Berlin/Hamburg, 19. November 2025 – Nach übereinstimmenden Medienberichten, darunter der Berliner Zeitung und der ZEIT, soll die Weimer Media Group Unternehmen Sponsoringpakete im Wert von bis zu 80.000 Euro anbieten, die besondere Gesprächsgelegenheiten mit Regierungsmitgliedern in Aussicht stellen. In den internen Werbeunterlagen zum Ludwig-Erhard-Gipfel im April 2026, die der ZEIT vorliegen, werde ausdrücklich „Einfluss auf politische Entscheidungsträger“ erwähnt. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ist laut Handelsregister weiterhin mit 50 Prozent an der Weimer Media Group beteiligt, die den Gipfel seit 2014 jährlich ausrichtet. Die Firma ist bislang nicht im Lobbyregister eingetragen. Die Bayerische Staatsregierung prüft inzwischen, ob die staatliche Förderung des Ludwig-Erhard-Gipfels fortgeführt wird.
„Der Eindruck entsteht, dass politischer Zugang käuflich ist.“
Sarah Schönewolf, Sprecherin von abgeordnetenwatch, kommentiert:
„Wenn für hohe Beträge Gesprächsmöglichkeiten mit Regierungsmitgliedern angeboten werden, wird politischer Zugang zur exklusiven Ware, die sich nicht alle leisten können. Wer den Eindruck hat, dass sich politischer Zugang kaufen lässt, verliert leicht das Vertrauen in eine faire Demokratie. Politik ist kein Premiumprodukt, das man buchen kann. Sie gehört allen Bürger:innen.“
Weiter sagt Schönewolf:
„Wenn ein Regierungsmitglied an einem Unternehmen beteiligt ist, das hochpreisige Formate mit Kabinettskolleg:innen vermarktet, ist das ein potenzieller Interessenkonflikt. Auch wenn keine formale Einflussnahme stattfindet, braucht es volle Transparenz über die Hintergründe, damit solche Zweifel gar nicht erst entstehen. Diese Offenlegung gebietet allein schon das Ministeramt.“
„Der Fall zeigt, dass die bestehenden Regeln nicht ausreichen, um potenzielle Interessenkonflikte frühzeitig sichtbar zu machen. Demokratische Institutionen leben davon, dass politische Entscheidungen klar von wirtschaftlichen Interessen getrennt sind. Es braucht klare Standards und eine unabhängige Kontrolle, damit politische Einflussnahme nachvollziehbar und überprüfbar bleibt.“
abgeordnetenwatch fordert strenge Offenlegungspflichten für Regierungsmitglieder: Alle Vermögens- und Unternehmensbeteiligungen müssen vollständig, aktuell und nachvollziehbar veröffentlicht werden. Nur so können Interessenkonflikte frühzeitig erkannt und verhindert werden. Außerdem bedarf es einer unabhängigen Transparenzkontrolle: Eine unabhängige Instanz muss überprüfen, ob Transparenzpflichten eingehalten werden – inklusive Nebentätigkeiten, Lobbyregistereinträgen, Parteispenden und potenzieller Interessenkonflikte. Transparenz darf nicht freiwillig sein, sondern muss verbindlich kontrolliert werden. Bei Verstößen braucht es klare Sanktionen.
Schönewolf: „Transparenz schafft Vertrauen und schützt alle Beteiligten. Klare Regeln sorgen dafür, dass politische Entscheidungen nachvollziehbar bleiben.“