Frage an Guntram Schneider von Fnaqen Fgbssref bezüglich Arbeit

09. August 2014 - 15:25

Sehr geehrter Herr Schneider,

in der WAZ-Online vom 8.8.2014 lese ich, dass Sie den Grund für die schlechte Jobvermittlung in der Qualifikation der Arbeitslosen sehen. Schaut man sich jedoch die Arbeitslosenstatistik von NRW an, so ergibt sich folgendes Bild. ALG- I, ALG II-Empfänger und Unterbeschäftigte ergeben insgesamt ca. 1,75 Mio. Arbeitslose. Da die Unterbeschäftigten nur in Maßnahmen zwischengeparkt sind, nehmen sie an der Erwerbsarbeit ebenfalls nicht teil und leben in ähnlichen Abhängigkeiten vom SGB, wie Arbeitslose. Diesen 1,75 Mio Arbeitslosen stehen gerade mal 102.527 gemeldeten Stellen gegenüber. Das sind gerade mal 6%. Glauben Sie nicht, dass der Fokus nicht auf die Ausbildung zu legen ist, sondern darauf, dass immens wenig Arbeitsplätze zur Verfügung stehen? Wie gedenken Sie, das Problem zu lösen, wenn es denn nicht alleine an der Ausbildung liegt.

http://www.derwesten.de/politik/fast-jeder-zweite-arbeitslose-in-nrw-fi…

Mit freundlichen Grüßen
Sandra Stoffers

Frage von Fnaqen Fgbssref
Antwort von Guntram Schneider
13. August 2014 - 12:27
Zeit bis zur Antwort: 3 Tage 21 Stunden

Sehr geehrte Frau Stoffers,

vielen Dank für Ihre Anfrage auf Abgeordnetenwatch.

Das Problem, das in der Presse angesprochen wurde, muss man etwas differenzierter betrachten. Ich gebe Ihnen Recht, dass man mit der Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen bei weitem nicht jedem Arbeitslosen einen Job vermitteln kann. Viele Arbeitssuchende finden aber in der Regel spätestens nach einigen Monaten eine Arbeitsstelle. Ein Problem gibt es allerdings bei einer speziellen Gruppe von Arbeitssuchenden. Sie haben keine Berufsausbildung, oft auch keinen Schulabschluss und verbleiben über lange Zeit in der Arbeitslosigkeit. Sie finden von Anfang an nicht Fuß im Arbeitsmarkt. Aufgrund ihrer geringen bis gar nicht vorhandenen Qualifikationen eignen sie sich nur für sogenannte Helferstellen. Diese Gruppe macht 51% der Arbeitssuchenden in NRW aus. Auf der anderen Seite ist das Jobangebot für diese Personen jedoch sehr begrenzt. Gerade einmal 17.922 (17,5%) der 102.527 gemeldeten Stellen umfassen Helfertätigkeiten. Damit kommen 22 Bewerber auf eine Helferstelle. Bei den Fachkräften und Spezialisten kommen gerade einmal 4,5 Bewerber auf eine offene Stelle.

Es ist auch nicht absehbar, dass in Zukunft mehr Helferstellen zur Verfügung stehen werden. Die Wirtschaft hält immer weniger Helferstellen vor, dagegen werden immer mehr Fachkräfte gesucht, vor allem in der Industrie. Das wird sich aufgrund des demografischen Wandels bereits in naher Zukunft noch weiter verstärken. In einigen Branchen und Regionen in Deutschland gibt es bereits jetzt einen Fachkräftemangel.

Damit die oben genannten niedrigqualifizierten Arbeitssuchenden überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, müssen sie sich weiterqualifizieren. Die Alternative wäre ein Leben im Leistungsbezug. Das schaffen viele von ihnen aber nicht allein, sondern benötigen intensive Förderung. In der vorigen Legislaturperiode wurden jedoch vom Bund viele Arbeitsförderungsprogramme eingestampft oder sehr stark zurückgefahren, was besonders die strukturschwachen Regionen wie das Ruhrgebiet getroffen hat. Daher fordern wir in NRW, dass der Bund wieder mehr in Arbeitsförderungsprogramme investiert. Insgesamt ist der Arbeitsmarkt in Deutschland zwar auf einem guten Weg, einige Regionen profitieren allerdings von dieser Entwicklung nicht.

Ein Weg könnte ein sozialer Arbeitsmarkt sein. Die Kommunen würden Langzeitarbeitslose für Tätigkeiten einstellen, für die es auf dem freien Markt kein Angebot gibt, z.B. im sozialen Bereich oder die Pflege von öffentlichen Räumen. Das kostet die Kommunen zwar zusätzliche Personalkosten, entlastet sie auf der anderen Seite aber auch bei den Kosten der Unterkunft und anderer Sozialleistungen. Die Arbeitssuchenden erhalten einen geordneten Tagesablauf und werden qualifiziert und intensiv von einem Jobcoach betreut. Jedoch sind hier die Kommunen auch auf Hilfe vom Bund angewiesen. Denn gerade die Kommunen mit besonders vielen Langzeitarbeitslosen sind in der Regel auch diejenigen, die am wenigsten Geld haben.

Mit freundlichen Grüßen
Guntram Schneider