene unterstützt werden, die gegen ihren Willen oder aus wirtschaftlichen Zwängen in der Prostitution tätig sind. Anstatt Stigmatisierung braucht es Akzeptanz und vor allem Arbeitnehmer*innenrechte und soziale Absicherung.

Für alle in der Prostitution tätigen Menschen muss der Schutz der allgemeinen Menschenrechtsverträge gewährleistet werden. Sei es das Recht auf Gesundheit, der Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, das Recht auf sichere und faire Arbeitsbedingungen, die Umsetzung des Diskriminierungsverbots oder ein geschlechtsstereotypfreier Zugang zu den eigenen Rechten.

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