Christian Lindner
FDP
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Frage von Hefhyn Jvyxrf an Christian Lindner bezüglich Demokratie und Bürgerrechte

# Demokratie und Bürgerrechte 15. Okt. 2019 - 10:24

Sehr geehrter Herr Lindner,

in dem Beschluss vom April 2017 des 68. Ord. Bundesparteitags Ihrer Partei zur Masernimpfpflicht habe ich einen dem Beschluss zugrunde liegenden Sachverhalt gefunden, der evident falsch ist. In dem Parteibeschluss heißt es: "95 Prozent wären notwendig, um einen ausreichenden, populationsweiten Schutz sicherzustellen". Da jedoch das RKI in seiner KiGGS-Studie für den Masernimpfstoff einen Immunitätsgrad von 87% angibt (siehe Quelle unten), kann deshalb rein rechnerisch gesehen selbst bei einer vollständigen Durchimpfung der Bevölkerung der sog. Herdenschutz niemals erreicht werden. Was empfehlen Sie einer Bürgerin, die den Eindruck hat, dass Ihr o.g. Parteibeschluss und das Masernschutzgesetz etwas versprechen, was rein wissenschaftlich betrachtet unmöglich ist?

Mit freundlichen Grüßen
Hefhyn Jvyxrf

Quelle: Poethko-Müller, Mankertz: „Seroepidemiology of measles-specific IgG antibodies and predictive factors for low or missing titres in a German population-based cross-sectional study in children and adolescents (KiGGS)“, (2011) Vaccine, 29 (45), pp. 7949-7959, Table 2.

Von: Hefhyn Jvyxrf

Antwort von Christian Lindner (FDP)

Sehr geehrte Frau Wilkes,

vielen Dank für Ihre Frage zur Masernimpfpflicht.

Wir Freie Demokraten sind der Auffassung, dass wir in Deutschland mehr tun müssen, um Masern, Mumps, Röteln und andere Infektionskrankheiten, für die es einen Impfschutz gibt, endlich auszurotten. Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO), die Europäische Kommission und auch die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO) sehen eine flächendeckende Impfquote von mindestens 95% bei Mumps, Masern und Röteln als wichtigste Maßnahme im Kampf gegen diese Infektionskrankheiten. Durch den Impfschutz der Gemeinschaft, der auch als Herdenschutz bezeichnet wird, wären dann auch Menschen vor einer Ansteckung geschützt, die aus gesundheitlichen Gründen (noch) nicht geimpft werden können, - darunter beispielsweise junge Säuglinge. Auch die Bundesrepublik hat sich schon seit langem diesem Ziel verschrieben. Eine gute Erklärung zum Herdenschutz - der erreicht werden kann - finden Sie auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter: https://www.impfen-info.de/wissenswertes/herdenimmunitaet/

Die von Ihnen zitierte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 93,3 % der Menschen, die mindestens zwei Masernimpfungen erhalten hatten, einen ausreichenden Schutz aufwiesen, unabhängig davon wie viel Zeit seit der letzten Impfung vergangen war. Dagegen wiesen nur 30,4 % der Menschen, die nie geimpft wurden, einen ausreichenden Schutz gegen Masernviren auf. Es muss in diesem Zusammenhang betont werden, dass keine einzige Impfung ausnahmslos alle Geimpften zu 100% zu schützen vermag, ebenso wie kein Medikament bei sämtlichen Patienten wirkt. Allerdings können Impfungen die Erkrankungswahrscheinlichkeit ganz dramatisch senken. Die Studie kommt im Übrigen zu dem Fazit, dass eine weitere Steigerung des Zweifach-Impfschutzes notwendig ist, um das WHO-Ziel zu erreichen.

Meine Fraktion hat im Bundestag ein breites Maßnahmenbündel vorgeschlagen - unseren Antrag finden Sie hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/140/1914061.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Christian Lindner

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