Neue abgeordnetenwatch-Recherche: Verein Elnet finanzierte Reisen von mindestens 51 Bundestagsabgeordneten

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Berlin/Hamburg, 20. November 2025. Eine neue Recherche von abgeordnetenwatch zeigt eine deutliche Konzentration von lobbyfinanzierten Delegationsreisen im Bundestag: Mindestens 51 Abgeordnete nahmen seit 2021 an Reisen nach Israel teil, die vom Lobby-Verein Elnet bezahlt wurden. Besonders brisant: Abgeordnete von SPD, CDU und FDP reisten 2022 auf Elnet-Kosten nach Israel, besichtigten Rüstungssysteme – und stimmten kurz darauf über deren Beschaffung ab. 

Elnet an der Spitze der gemeldeten Reisen
Die Recherche zeigt, dass 51 Abgeordnete auf Kosten von Elnet verreisten, 35 auf die Robert Bosch Stiftung und 21 auf die Konrad-Adenauer-Stiftung. Zudem wird deutlich, wie stark ein einzelner Verein Delegationsreisen als Einflussmöglichkeit auf Bundestagsabgeordnete und zur Anbahnung von Waffendeals nutzt. 

Beispiel einer Delegationsreise 2022

Im Frühjahr 2022 reisten zehn Bundestagsabgeordnete aus SPD, CDU und FDP mit Elnet nach Israel, sieben von ihnen waren ordentliche Mitglieder des Verteidigungsausschusses. Die Delegation besuchte unter anderem den staatlichen Rüstungskonzern Israeli Aerospace Industries und erhielt Briefings zu den Systemen Heron TP und Arrow. Wenige Tage nach der Rückkehr standen beide Rüstungsgüter auf der Tagesordnung des Verteidigungsausschusses, der die Beschaffung von Munition für die Heron TP Drohnen billigte. Rund eineinhalb Jahre später stimmte der Bundestag dem Kauf des Raketenabwehrsystems Arrow 3 zu. Elnet hob in eigenen Veröffentlichungen den zeitlichen Zusammenhang zwischen Reise und späteren Entscheidungen hervor.

Was ist Elnet? 
Elnet Deutschland e. V. versteht sich als Denkfabrik und Netzwerkorganisation und ist seit 2007 in Europa sowie seit 2014 in Berlin aktiv. Laut Lobbyregister gibt Elnet für Interessenvertretung jährlich rund eine Million Euro aus und wird vor allem durch ELNET US sowie durch projektbezogene Förderungen von deutschen und österreichischen Bundes- und Landesministerien finanziert. Delegationsreisen, Veranstaltungen und Publikationen zählen zu seinen zentralen Instrumenten der Interessenvertretung. Zu den Gründungsmitgliedern des deutschen Ablegers gehörte nach Vereinsunterlagen auch der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Begrenzte Einblicke in Inhalte der Reisen
Abgeordnete müssen finanzierte Reisen erst ab einem Geldwert von 3000 Euro veröffentlichen. Vorgaben zur Offenlegung von Programmpunkten, Gesprächspartner:innenn oder thematischen Schwerpunkten bestehen nicht. Auf dieser Grundlage ist nur erkennbar, welche Organisationen Einladungen aussprechen, nicht jedoch, welche Inhalte im Mittelpunkt der Reisen standen oder welche Interessen vermittelt wurden. Diese Transparenzlücke erschwert eine umfassende Bewertung politischer Einflussmöglichkeiten im Rahmen solcher Delegationsreisen.