Bundestagsabgeordneter Alois Gerig
Alois Gerig
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Multiresistente Keime im Fleisch: Welchen Vorteil für die Gesundheit des Verbrauchers sehen Sie hier? Bzw. was verspricht sich die Regierung hier, diese Praxis zu erlauben?

Aldi und Lidl verkaufen Fleisch mit multiresisten Keimen (Spiegel)

Frage von Roland S. am
Bundestagsabgeordneter Alois Gerig
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 2 Wochen

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre, nicht Ironie-freie, Frage. ;)

Ich verstehe, dass Sie sich bzgl. der Thematik sorgen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass Fachleute und ExpertInnen alles daran setzten ein mögliches Risiko durch Keime bei der Lebensmittelgewinnung gering zu halten.

Doch nun im Detail:

Zunächst möchte ich auf die Gefahren eingehen, die von multi-resistenten Keimen im Fleisch in Deutschland ausgehen.

Bei der komplexen Fragestellung der "Antibiotikaresistente Keime in Lebensmitteln" ist es besonders wichtig, mit wissenschaftlich gesicherten und repräsentativen Daten zu arbeiten, denn nur solche Daten lassen seriöse Schlussfolgerungen zu.

Fachbehörden, die zum Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft gehören, untersuchen seit langen die mögliche Übertragung von resistente Keime aus der Tierproduktion auf Lebensmittel, z.B. Fleisch oder Milch, im Rahmen der Lebensmittelgewinnung – und das stets auf wissenschaftlicher Grundlage.

Was die Kontrolle betrifft: Sofern es sich bei resistenten Keimen auf Lebensmitteln um Krankheitserreger, z.B. Salmonellen, handelt, gelten natürlich die Anforderungen und ggf. Maßnahmen des Lebensmittelrechts.

Zur zweiten Frage: Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung im Kampf gegen Multiresistente Keime im Fleisch?

Die Antwort: Lebensmittelhygiene! Die bekannten und etablierten Maßnahmen der Lebensmittelhygiene sind grundsätzlich auch gegen multiresistente Bakterien wirksam. Darüber hinaus schließt die Deutsche Antibiotikaresistenzstrategie DART 2020 (https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/DART2020.pdf?__blob=publicationFile&v=5) auch das Thema Resistenzen entlang der Lebensmittelkette mit ein. Ein wichtiger Baustein, der mir persönlich besonders am Herzen liegt, ist die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Lebensmittel liefernden Tieren. Das Ziel von uns Agrar- und ErnährungspolitikerInnen sind „Tierartzt-Freie Ställe“ und, dass nur im absoluten Notfall z.B. Antibiotika verabreicht werden müssen. Das spart den LandwirtInnen Geld und den Tieren Leid.

Daher schätzen wir das „Antibiotikaminimierungskonzept“, eine der Hauptmaßnahmen der DART im Bereich der Veterinärmedizin für bestimmte zur Mast gehaltene Tiere, besonders. Es freut uns, dass die Menge der in der Tiermedizin jährlich abgegebenen Antibiotika in Deutschland weiter sinkt. Seit dem ersten Erfassungsjahr 2011 um insgesamt 60,7 % im Jahr 2019. Weitere Informationen hierzu werden jährlich vom BVL veröffentlicht (https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/05_tierarzneimittel/2020/2020_07_29_PI_Antibiotikaabgabe.html).

Auch bei allen von der Weltgesundheitsorganisation als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen, sogenannte „Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine“, wurde zuletzt eine Reduktion erreicht. Es liegt nahe, dass die Änderungen der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) hierfür mitverantwortlich sind. Die TÄHAV schreibt nämlich seit knapp 3,5 Jahren vor, dass bei der Anwendung bestimmter Antibiotika (Fluorchinolonen und Cephalosporinen der 3. und 4. Generation) ein Empfindlichkeitstest für Bakterien nach standardisierten Verfahren durchzuführen ist. Dieser Test ermöglicht dann eine Aussage darüber, ob das vorgesehene Antibiotikum überhaupt wirksam sein kann.

Wie Sie sehen, haben wir Politiker und die Ministerien und Fachbehörden die Problematik auf dem Zettel. Auch verzeichnen wir erste Erfolge. Es muss aber weiter unser Anspruch sein, die Tierhaltung in Deutschland noch weiter zu verbessern. Zum Wohle der LandwirtInnen, der Tiere und nicht zu Letzt der VerbraucherInnen.

Weiterführende Infos zu z.B. Antibiotikaresistenzen und mögliche VerbraucherInnengefährdung finden Sie übrigens auch auf der Seite des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): https://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/antibiotikaresistenz-61681.html.

Beste Grüße

Alois Gerig