Frage an Gulfam Malik von Uryyzrlre, Zrvxr bezüglich Umwelt / Land- und Forstwirtschaft

18. November 2019 - 14:45

Sehr geehrter Herr Malik,
Klimaschutz muss eine Prämisse für alle politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen sein. Wir wünschen uns, dass Politiker*innen sich verstärkt für die Umsetzung wirksamer Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen einsetzen. CO2-Reduktionen durch technische Maßnahmen sind wichtig. Mindestens genauso essenziell sind der Erhalt und die Stärkung von bestehenden Ökosystemen, wie z.B. der Vollhöfner Wald in Hamburgs Süden.
Dieser Wald ist ein natürlich gewachsener, urwaldartiger Laubmischwald. Es ist ein Pionierwald, der in den letzten 50 Jahren gewachsen und besonders widerstandsfähig in Bezug auf klimatische Veränderungen ist. Er generiert Sauerstoff, speichert Kohlenstoff und ist Lebensraum für zahlreiche seltene und vom Aussterben bedrohte Tierarten.
Ist Ihnen das Thema Vollhöfner Wald vertraut, waren Sie vielleicht sogar schon einmal dort?
Der Wald befindet sich im Hafenerweiterungsgebiet und ist für die Hafennutzung vorgesehen. Das bedeutet, dass er zur Erschließung von Logistikflächen zur Disposition steht. Aktuell besteht nach wie vor die Gefahr, dass der Wald in 3-4 Jahren abgeholzt und komplett zerstört wird.
Wie beurteilen Sie die Bedeutung des Vollhöfner Waldes? Wie werden Sie/ Ihre Partei sich dafür einsetzten, dass der Vollhöfner Wald einen dauerhaften Schutzstatus erhält?
Die Bedarfsermittlung von 2012 für die Überplanung der Fläche basiert auf Annahmen des Hafenentwicklungsplans mit einer Umschlagsprognose von 17 Mio. Containern im Jahr 2020. Diese Prognose war von Beginn an unrealistisch, seit 2015 liegt der Umschlag etwa bei 8,8 Mio. Containern pro Jahr. Unter diesen Voraussetzungen und dem Vorhandensein ander- weitiger Freiflächen/ Leerstände im Hafengebiet sehen wir keine Notwendigkeit für das Vorhalten von Flächen zur Bebauung. Weder in Moorburg noch in Altenwerder West.
Wie sieht für Sie/ Ihre Partei eine zukünftige Hafenentwicklung aus, die den Anforderungen und den Konsequenzen des Klimawandels gerecht wird?
Danke!

Frage von Uryyzrlre, Zrvxr
Antwort von Gulfam Malik
29. November 2019 - 10:26
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 3 Tage

Sehr geehrte Frau Hellmeyer,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Auch wir als SPD-Fraktion fühlen uns dem Klimaschutz verpflichtet. Daher haben wir das Ziel, bis 2030 55 % CO2 im Vergleich zu 1990 einzusparen und Hamburg bis 2050 klimaneutral zu machen. Anfang Dezember werden wir diese Ziele im Rahmen der Vorstellung des Hamburger Klimaplans und des Hamburger Klimaschutzgesetzes mit konkreten Maßnahmen in den zentralen Sektoren untermauern.

Genauso wie Sie sind wir der Ansicht, dass Ökosysteme wichtig sind für den Klimaschutz. Deshalb werden wir dafür sorgen, dass fast 10 % der Hamburger Fläche durch Naturschutzgebiete und fast 20 % durch Landschaftsschutzgebiete geschützt werden.
Der Vollhöfner Wald ist in den letzten 50 Jahren durch das Einspülen von Elbsedimenten aufgehöht worden. Einen Wald gab es dort vorher nicht. Dieser Bereich ist über die Jahre mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Die Größe des Gesamtareals Altenwerder-West beträgt rund 45 Hektar, hiervon können gemäß Hafenplanungsverordnung rund 30 Hektar für Hafenzwecke in Anspruch genommen werden.

Der Hamburger Senat hat die Entwicklung dieser Fläche bis 2023 ausgesetzt und damit klargestellt, dass sie bis dahin unangetastet bleibt. Die SPD Bürgerschaftsfraktion unterstützt diese Position. 2023 wird dann geprüft werden, ob überhaupt ein Bedarf an dieser Fläche besteht. In diese Prüfung werden die Entwicklungsprognose des Hamburger Hafens und ökologische Aspekte einfließen und miteinander abgewogen. Um den ökologischen Wert des Vollhöfner Waldes einschätzen zu können, werden in den kommenden Monaten Biotypen kartiert sowie eine artenschutzrechtliche Betrachtung vorgenommen. Auf dieser Grundlage kann dann in gut vier Jahren eine vernünftige Entscheidung getroffen werden.
Durch die Hafenplanungsverordnung vom 3. Mai 2016 ist aber jetzt schon sicher, dass ein Teil des Vollhöfner Waldes in jedem Fall als geschützte Grünflächen erhalten bleibt. So können ökonomische und ökologische Belange miteinander vereinbart werden.

Mit freundlichen Grüßen
Gulfam Malik