Yannick Veits blickt lächelnd in die Kamera
Yannick Veits
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
Zum Profil
Frage stellen
Die Frage-Funktion ist deaktiviert, weil Yannick Veits zur Zeit keine aktive Kandidatur hat.
Frage von Gabriela B. •

Wie stehen Sie zur Bildungspolitik in unserem Land unter Einbeziehung der verschiedenen pädagogischen Strömungen in den letzten 25 Jahren und wie stehen Sie zum Föderalismus in diesem Kontext ?

Sehr geehrter Herr Veits,

In BW haben die letzten 25 Jahre viele pädagogische Experimente und Reformen geprägt – von G9 über integrative Schulformen bis hin zu Grundschulmethoden wie „Schreiben nach Gehör“, das später zu massiven Rechtschreibproblemen führte. Gleichzeitig stehen wir 2026 vor der Frage, wie Schule angesichts von Digitalisierung, KI und neuen Lerngewohnheiten zeitgemäß gestaltet werden kann. Viele Lehrkräfte sind noch nicht digital fit, und die Ausbildung bereitet darauf kaum vor. Vor diesem Hintergrund interessiert mich:

1.Wie wollen Sie als Grüner verhindern, dass methodische Fehlentwicklungen wiederholt werden, und gleichzeitig soziale Ungleichheiten verringern?

2. Wie sehen Sie die Rolle des Föderalismus in der Bildung – sollte Schule mehr einheitlich oder weiter auf Länderkompetenz ausgerichtet sein?

3. Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor, um Schule inhaltlich und digital angemessen zu gestalten – von Lehrerbildung bis zu KI- gestütztem Lernen?

Vielen Dank

Yannick Veits blickt lächelnd in die Kamera
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau B. L.

vielen Dank für Ihre wichtigen Fragen zur Bildungspolitik. Als Kandidat, der bei der Erstellung unseres aktuellen Wahlprogramms mitgewirkt hat, ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass wir Schule nicht als Feld für Experimente, sondern als Ort für echte Zukunftschancen begreifen. 

Mein Ziel ist ein Bildungssystem, das den Anschluss an die digitale Welt sichert und gleichzeitig die soziale Schere schließt.

1. Mein Ansatz gegen methodische Fehlentwicklungen und für mehr Gerechtigkeit

Wir haben im Programm festgeschrieben, dass pädagogische Innovationen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußen müssen. Um Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu vermeiden und die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, setze ich mich ein für:

  • Evidenzbasierte Qualitätssicherung: Ich unterstütze die Einsetzung einer Enquete-Kommission, um die Schulentwicklung gemeinsam mit Wissenschaft und Praxis fundiert voranzutreiben.
  • Stärkung der Basiskompetenzen als zentraler Pfeiler unserer Bildungsstrategie. Mit der verbindlichen Sprachförderung „SprachFit“ stellen wir sicher, dass alle Kinder (unabhängig von Herkunft & Elternhaus) sicher lesen, schreiben und rechnen lernen.
  • Gerechte Ressourcen: Ich setze mich für eine sozialgerechte Ressourcensteuerung ein, also mehr Unterstützung und Personal dort, wo die Herausforderungen am größten sind, unter anderem durch Stärkung des Startchancen-Programms.

2. Meine Haltung zum Bildungsföderalismus

Ich sehe den Föderalismus als Stärke, um regionale Besonderheiten zu berücksichtigen, fordere aber eine modernere Zusammenarbeit und mehr verbindliche länderübergreifende Mindeststandards. Nur so werden Bildungsabschlüsse deutschlandweit vergleichbar. Für ein zukunftsfähiges Baden-Württemberg brauchen wir:

  • Starke Standards bei hoher Flexibilität: Wir setzen landesweit hohe Qualitätsstandards, lassen den Schulen vor Ort aber den pädagogischen Freiraum, den sie für ihre Schülerschaft benötigen.
  • Kooperation statt Blockade: Ich setze mich für eine verlässliche Partnerschaft mit dem Bund ein (z. B. Digitalpakt 2.0), damit wir die Mammutaufgabe der digitalen Transformation gemeinsam schultern können. Das muss über Parteigrenzen hinweg funktionieren.

3. Konkrete Maßnahmen für die digitale und inhaltliche Erneuerung

Als setze ich mich für eine Schule ein, die im 21. Jahrhundert ankommt:

  • KI-Mündigkeit und Informatik: Ich möchte das Fach Informatik ab dem Schuljahr 2025/26 als Pflichtfach verankern. Wir wollen Schülerinnen und Schüler aktiv befähigen, KI-gestütztes Lernen reflektiert zu nutzen, statt es nur passiv zu konsumieren.
  • Moderne Lehrerbildung: Ich setze mich für eine Reform der Ausbildung ein, die digitale Kompetenzen von Anfang an integriert, sowie für ein duales Lehramtsstudium, um Theorie und Praxis besser zu verzahnen.
  • Entlastung durch Multiprofessionalität: Lehrkräfte müssen sich auf das Unterrichten konzentrieren können. Deshalb forderte ich den Ausbau von Teams aus IT-Expertise, Sozialarbeit und pädagogischer Assistenz an jeder Schule.
  • Zeit für Qualität: Die Rückkehr zu einem modernen G9 gibt den nötigen Raum, um neue Lerngewohnheiten und digitale Tiefe pädagogisch sinnvoll zu begleiten.

Ich freue mich darauf, für diese Inhalte im nächsten Landtag einzustehen, um Baden-Württemberg zu einem Vorreiter für gerechte und moderne Bildung zu machen.

Herzliche Grüße

Yannick Veits 

Weitere Fragen an Yannick Veits