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Frage von Junias O. •

Frage an Angelika Graf von Junias O. bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

Sehr geehrte Frau Graf,

Ich würde ihnen gerne ein paar Anregungen bzw. Gegenfragen bezüglich ihrer Antworten auf andere Fragen zum Thema Cannabis geben.

Zunächsteinmal steht da die These der Einstiegsdroge im Raum. Viele behaupten, dass Cannabis den Weg zu anderen härteren Drogen eröffne, was jedoch lediglich prohibitionsbedingt geschieht. Natürlich kommen Cannabiskonsumenten durch den Schwarzmarkt an gefährlichere Drogen, aber es befindet sich keine Substanz in Cannabis, welche den Konsumenten dazu "zwingt" andere Substanzen zu nehmen. Man könnte genauso gut sagen, dass Nikotin, Alkohol und sogar Kaffee Einstiegsdrogen sind, welche auch noch verherrlicht und verharmlost werden.

Der nächste Punkt ist der Jugendschutz. Sie behaupten, dass durch eine Legalisierung die Möglichkeiten für Minderjährige an Cannabis zu kommen sich erweitern würden. Diesem stimme ich nicht zu. Da durch die Legalisierung dem Schwarzmarkt weitgehend der Boden entzogen wird, wird sich der Handel vorwiegend auf die legale Abgabe von staatlich regulierten Geschäften verteilen. Außerdem ist der Cannabiskonsum seit der Einführung des Verbotes erheblich gestiegen, was es vielen Jugendlichen wahrscheinlich leichter macht an den Schwarzmarkt zu kommen, als z.B. Alkohol zu kaufen.

Zum Schluss hätte ich noch eine Frage, welche mich und wahrscheinlich auch viele andere Menschen beschäftigt: Wozu wurde das Verbot von Cannabis eingeführt? Warum verbietet man eine Substanz, welche medizinisch und auch wirtschaftlich gesehen von so großer Bedeutung ist?
Warum setzt man sie mit anderen harten Drogen auf die selbe Stufe und kriminalisiert Menschen dafür, dass sie sich für ein anderes "Genussmittel" entscheiden als Alkohol oder Nikotin?

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen.
Junias Omollo

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Antwort von
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Sehr geehrter Herr Omollo,

vielen Dank für Ihre Abgeordnetenwatch-E-Mail vom 12. November 2012 zum Thema Cannabis.

Ich habe schon in einer anderen Antwort auf dieser Plattform geschrieben, dass die These von Cannabis als Einstiegsdroge weder unwidersprochen belegt noch widerlegt wurde.

Die mir bekannten Zahlen deuten darauf hin, dass der Cannabis-Konsum zunimmt, wenn er erleichtert wird. Das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction kommt zum Beispiel zum Ergebnis, dass in Deutschland 4,8 Prozent der 15-64-jährigen Menschen in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert haben, in den Niederlanden dagegen 6,9 Prozent (jeweils 2009). In der Expertenanhörung des Gesundheitsausschusses wurde deutlich gemacht, dass niederländische Jugendliche im europäischen Vergleich überdurchschnittlich viel Cannabis konsumieren und früher in den Cannabiskonsum einsteigen als der europäische Durchschnitt.

Cannabis ist nicht legal, weil sich der Konsum schädlich auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken sowie körperliche und psychische Abhängigkeit verursachen kann. Etwa ein Drittel der Klienten, die wegen Problemen im Zusammenhang mit illegalen Drogen in ambulante Suchtberatungsstellen kommen, leidet laut dem „REITOX“-Bericht primär unter einem Cannabisproblem.

Das Bundesverfassungsgericht hat darauf hingewiesen, dass der Gesetzgeber den Genuss von Alkohol wegen der herkömmlichen Konsumgewohnheiten in Deutschland und im europäischen Kulturkreis nicht effektiv unterbinden kann. Man kann aber über Erschwernisse beim Erwerb das Problem zurückdrängen. Daraus ergibt sich jedoch nicht die Pflicht, weitere Drogen zu legalisieren, zumal ich auch an der Vergleichbarkeit der jeweiligen Drogen zweifle.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Graf