Mittagessen mit Investor

Katherina Reiches geheimes Treffen im New Yorker Luxushotel

Ein bislang unbekanntes Mittagessen führte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche im Oktober in ein exklusives Restaurant an der Fifth Avenue. Dort traf sie den Chef eines Finanzinvestors, der Milliarden in Deutschland investieren will – auch in die Rüstungsbranche. Zu der Reise machte ihr Ministerium später widersprüchliche Angaben.

von Lisa Wölfl, 31.07.2026

Für ein Mittagessen im New Yorker Hotelrestaurant Arva at Aman muss man viel Geld mitbringen. Zutritt hat nur, wer in dem Luxushotel übernachtet oder sich eine Mitgliedschaft in dessen Privatclub leistet. Aufnahmegebühr: rund 185.000 Euro.

Am 13. Oktober 2025 saß hier Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Tisch. Sie war nicht allein: Der Geschäftsführer des milliardenschweren Private-Equity-Unternehmens Apollo Global Management bekam ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Weit hatte er es nicht. Die Firmenzentrale liegt nur drei Minuten Fußweg vom Restaurant an der Fifth Avenue in Manhattan entfernt.

Was hatte die Ministerin mit dem Finanzinvestor zu besprechen?

„Keine weiteren dienstlichen Termine“, sagt das Ministerium, doch das ist unwahr

abgeordnetenwatch hat über das Informationsfreiheitsgesetz sämtliche Unterlagen zu dem bisher unbekannten Meeting angefordert.

Erst nach vier Monaten gab das Ministerium die Dokumente frei. Während Reiches gesamter Reise, so das BMWE in seinem IFG-Bescheid, habe es neben dem Lunch „keine weiteren dienstlichen Termine“ gegeben.

Doch das war unwahr, wie das Ministerium später einräumen musste. Denn vor dem Mittagessen war Reiche bereits mit Startup-Vertreter:innen zum Frühstück in New York verabredet gewesen.

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Dazu eingeladen hatte General Catalyst, eine weitere Investmentfirma. Das Unternehmen ist auch in Deutschland tätig: 2023 stieg es als Großinvestor beim Rüstungs-Startup Helsing ein. Mittlerweile soll der Drohnenproduzent mehr als 15 Milliarden Euro wert sein – wohl auch dank Rüstungsaufträgen der Bundeswehr.

63 Seiten Vorbereitung – zum Teil stark geschwärzt

Zu dem Business-Frühstück existieren laut BMWE keinerlei Unterlagen, weder eine Einladung noch inhaltliche Vorbereitungen oder eine Teilnehmerliste.

Anders ist das bei Reiches Termin mit dem Apollo-Manager. Das Wirtschaftsministerium gab 63 Seiten an internen Unterlagen an abgeordnetenwatch heraus, zum Teil stark geschwärzt.

Demnach hatte Reiche für das Mittagessen anderthalb Stunden geblockt. Eine ihrer Kernbotschaften an den Investment-Manager sollte laut Vorbereitungsunterlagen sein: „Wir werden mehr in unsere Verteidigung und Souveränität investieren.“ Auch das Sondervermögen für Rüstung und Infrastruktur sollte zur Sprache kommen.


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Für Apollos Investmentstrategie sind das gute Aussichten. Das Unternehmen will in den nächsten Jahren 100 Milliarden Dollar in Deutschland investieren.

In Rüstung und Infrastruktur etwa, wie Apollo dem Wirtschaftsministerium vorschlug. Es könne damit den „Druck auf die deutsche Staatsverschuldung lindern“. Die konkreten Maßnahmen dafür wurden in den Unterlagen geschwärzt.

Wer ist Apollo Global Management?

Apollo Global Management ist ein international agierender Investor mit Sitz in New York City. Das Unternehmen managt eine Billion US-Dollar an Vermögenswerten.

Apollo hat angekündigt, in den kommenden Jahren bis zu 100 Milliarden US-Dollar in deutsche Unternehmen zu investieren.

Jüngst stieg die Firma mit 3 Milliarden Dollar bei Bayer ein. Im September 2025 investierte Apollo gemeinsam mit RWE in den Netzbetreiber Amprion. Auch an der Deutsche Wohnen Gruppe ist Apollo mit einer Milliarde Euro beteiligt.

International hält das Unternehmen Anteile an BP und investiert mit dem staatlichen aserbaidschanischen Energiekonzern SOCAR. 

In den USA landete Apollo wiederholt in den Schlagzeilen. CEO Mark Rowan soll seine Unternehmens-E-Mail sowie Mitarbeiter:innen dafür eingesetzt haben, seine eigenen politischen Anliegen voranzutreiben. Die Führungsriege von Apollo hatte außerdem regen Austausch mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterhalten.

Privates Geld für deutsche Rüstungsunternehmen

In den USA hat Apollo seine Anstrengungen im Rüstungsbereich bereits verstärkt. Das Unternehmen hat eine Agentur damit beauftragt, beim US-Kongress zur Beschaffung von Rüstungsgütern zu lobbyieren.

Auf Anfrage von abgeordnetenwatch bestätigte eine BMWE-Sprecherin, dass es bei Reiches Gespräch mit dem Apollo-Manager um die Anstrengungen der Bundesregierung für den Hochlauf der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gegangen sei. Außerdem habe die Ministerin mit dem Finanzinvestor über Deutschland als Investitionsstandort und die Mobilisierung privaten Kapitals gesprochen.

Zu den Umständen der New-York-Reise hält sich das Ministerium allerdings bedeckt. So will es weder mitteilen, wie lange sich Reiche in der Metropole aufgehalten hat, noch in welcher Begleitung sie reiste. Auf die Frage, ob die Ministerin selbst Mitglied im exklusiven Privatclub des Hotels Aman ist, sagte die Sprecherin, im BMWE lägen dazu „keine Erkenntnisse“ vor. 

Nur so viel wollte man konkret sagen: Reiche habe einen Linienflug genommen. Die Gesamtkosten lagen bei rund 10.600 Euro.

Keine Angaben zu weiteren Lobbytreffen

Ob es darüber hinaus weitere Treffen mit Apollo gab, teilte das BMWE auf Anfrage nicht mit. Eine erbetene Liste blieb Reiches Ministerium bis Redaktionsschluss schuldig.

Zumindest ein Treffen lässt sich trotzdem nachweisen. Es fand im September 2025 mit demselben Apollo-Manager in Berlin statt. Das geht aus den IFG-Unterlagen hervor.
 

Bereits in der vergangenen Wahlperiode war Apollo mehrfach mit hochrangigen Mitgliedern der Bundesregierung in Kontakt gewesen. Bekannt sind unter anderem Termine mit Jörg Kukies (SPD) in seinen Funktionen als Staatssekretär und Finanzminister. Auch die damaligen FDP-Minister Volker Wissing und Christian Lindner trafen auf Apollo-Lobbyisten.

Trotz seiner zahlreichen Lobbykontakte mit der Bundesregierung ist das Unternehmen nicht im deutschen Lobbyregister eingetragen.

Nicht zum ersten Mal: Reiches intransparente Reisen

Es ist nicht das erste Mal, dass Reiches Wirtschaftsministerium durch Intransparenz auffällt.

Weniger als zwei Wochen vor ihrer New-York-Reise war Reiche Gast eines diskreten Netzwerktreffens im österreichischen Tirol. Veranstalter war unter anderem ihr Lebensgefährte Karl-Theodor zu Guttenberg.

Reiches Teilnahme versuchte das Wirtschaftsministerium lange zu verschleiern. Auf eine Presseanfrage von abgeordnetenwatch erklärte ein Sprecher: Ich kann Ihnen keinen entsprechenden dienstlichen Termin bestätigen.“ Später räumte das BMWE nicht nur Reiches Anwesenheit ein. Die Ministerin hatte vor Ort sogar ihren Dienstwagen genutzt.


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