Günter Gloser
SPD
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Frage von Thqhyn Yraffra-Fpurax an Günter Gloser bezüglich Senioren

# Senioren 19. Apr. 2013 - 19:41

Zum Thema "Selbstbestimmung am Lebensende" hat die Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) im November 2012 einen Vorschlag zur Einrichtung von Suizid-Beratungsstellen vorgelegt.

Haben Sie diesen Entwurf gelesen und werden Sie sich für die Einrichtung solcher Beratungsstellen einsetzen?

Ich (86 Jahre alt) meine, das auch dieses Tabu endlich in Angriff genommen werden muss als Gegenstück zur Beratung für den Abbruch einer Schwangerschaft.

Von: Thqhyn Yraffra-Fpurax

Antwort von Günter Gloser (SPD) 23. Apr. 2013 - 11:42
Dauer bis zur Antwort: 3 Tage 16 Stunden

Sehr geehrte Frau Lenssen-Schenk,

vielen Dank für ihre Mail zu einem ersten Anliegen, das eigentlich einer umfangreicheren Diskussion bedarf und dem man mit der Kürze einer Antwort an dieser Stelle kaum gerecht werden kann.

Ich kann hier nur darauf verweisen, dass die Frage, wann ein Mensch selbstbestimmt entscheidet, schwierige ethische, medizinische und juristische Nachfragen aufwirft. Ist der Mensch als nur in Gemeinschaft überlebensfähiges Wesen nicht gleichzeitig immer fremd- und selbstbestimmt? Sollte er dennoch nicht revidierbare Entscheidungen für sich und/oder andere treffen? Im Falle der Todesstrafe bin ich persönlich z.B. eindeutig dagegen. Und für mich selbst und für andere fällt es mir schwer, den Wunsch aus dem Leben zu scheiden vor den Wert des Lebens an sich zu stellen. Als Christ sehe ich diese Antwort am Ende bei Gott und nicht bei den Menschen aufgehoben.

Bis wann und unter welchen Rahmenbedingungen ist ein Mensch aus medizinisch und psychiatrischer Sicht in der Lage über eine so schwerwiegende Frage, wie die Beendigung des eigenen Lebens souverän zu entscheiden? Ab wann sollte er diese Entscheidung anderen überlassen?

Ich respektiere ihre Auseinandersetzung mit dem Ende der menschlichen Existenz, bin aber kein Anhänger einer proaktiven Sterbehilfe. Viel mehr spreche ich mich für einen Ausbau der Sterbebegleitung und der Verbesserung der palliativen Betreuung aus.

Eine Gleichsetzung von Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe ist nach meiner Auffassung weder ethisch, noch rechtlich gerechtfertigt.

Mit freundlichen Grüßen

Günter Gloser