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Frage von Karl L. •

Frage an Diana Golze von Karl L. bezüglich Arbeit und Beschäftigung

Sie fordern u.a. eine deutliche Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnanpassung (nach unten) um die Arbeit gerechter zu verteilen und so die Arbeitslosigkeit zuverringern!

Sind Sie der Auffassung, dass es eine feste Größe "Arbeit" gibt, die man nur verteilen muss und dann gehts allen gut? Immerhin gibt es mittlerweile nur noch eine handvoll Wissenschaftler, die diese These stützen. Wäre es nicht viel besser die Arbeit zu verbilligen um so eine größere Nachfrage zu schaffen? Immerhin ist der Arbeitsmarkt auch nur ein Markt, der sich über Angebot und Nachfrage regelt. Und bei großer Arbeitslosigkeit müssten doch die Preise sinken, um die Nachfrage zustimulieren, oder?
Sind Sie der Meinung, mit Ihren Vorschlägen den Markt aushebeln zu können? Immerhin hat das noch niemand geschafft!!! Wäre es nicht sinnvoll, auch im Interesse der Bevölkerung, endlich diese Wahlkampfpolemik beseite zulegen und Reformen anzupacken, die uns voranbringen und uns nicht in den gescheiterten Sozialismus zurück werfen?

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Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Langer,

die Linkspartei.PDS und auch ich will niemanden in einen "gescheiterten Sozialismus zurückwerfen". Was die "Verbilligung der Arbeit" in den letzten Jahren vor allem im Osten gebracht hat, können Sie deutlich an den aktuellen Zahlen ablesen. Nach jüngster Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kostete eine Arbeiterstunde in den alten Bundesländern 2004 im Schnitt 27,60 Euro, im Osten aber nur lediglich 17,15 Euro. Wie kann man sich - nach Ihrer Theorie - dann die hohe Arbeitslosigkeit und die mangelnde Binnennachfrage in den neuen Ländern erklären, wo sie doch der größte Niedriglohnsektor der Bundesrepublik sind?

Die Löhne nach unten zu schrauben bringt der deutschen Wirtschaft nichts. Nach wie vor sind wir Export-Weltmeister, aber die Binnenkaufkraft stagniert. Noch eine Zahl zur Veranschaulichung meines Standpunktes: Nach einer aktuellen Statistik des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) leisten alle Arbeitnehmer zusammen in diesem Jahr voraussichtlich 1,422 Milliarden Überstunden. Durch den vollständigen Abbau der bezahlten Überstunden in Deutschland könnten rein rechnerisch rund eine Million neue Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden. Arbeit umverteilen und gerecht entlohnen würde mehr Menschen in Arbeit bringen und die Binnenkaufkraft ankurbeln, was weitere Arbeitsplätze schafft. Diese Auffassung werde ich auch weiterhin vertreten.

Mit freundlichen Grüßen
Diana Golze