Frage an Gesine Dräger von znep enqre bezüglich Arbeit

11. Januar 2008 - 10:48

Guten Tag Frau Dräger,

mir wurde von Frau Oldenburg , Kandidierende im Wahlkreis Lohbrügge empfohlen mich doch besser an einen Experten im Bereich Arbeitsmarktpolitik mit meiner Frage zu wenden. Da sie im Ausschuss sind gehe ich davon aus hier richtig zu sein.

Auf meine Frage wie ein Arbeitsmarktprogramm der SPD aussehen würde schreibt sie....

sein. Wir haben dabei z.B. Fördermaßnahmen für unter 25-Jährige, Migranten mit Sprachproblemen und Alleinerziehende im Blick. Hier ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen immer noch hoch. Bei diesen Gruppen soll eine hochwertige Betratung und Betreuung sichergestellt werden,
:Könnten Sie bitte genauer erläutern um welche Fördermassnahmen es sich hierbei handelt.???
Meines Erachtens gibt es schon mehr als reichlich dieser Fördermassnahmen.

Weiterhin schreibt sie....:
Unsere Arbeitsmarktexperten haben mir erklärt, dass es im Bereich der über 25-Jährigen einen Bedarf von rund 20.000 Plätzen für differenzierte Fördermaßnahmen gibt, die speziell auf die schnelle (Wieder-)Herstellung der Arbeitsfähigkeit zugeschnitten werden müssen. Solche Maßnahmen sollen bis zu maximal 12 Monate betragen. Modelle der Arbeitnehmerüberlassung erhalten aufgrund ihrer besonderen Arbeitsmarktnähe ein besonderes Gewicht

Wiederherstellung der Arbeitfähigkeit? Meine Sie damit arbeitsunfähige Personen? Können Sie das näher erläutern?
Beachten Sie hierbeit bitte das es bereits eine Vielzahl von flankierenden Hilfen der FHH gibt.
Schuldner , Suchtberatung etc

Was ist gemeint mit Modellen der Arbeitnehmerüberlassung?

Soll hier wieder eine PSA aufgebaut werden? Soweit ich mich erinnern kann sind während der SPD Regierung in PSA Massnahmen reichlich Gelder versenkt worden.
Könnten Sie mir dies daher auch nochmal erläutern?

Wie stehen Sie zu meiner Forderung als Modellversuch eine 24 Std. Kinderbetreuung für Langzeitarbeitslose Frauen zu errichten.
Viele Frauen finden keine Arbeit da die Kinderbetreuung nicht flexibel genug ist. Für Wochenend und Schichtdienst z.B.

Frage von znep enqre
Antwort von Gesine Dräger
11. Januar 2008 - 11:49
Zeit bis zur Antwort: 1 Stunde

Sehr geehrter Herr Rader,

herzlichen Dank für Ihre Fragen, die ich gerne beantworten möchte. Angesichts der Fülle von Themen fange ich erst einmal hinten an.

Nach meiner Kenntnis gibt es in Hamburg zur Zeit bereits mindestens zwei Projekte einer Kinderbetreuung rund um die Uhr: Das ist zum einen der Kinderhafen Hamburg, ein privat betriebener Kindergarten (der aber genauso wie andere Kindergärten über das Kitagutschein-System gefördert wird) zum anderen das Projekt Kinderhotel der Arbeiterwohlfahrt. Natürlich sind das für das große Hamburg noch viel zu wenig Plätze. Die Idee ist aber vollkommen richtig: Schichtdienste, Seminare, Dienstreisen etc. machen es insbesondere für Alleinerziehende sehr schwer, Beruf und Kindererziehung zu verbinden. Ich halte eine Ausweitung solcher Angebote für zwingend. Gerade Langzeitarbeitslose, die beim Einstieg in einen Beruf häufig leider nicht mit großer Rücksichtnahme seitens der Arbeitgeber rechnen können, brauchen eine solche Unterstützung.

Zu den Fördermaßnahmen für unter 25-Jährige. Sie haben recht, es gibt bereits eine Menge solcher Programme (auch wenn die CDU-Regierung auch in diesem Bereich kräftig und unkoordiniert eingespart hat). Zur Zeit ist die Förderung von jungen Menschen auf mehrere Behörden verteilt - Bundesagentur, Arge (team.arbeit.hamburg), Sozialbehörde, Bildungsbehörde und Wirtschaftsbehörde mischen kräftig mit, zum Teil mit eigenen Programmen, meist unkoordiniert und ohne klare Abgrenzung der Kompetenzen. Viele Fördermaßnahmen werden angeboten, stehen aber zusammenhanglos nebeneinaner. Daher rutschen immer noch viele Jugendliche durch das Netz, werden von Maßnahme zu Maßnahme weitergereicht und schaffen weder den Einstieg in eine Ausbildung noch in einen Beruf. Wir wollen die Kompetenzen bündeln. Allen Jugendlichen, bei denen ja oft bereits in der Mittelstufe die Risiken für ihre zukünftige Entwicklung erkennbar sind, wollen wir bereits in der Schulzeit einen Coach zur Seite stellen, der gemeinsam mit ihnen ihren zukünftigen Weg plant und dann sinnvolle Fördermaßnahmen bespricht. Hinzu werden sicherlich auch neue Fördermaßnahmen kommen, die sinnvoll auch die Defizite und Kompetenzen der Jugendlichen zugeschnitten sind. Dazu gehören das Nachholen von Schulabschlüssen, Sprachförderung, die Begleitung von Jugendlichen während der Ausbildung etc. Vieles davon gibt es schon, einiges wird bleiben, anderes sich verändern.

Zum Stichwort Arbeitnehmerüberlassung lassen Sie mich folgendes sagen. Der groß angelegte Versuch, flächendeckend PSAen einzurichten, ist in der vorgesehenen Form gescheitert. Nichtsdestrotrotz hat es auch in der Vergangenheit bereits lokale Initiativen gegeben, die über ganz unterschiedliche Modelle durch Arbeitnehmerüberlassung Menschen wieder in normale Arbeitsverhältnisse gebracht haben. An diese Modellen wollen wir anknüpfen. So hat es z. B. bereits nach dem alten Bundessozialhilfegesetz die Möglichkeit gegeben, damals Sozialhilfeempfänger über geeignete Träger an "ganz normale" Wirtschaftsunternehmen zu überlassen. Das ist in Hamburg erfolgreich praktiziert worden. Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass Arbeitnehmerüberlassung kein Allheilmittel ist, glauben aber, dass wir auch dieses Instrument gebrauchen können. Weitere Fragen beantworte ich Ihnen gern.

Mit freundlichen Grüßen
Gesine Dräger