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Frage von Michael R. •

Frage an Andrea Hilgers von Michael R. bezüglich Innere Sicherheit

Hallo Frau Dr. Hilgers,

ich würde gerne wissen, wie Sie bzw. die SPD Fraktion zum Thema „Jugendschutz bei PC-Gewaltspielen“ stehen. Mir scheint, wenn ich die Aussagen dazu in den Nachrichten lese, eine ziemliche Unkenntnis seitens der Politiker zu diesem Thema zu bestehen und teilweise sind diese Aussagen nur von dem Bedürfnis geleitet, der Angst und schnellen Lösungssuche bei vielen Mitmenschen nachzugeben. Ich möchte einmal so frei sein und bezweifeln, dass sich die meisten Politiker wirklich mit diesem Thema auskennen. Mir kommen da schon viele Fragen in den Sinn, die bei weitem nicht beantwortet werden können von den führenden Politikern, die über dieses Thema referieren:
1. Warum werden nur Computerspiele unter die Lupe genommen, aber keine Fernsehsendungen, Musikvideos oder Filme?
2. Wann ist etwas „Gewalt verherrlichend“, bzw. wo ist die Grenze? Das Problem sollte auch bei Filmen und anderen Medien existieren, zumal die Grenze nicht einfach festzulegen ist.
3. Wenn ein Computerspiel so einfach etwas manipulieren kann wie einen Menschen – dann ist entweder unsere Entwicklung falsch gelaufen, oder vergisst man ganz einfach viele andere Faktoren, die einen Menschen prägen?
4. Das wir eine FSK haben wird meistens nur am Rande erwähnt. Ich will den Politikern nicht zu nahe treten, aber wer kennt denn tatsächlich die Computerspiele und wer liest die Zeitschriften?
Diese Fragen würden sich unendlich fortführen. Ich will hier nicht alle Aspekte ansprechen, da es ein wirklich kompliziertes Thema ist – damit meine ich Gewalt von Jugendlichen und allen Menschen. Trotzdem würde es mich interessieren, wie weit Sie sich damit auseinandergesetzt haben und welche Ansätze (Lösungen wird es nicht geben können, meiner Meinung nach) Sie haben um zum Beispiel den Extremfall „Amoklauf“ zu verhindern?
Ich schicke diese Anfrage übrigens an alle Vertreter der großen Parteien, damit ich mir einmal die Gegensätze bzw. Übereinstimmungen ansehen kann.
MfG, Michael Raudies

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Antwort von
SPD

Sehr geehrter Herr Raudies,

sicher gibt es auf die Fragen - was ist ein Killerspiel, wann fängt Gewaltverherrlichung an und was bewirken diese Spiele bei Jugendlichen - derzeit viele verschiedene Meinungen, auch keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Sicher haben Sie Recht damit, dass in diesem Zusammenhang nicht nur Spiele, sondern auch andere Medien geprüft gehören. Die FSK ist mir bekannt und sie hat hier ihre Aufgabe. Einige Wissenschaftler nehmen an, dass die Spiele für jeden Jugendlichen (auch für Erwachsene) die Gefahr bergen, Abstumpfung und Gefühllosigkeit zu erzeugen, sprechen sogar von neurologischen Schädigungen. Einigkeit, so lese ich es, gibt es wohl darüber, dass bestimmte Spiele jedenfalls bei sozial isolierten Jugendlichen, deren Selbstwertgefühl gestört ist, problematische Verstärker-Effekte nach sich ziehen.
Die Frage, die Sie sich auch stellen, was ist dann vorher oder sonst noch bei einem Jugendlichen der "Amok läuft" schief gelaufen, ist berechtigt und gehört dazu. Diese Frage ist eine, die m.E. auch damit zu tun hat, was merkt überhaupt Familie, was merken Freunde, was die Lehrerinnen und Lehrer. Gerade bei den "Stillen", denen die sich zurückziehen, die nicht stören. Die Kampagne "Schau hin, was dein Kind guckt" finde ich zum Beispiel gut. Für Kinder und Jugendliche müssen wir aber auch dafür sorgen, dass es gute, nicht-kommerzielle Freizeitangebote und einfach zugängliche Beratungsangebote gibt. Jedenfalls muss es unter Jugendschutzgesichtspunkten eine Klärung und Verständigung geben über das, was als Gewalt verherrlichend eingeschätzt wird in allen Medien. Und wenn es diese Klärung gibt (die sicher nicht immer einfach ist), und Gefährdungen insb. für Jugendliche nicht ausgeschlossen werden können, muss meiner Einschätzung nach dafür gesorgt werden, dass solche als gefährdend eingeschätzte Spiele, Filme, Videos u.ä. nicht frei zugänglich sind. Hierbei müssen insb. Spiele- und Videoläden, auch Internet-Provider ihre Verantwortung ernst nehmen. Und wenn sie dies nicht tun, wird es nicht ohne gesetzliche Sanktionen gehen.

Beste Grüsse
Andrea Hilgers