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Ariane Fäscher
SPD
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Hallo Frau Fäscher, warum haben Sie gegen die Impfpflicht gestimmt & somit gegen den Willen des Großteils Ihrer Wähler? Steht nicht d. Schutz der Gesundheit & des Lebens d. Bevölk. an oberster Stelle?

Frage von Andy P. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 4 Stunden

 

Sehr geehrter Herr P.,

der Schutz der Gesundheit und des Lebens der Bevölkerung steht an erster Stelle. Der Großteil befürwortet eine Impfpflicht. Das ist jedoch der Teil, der sich hat bereits impfen lassen. Ich bin selbst 3-fach geimpft und genesen und glaube, dass die Impfung ein guter Schutz ist, den ich jedem empfehle. Außerdem halte ich Impfverweigerung für unsolidarisch gegenüber vulnerablen Gruppen und denen, die sich nicht impfen lassen können. Das Ziel, Menschen vor Infektion mit der Krankheit zu schützen, ist jedoch mit der Impfung nicht zu erreichen. Die Omikron-Welle zeigte, dass man geimpft zwar weniger schwer erkrankt, sich aber sich selbst und  andere sehr wohl ansteckt. Somit war das Ziel der Impfpflicht auch in erster Linie, die Überlastung des Gesundheitssystems im Herbst zu verhindern, weil die Menschen weniger schwer erkranken. Ferner sollte das öffentliche Leben so normal wie möglich weitergehen. Wenn mit der Impfung der Fremdschutz jedoch nicht zu erreichen ist, halte ich für den Eingriff in ein persönliches Grundrecht für unverhältnismäßig. 

Daneben spielte für mich noch eine Rolle, dass selbst das reduzierte Ziel kaum erreichbar gewesen wäre: Die meisten über 60 sind bereits geimpft und geboostert, die unter 60 wären falls überhaupt - das ist wiederum Ungleichbehandlung - erst ab dem Herbst geimpft worden. Dann wäre es fraglich gewesen, ob man noch vor die Welle hätte kommen können. Wir wissen auch, dass der Impfschutz schon nach wenigen Monaten nachlässt und ob die jetzt Geimpften dann im Herbst noch einen ausreichenden Schutz haben. Außerdem hätten sich die Menschen mit mehr Geld "freikaufen" können, indem sie einfach die Bußgelder in Kauf nehmen. Ärmere Menschen hätten das nicht können. Finde ich ungerecht.

Aus meiner Sicht ist es zielführender, über die Impfung besser aufzuklären, damit sich mehr Menschen freiwillig impfen lassen. Solange aber an sehr vielen anderen Orten auf der Welt die Impfquote extrem gering ist und die Deutschen fröhlich durch die Welt fliegen, werden sich immer wieder neue Mutationen auch in Deutschland ausbreiten. Wir wissen jedoch nicht, ob die jetzigen Impfstoffe dagegen wirken. Wahrscheinlich schon, aber wir wissen es nicht sicher. 

In Summe habe ich also nicht zugestimmt, weil ich verfassungsrechtliche Bedenken hatte, da ich nicht glaube, dass das Ziel hätte erreicht werden können.

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