Hans Josef Fell
DIE GRÜNEN
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Frage von Zngmr Zrvre an Hans Josef Fell bezüglich Umwelt

# Umwelt 17. Sep. 2009 - 13:52

Sehr geehrter Herr Fell,

heute habe ich Ihren Wahlwerbeflyer mit der Tageszeitung erhalten. Darin bekräftigen Sie Ihren Wahlspruch "100% erneuerbare Energie".

Meine Frage bezieht sich nun konkret auf die Windenergie:
Nach Studium gängiger Windkarten ist das wirtschaftliche Betreiben von Windenergieanlagen nur an den Meeresküsten oder in den Hochlagen der Mittelgebirge möglich. Dennoch werden weiter massiv Windräder aufgestellt, was zumeist an einer, zumindest rein ökonomisch betrachtet, nicht nachvollziehbaren Förderung liegt. Fakt ist auch, dass gerade bei der Windenergie nur dann Strom entsteht, wenn auch Wind bläst. Was ja genau das weitere Vorhalten klassischer Energieerzeugung notwendig macht.

Insofern komme ich zum Kern meiner Frage:

Weshalb vertreten Sie auch die Windenergie, wenn das ureigenste Thema der Grünen der Umweltschutz ist?

Genauer:
Wie vereinbaren Sie mit sich als Umwelt- und hoffentlich auch Landschaftsschützer, dass unsere schöne Landschaft zusehends mit immer mehr und immer höheren und immer größeren Metall- und Beton-Windmühlen zugebaut wird? Kaum ein Blick mehr über unsere Täler und Hügel ohne dass man diese fremdartigen Gebilde erblickt!

Mit freundlichen Grüßen

Matze Meier

Von: Zngmr Zrvre

Antwort von Hans-Josef Fell (GRÜNE)

Sehr geehrter Herr Meier,

Sie haben vollkommen recht, dass Windräder nur dann Strom erzeugen wenn Wind weht und natürlich auch nur dort, wo er weht.

Aufgrund der technologischen Entwicklung, die die Windenergie mittlerweile beschritten hat, ist die Erzeugung von Windstrom mittlerweile auch an Standorten wirtschaftlich, wo dies vor 10 Jahren noch nicht der Fall war. Die Windräder sind vor allem größer geworden und reichen damit in größere Höhen, wo mehr Wind weht. Damit sind nun viele Standorte auch in der Umgebung Haßfurts für die Windkraft wirtschaftlich rentabel geworden. Die Größe der neuen Windräder hat übrigens noch einen anderen Vorteil. Die Umdrehungszahl pro Minute geht zurück. Dadurch läuft das Windrad optisch viel ruhiger. Durch das Repowering werden in den nächsten Jahren viele kleinere schnell laufende Windräder durch größere langsam laufender ersetzt. Letztere liefern zugleich deutlich mehr Strom als die alten kleineren.

Sie haben Recht, dass das alte Stromversorgungssystem nicht gut auf den Betrieb der Windräder ausgerichtet ist. Anstatt das vorhandene starre System mit inflexiblen Atom- und Kohlekraftwerken, benötigen wir in Zukunft eine flexible überwiegend dezentrale Stromversorgungsstruktur mit einem flexiblen Kraftwerkspark, mit Energiespeichern, einem intelligenten Netz sowie einer intelligenten Nachfragesteuerung.

Wir Grünen stehen der Windkraft eindeutig positiv gegenüber. Die Windenergie spielt für den Klimaschutz eine außerordentlich wichtige Rolle, da Windstrom faktisch CO_2 frei ist.. Klimaschutz muss im Zweifel auch Vorrang haben gegenüber individuellen ästhetischen Vorlieben. Viele Personen, darunter auch ich empfinden die Aussicht auf Windräder als ästhetisch ansprechend. Ich bin mir allerdings bewusst, dass dies nicht bei allen Menschen so ist.

Aber auch dann, wenn man das Aussehen von Windrädern nicht mag, stellt sich immer noch die Frage, ob es nicht wichtigere Aspekte als diesen gibt. Das Überleben der Menschheit ist eindeutig als ein wichtigeres Ziel zu betrachten. Hierzu ist der Klimaschutz allerdings unabdingbar.

Selbstverständlich müssen die Standorte danach ausgewählt werden, dass der Lärmschutz für die Bürger gewährleistet ist und die Belange des Naturschutzes ausreichend berücksichtigt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Josef Fell MdB