Hallo Herr Gysi, Sie sagten in einem Gespräch mit jung&navi, der Kapitalismus hätte gutes. Was wäre das gute das der Kapit. Hat aber nicht andere Modelle der Marktwirtschaft?
Ich habe mir da viele Gedanken gemacht und verstehe explizit nicht in welchem Punkt/en der Kapitalismus besser sein soll, ausser darin, ein altes System zu erhalten. Ich sehe sehr viele zusammenhänge und parallelen zu stände-Gesellschaften. Einige parallelen die man sehr differenziert betrachten muss, drängen sich auch mit der organisation in der Zeit der kolonialenisierung auf. Leider fallen mir keine Dinge ein, die der Kapitalismus besser macht ein und hoffe sie können das erörtern. Vielen Dank und einen schönen Tag.
Sehr geehrter Her S.,
ich meinte nur, dass wir Linken bei unserer Kritik am Kapitalismus nicht jedes kaputt machen dürfen, was einigermaßen gelungen ist. Der Kapitalismus kann eine ziemlich effiziente Wirtschaft, eine top Wissenschaft und Forschung und vor allen Dingen eine exzellente Kunst und Kultur hervorbringen. Brecht ist das Ergebnis des Kapitalismus, nicht des Sozialismus. Das bedeutet nicht, dass es diejenigen sind, die den Kapitalismus verteidigen, die es wollen. Aber es kommt heraus. Er kann – aber muss nicht – einigermaßen freiheitlich, demokratisch und rechtstaatlich organisiert sein. Überwunden werden muss der Kapitalismus aber deshalb, weil er niemals den Frieden sichern kann, nicht nur, weil es um den Zugang zu Rohstoffen geht, sondern auch weil die privaten Konzerne an Kriegen viel zu viel verdienen. Außerdem ist er unfähig, eine soziale Gerechtigkeit herzustellen, hat große Schwierigkeiten mit der ökologischen Nachhaltigkeit und scheitert bei der Selbstverwirklichung des Menschen.
Mit freundlichen Grüßen
Gregor Gysi

