Alexander-Martin Sardina
CDU

Frage an Alexander-Martin Sardina von Ybhvf S. i. Jhafpu-Ebyfubira bezüglich Wissenschaft, Forschung und Technologie

28. Dezember 2007 - 16:20

Sehr geehrter Herr Sardina,

mit großem Interesse habe ich Ihre Antwort an Herrn Dr. Berg-Trecher zum Thema Esperanto gelesen. Ich bitte Sie, Ihre Stellungnahme zu überdenken.

Die von Ihnen zitierte Schätzung von Prof. Lindstedt enthält noch die weiteren Annahmen, dass etwa eine Million Menschen Esperanto annehmbar verstehen und etwa 10 Millionen mit den Grundlagen des Esperanto vertraut sind. Solche Schätzungen sind natürlich recht ungenau; genauer sind Aussagen über die durch Suchmaschinen erfassten Seiten (und ihre Textlänge) im Internet. Nach einer diesbezüglichen Untersuchung aus dem Jahre 2000 lag Esperanto unter den lateinisch geschriebenen Sprachen auf Platz 2, vor Lettisch, Litauisch, Bretonisch, Albanisch und Walisisch.
http://arxiv.org/ftp/cs/papers/0006/0006032.pdf
Eine Stadt wie Lübeck ist eben z. B. bereit, ihr Stadtportrait auch in Esperanto zu veröffentlichen
http://www.luebeck.de/languages/epo/urba_portreto/index.html .

Obwohl ich es nicht im einzelnen untersucht habe, gehe ich davon aus, dass die genannten Sprachen irgendwo in Deutschland an einer Universität in Lehre und Forschung vertreten sind. Wäre es nicht sinnvoll, wenn auch Esperanto an einer deutschen Universität entsprechend vertreten wäre? In Hamburg gab es über Jahrzehnte (oder gibt es noch) einen (evtl. unbezahlten) Lehrauftrag zu Esperanto - wäre Hamburg nicht prädestiniert für eine Esperanto-Professur?

In den meisten Sprachen stammen etwa 50 bis 80 Prozent der in sie übersetzten Literatur aus dem Englischen, während ins Esperanto nur 20 % aus dem Englischen übertragen werden - 80 % bleiben für die restlichen Sprachen und Kulturen der Welt, die daher in Esperanto gleichberechtigter vertreten sind als in anderen Sprachen. Fänden Sie es nicht sinnvoll, wenn darüber geforscht würde, z. B. in Hamburg?

Übrigens: Esperanto wurde in der DDR seit etwa 1968 gefördert. Es gab ein Esperanto-Büro in der Friedrichstraße mit bis zu sieben Mitarbeitern.

Frage von Ybhvf S. i. Jhafpu-Ebyfubira
Antwort von Alexander-Martin Sardina
30. Dezember 2007 - 08:51
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 16 Stunden

Sehr geehrter Herr von Wunsch-Rolshoven,

zunächst fühle ich mich ja durchaus geehrt, dass Sie als Vorsitzender des Esperanto-Vereins Berlin und durchaus bekannter Esperantist mir hier schreiben. Ihre Homepage "esperantoland.org" ist mir natürlich seit langem ein Begriff, da ich selbst einen (wenn auch nur) wissenschaftlichen Bezug zu Esperanto habe.

Inhaltlich und politisch bleibt - trotz Ihrer freundlichen Meinungsäußerung bei "abgeordnetenwatch.de" - allerdings das Dilemma bestehen, dass es möglicherweise schon eine Bereicherung wäre, eine Esperanto-Professur bei den Sprachwissentschaften an der Universität Hamburg einzurichten, doch all diese Dinge kosten eben leider auch Geld: Hamburg hat ein Neuverschuldungsverbot und zugleich einen (sinnvollen) harten Sparkurs seitens des CDU-Senats auferlegt bekommen, der meiner Auffassung nach keine Spielräume zulässt. Auch eine ehrenamtliche Professur wäre noch mit Nebenkosten verbunden, so dass dies ebenfalls keine gangbare Maßnahme bedeutet. Zudem sagten mir Sprachwissenschaftler vor einiger Zeit, dass Esperanto immer auch mit einbezogen würde in entsprechende wissenschaftliche Betrachtungen, sofern dies möglich sei - aber eben nicht im Rahmen einer Professur extra für dieses Feld, doch es ist ja nicht so, dass Lehrende und Forschende an der Uni sich nicht auch für Esperanto interessieren würden. Ihre Argumentation, warum ausgerechnet Hamburg ein geeigneter Standort wäre für eine Esperanto-Professur, ist für mich nicht nachvollziehbar. Meines Wissens nach gibt es keinen besonderen Bezug zu Esperanto in Hamburg oder durch Personen Hamburgischer Herkunft.

In Hamburg sind die Esperanto-Vereine, wie Sie sicher wissen, beispielsweise auf dem Europa-Markt im Rahmen der Europa-Woche jeden Mai mit Infoständen vertreten, der aus eigener Anschauung einigen Zulauf hat. Es ist nicht so, dass Esperanto hier keine Rolle spielen würde. Auf privater Ebene finden sich also viele Aktivitäten, um für Esperanto zu werben. Insofern danke ich Ihnen für Ihre Anregungen, bleibe aber bei meinen Ausführungen, so lange die Rahmenbedingungen in unserer Stadt so sind, wie sie sind.

Ihren Hinweis auf das Esperanto-Büro seit 1968 in Ost-Berlin nehme ich gern auf, wenngleich mir der langjährige Leiter der Abteilung Fremdsprachen im Ministerium für Volksbildung (1966 bis 1989), den ich im Rahmen meiner Dissertations-Recherchen mehrfach interviewt habe, versicherte, dass es keine staatlich organisierte Unterstützung in der DDR für Esperanto gegeben habe bzw. die Aufhebung des Esperato-Verbots bereits einen Fortschritt bedeutet habe. Aber all das ist Geschichte und hat mit meiner politischen Tätigkeit als Abgeordneter ja nichts weiter zu tun.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und grüße herzlich nach Berlin,

Ihr AMS