Sie will öffentlich gefördert werden: Die Friedrich-Friesen-Stiftung e.V.
2016 schafft es die AfD auf Anhieb in den Magdeburger Landtag. Ein Jahr später entsteht die erste parteinahe Stiftung im Land. Das erklärte Ziel der Friedrich-Friesen-Stiftung: die “Förderung des demokratischen Staatswesens und der Identität des deutschen Staatsvolkes”. Noch im selben Jahr wird sie als gemeinnützig anerkannt.
Doch die staatliche Förderung bleibt auch nach jahrelangem Ringen aus. Eine AfD-Regierung könnte das allerdings schnell ändern.
Auf den Mitglieder- und Anwesenheitslisten des Vereins sammeln sich Landesvorstandsmitglieder, ein Vertrauter des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund und Mitglieder einer rechtsextremen Burschenschaft.
Manche von ihnen haben Chancen auf ein Regierungsamt. Laut Informationen der taz sollen Martin Reichardt, Hans-Thomas Tillschneider und Laurens Nothdurft für das Kabinett im Gespräch sein.
Gründung, um "das öffentliche Geld abzupassen"
Reichardt ist Bundestagsabgeordneter und Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt. Genauso wie sein Stellvertreter Tillschneider, der voraussichtlich sein Direktmandat in Querfurt gewinnen wird, gilt er als rechtsextrem. Nothdurft war einst Vorsitzender der mittlerweile verbotenen Heimattreue Deutsche Jugend, einer neonazistischen Organisation, die Kinder im Sinne des Nationalsozialismus indoktriniert hat. Heute ist er Siegmunds Anwalt, Schiedsrichter der Landespartei und Mitglied der Friedrich-Friesen-Stiftung.
Bei der Gründung ging es darum, “das öffentliche Geld abzupassen”, sagt eine Vertraute aus dem AfD-Umfeld gegenüber abgeordnetenwatch. Interne Protokolle suggerieren Ähnliches. Jan Moldenhauer, AfD-Direktkandidat in Bernburg und aktuell im Vorstand der Stiftung, führte bei einer Mitgliederversammlung 2019 aus, “dass ein Veranstaltungsplan für das Jahr 2020 aufgestellt werden müsse, um den Erhalt von Fördergeldern zu legitimieren”.
Fördergelder nur für Verfassungsfreunde
Die Legitimation wurde zu einer Herausforderung. Nachdem das zuständige Bildungsministerium die Förderanträge der Stiftung mehrmals ablehnte, klagte der Landesverband – ohne Erfolg. Der Landtag verabschiedete als Reaktion darauf gegen die Stimmen der AfD ein neues Gesetz zur Förderung parteinaher Stiftungen.
Dort heißt es: Parteinahe Stiftungen müssen “rechtlich, personell und organisatorisch unabhängig” sein.
Schon dieses Kriterium sollte die Friedrich-Friesen-Stiftung wohl von der Förderung ausschließen. Sie teilt sich nicht nur Mitglieder, sondern auch den Briefkasten mit dem Landesvorstand.
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Auch inhaltliche Kriterien hat der Landtag 2024 festgeschrieben: “eine verfassungsfeindliche Prägung der politischen Grundströmung, der die politische Stiftung zuzuordnen ist”, spricht gegen eine staatliche Finanzierung.
Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt hat den dortigen Landesverband der AfD mit all seinen Unterorganisationen als gesichert rechtsextremistische Vereinigung eingestuft. Auch die Friedrich-Friesen-Stiftung und der Verein Konservativer Kommunalpolitiker kommen in dem Bericht vor.
Anwerbung aus dem Umfeld rechtsextremer Burschenschaften
Ein Gericht hat diese Einstufung bestätigt. Unter anderem wegen ihrer “der Menschenwürde des Grundgesetzes gegenläufige konzeptionelle Ausrichtung“ und weil sie bei ihren Anhängern das “Vertrauen in die politischen Institutionen und Prozesse der Bundesrepublik Deutschland fundamental zu erodieren” versuche.
Die Friedrich-Friesen-Stiftung rekrutierte ihre Mitglieder vor neun Jahren aktiv aus dem extrem rechten Umfeld. Mehrere Gründungsmitglieder waren Teil der rechtsextremen Marburger Burschenschaft Germania.
Die Verbindungen der parteinahen Stiftung zur NPD
So auch der heutige Vorsitzende Andreas Graudin. Er ist neben der Stiftung auch im Gesamtdeutschen Studentenverband aktiv. Dort teilt er sich die Vorstandsarbeit mit einem vormaligen NPD-Kandidaten.
Das ist nicht die einzige NPD-Verbindung der Friedrich-Friesen-Stiftung. Der Protokollant der Gründungsversammlung trat in der Vergangenheit für die NPD zur Bundestagswahl an. Später fing er bei der AfD an. Jahre nach der Gründung wurde der Neonazi Benedikt Kaiser Mitglied der Stiftung.
Laut Wahlprogramm der AfD sollen parteinahe Stiftungen künftig kein Steuergeld mehr erhalten. Wäre eine Regierung unter Ulrich Siegmund also das Ende der Friedrich-Friesen-Stiftung? Oder würden sich die einflussreichen Vereinsmitglieder für eine Förderung des langjährigen Projekts starkmachen?
Moldenhauer und Reichardt reagierten nicht auf mehrfache Anfragen von abgeordnetenwatch.
Aus dem Umfeld der Stiftung heißt es, dass eine AfD-Alleinregierung eine Finanzierung wahrscheinlich macht. Gesetze seien schnell geändert, das Budget im Haushalt eingeplant und das Ziel der Friedrich-Friesen-Stiftung erreicht: Das öffentliche Geld würde fließen.