Finanzierung Kernkraftwerke - Wie will die AfD das finanzieren bzw. wie stellt sich die AfD eine End-Lagerung des atomaren Reaktormülls vor?
Hallo Frau Schießl,
Ihre Partei befürwortet bekanntermaßen die Energieerzeugung durch Kernkraft. Die neubaukosten für ein KKW belaufen sich in Europa auf ca. 40-50 Mrd. Euro. Der sog. Restart eines stillgelegten KKW ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich und falls ja kostet ein Restart O,9 - 1 Mrd. Wie will die AfD das finanzieren bzw. wie stellt sich die AfD eine End-Lagerung des atomaren Reaktormülls vor?
Die AfD spricht sich in ihrem Programm für eine technologieoffene Energiepolitik aus, in der auch die Kernenergie wieder eine Rolle spielen soll – insbesondere zur Sicherstellung einer bezahlbaren und stabilen Stromversorgung in Deutschland.
Zur Finanzierung:
Es ist richtig, dass der Neubau von Kernkraftwerken mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Allerdings greift eine reine Betrachtung der Baukosten zu kurz. Kernkraftwerke zeichnen sich durch eine sehr lange Laufzeit von 60 Jahren und mehr sowie durch eine sehr hohe Auslastung aus. Dadurch verteilen sich die Investitionen über Jahrzehnte.
Ein tragfähiges Finanzierungskonzept würde sich aus mehreren Elementen zusammensetzen:
- Private Investitionen und Konsortialmodelle: Energieversorger und industrielle Großverbraucher können sich gemeinsam an Projekten beteiligen.
- Planungssicherheit durch den Staat: Verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit Investoren langfristig kalkulieren können.
- Langfristige Stromlieferverträge (z. B. mit energieintensiven Industrien), die stabile Einnahmen sichern.
Langfristig ergeben sich deutliche wirtschaftliche Vorteile:
- Sehr geringe Brennstoffkosten im Verhältnis zur erzeugten Energiemenge
- Stabile und planbare Strompreise über Jahrzehnte
- Hohe Versorgungssicherheit, unabhängig von Wetter und Importen
- Entlastung des Gesamtsystems, da weniger Backup-Kapazitäten und Speicher notwendig sind
Über die gesamte Lebensdauer gerechnet kann Kernenergie daher zu niedrigeren Systemkosten beitragen als stark fluktuierende Energieformen.
Zur Endlagerung und zum Umgang mit Atommüll:
Auch hier setzt die AfD auf einen technologieoffenen Ansatz. Neben der weiterhin notwendigen sicheren Endlagerung weist sie darauf hin, dass moderne Reaktorkonzepte neue Möglichkeiten eröffnen.
Insbesondere sogenannte Reaktoren der Generation IV können:
- bereits vorhandene abgebrannte Brennelemente weiterverwerten
- die Restenergie nutzen
- das Volumen und die Gefährlichkeit des verbleibenden Abfalls deutlich reduzieren
Ein Teil dessen, was heute als „Atommüll“ gilt, kann somit künftig als Rohstoff zur Energiegewinnung genutzt werden. Dadurch würde sich auch die Herausforderung der Endlagerung erheblich verringern.
Unabhängig davon bleibt eine wissenschaftlich fundierte und sichere Endlagerlösung notwendig. Durch den Einsatz moderner Technologien kann deren Umfang jedoch deutlich reduziert werden.
Zusammenfassend sieht die AfD in der Kernenergie eine langfristig wirtschaftliche und technologisch weiterentwickelbare Option, die – bei geeigneten Rahmenbedingungen – einen wichtigen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Preisstabilität und industrieller Wettbewerbsfähigkeit leisten kann.


