Dirk Schrader
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BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Miriam Y. •

Wie möchte Bündnis 90/Die Grünen als Stimme für den Tierschutz glaubhaft bleiben?

Sehr geehrter Herr Schrader,

mit großem Entsetzen habe ich gelesen, dass sich die Grünen in RLP für eine Reduzierung des Wildbestandes durch Jadg einsetzen (https://wahl-o-mat.de/rlp2026/). Wie wollen Sie eine glaubhafte Tierschutzpolitik betreiben, wenn Sie sich für die gewaltsame Endlosschleife stark machen, in der Tiere immer weiter aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben und letztlich sogar getötet werden? Verweise auf eine ökologische Nachhaltigkeit und Waldschutz sind für mich nicht ausreichend, um die Grünen in RLP ernsthaft als Tierschutzpartei wahrzunehmen.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

Dirk Schrader
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Hallo M., Danke für Ihre Frage.
Vorab der eigentlichen Antwort eine Basisaussage. Für uns GRÜNE gilt: Der Schutz von Natur, Wald und Tieren gehört zu den zentralen Grundlagen unserer Politik. Gerade deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie unsere Wälder und Wildtiere angesichts der Klimakrise erhalten werden können.

Unsere Wälder stehen heute unter enormem Druck. Hitze, Dürre, Stürme und Schädlinge haben in den vergangenen Jahren große Schäden verursacht. Damit neue Bäume nachwachsen können, braucht es eine natürliche Verjüngung mit verschiedenen Baumarten. In manchen Regionen wird diese Verjüngung jedoch durch zu hohen Wildverbiss stark beeinträchtigt. Deshalb gehört ein angepasstes Wildmanagement zu einer nachhaltigen Waldpolitik. Ziel ist dabei ausdrücklich kein „leer geschossener Wald“, sondern ein Gleichgewicht zwischen Wald und Wild.

Das neue Landesjagdgesetz (Link: https://opal.rlp.de/portal/vorgang/V-330011), das noch in Kraft treten wird, verfolgt genau dieses Ziel: Es soll den Schutz des nachwachsenden Waldes stärken und gleichzeitig den Tierschutz verbessern. So darf Jagd grundsätzlich nur aus einem „vernünftigen Grund“ erfolgen – etwa zur Vermeidung übermäßiger Wildschäden oder zur Erhaltung stabiler Wildpopulationen.

Zudem bleiben wichtige Tierschutzregeln wie der Schutz von Elterntieren während der Aufzuchtzeit erhalten. Wie viele Tiere tatsächlich erlegt werden, wird nicht pauschal von Oben herab festgelegt, sondern hängt von der jeweiligen Situation vor Ort ab.

Sie bringen in Ihrer Frage auch zum Ausdruck, dass Verweise auf eine ökologische Nachhaltigkeit und Waldschutz für Sie nicht ausreichend sind. Doch wie sollen wir beiden Zielen gerecht werden? Der Wald ist belastet durch Umwelteinflüsse, ist aber gleichzeitig der Rückzugsort für Wildtiere. Die wiederum fressen gerade die jungen, noch gesunden Triebe und so werden auf lange Sicht weder Wald noch Wild einen stabilen Lebensraum haben.

Langfristiges Ziel unserer Maßnahmen für Klima-, Wild- und Waldschutz ist es die sich gegenseitig negativ verstärkenden Faktoren wieder in eine positive Richtung zu drehen.

Danke für Ihren Einsatz für den Tierschutz, dessen Ausgestaltung sicher nie einfach ist, denn wir entscheiden dabei jedesmal über Lebewesen in unserer Umwelt.

Herzliche Grüße

Dirk Schrader

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