Yannick Veits blickt lächelnd in die Kamera
Yannick Veits
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Michael A. •

Betreff: Homöopathie und Heilpraktiker: Wie positionieren Sie sich vor der Wahl am 8. März?

In der Gesundheitspolitik wird derzeit darauf hingearbeitet, Homöopathie als Zusatzleistung der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen und sie perspektivisch nicht mehr als Arzneimittel zuzulassen – obwohl laut Erhebungen rund 30 Millionen Menschen in Deutschland homöopathische Arzneimittel nutzen. Diese Linie zeigt sich u. a. in Beschlüssen von SPD und Grünen sowie in öffentlichen Ankündigungen aus dem Kanzleramt.

Parallel wird öffentlich die Abschaffung des Heilpraktikerberufs gefordert, zuletzt medial stark zugespitzt durch Jan Böhmermann. Dem steht ein empirisches Gutachten des Bundesministeriums für Gesundheit von 2025 gegenüber, das den Heilpraktikerberuf als sicheren und relevanten Teil der Gesundheitsversorgung beschreibt (rund 47.000 Heilpraktiker, etwa 29 Millionen Patientenkontakte pro Jahr).
Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zur künftigen Rolle von Homöopathie und Heilpraktik?
Vielen Dank für Ihre Antwort,
Michael A.
Mühlhausen

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Danke für Ihre Frage.
Grundlage für politische Entscheidungen ist für mich wissenschaftliche Evidenz, auf der Basis muss abgewogen werden. Das gilt für Klimaschutz und Bildung, aber eben auch für die Gesundheitsversorgung.

Dass homöopathische Mittel auch weiterhin verfügbar sind und Menschen helfen können, steht für mich außer Frage. Homöopathie gehört nicht zum Regelleistungs-Katalog (den Pflichtleistungen) der gesetzlichen Krankenkassen. Mittel, deren Wirkung nicht über den Placebo-Effekt hinaus gehen, sollen auch weiterhin nicht aus der gesetzlichen Krankenversicherung (sprich von der Allgemeinheit) verpflichtend gezahlt werden. Die Kosten für homöopathische Präperate sind auch ohne Kostenübernahme durch die Solidargemeinschaft für Einzelne erschwinglich oder können bei Bedarf als freiwillige Zusatzleistung der von Krankenkassen oder über eine private Zusatzversicherung gedeckt werden.

Der aktuelle Status von Homöopathie als Arzneimittel ist ein politisches Relikt, das die Therapiefreiheit über den strengen Wirksamkeitsbeweis stellt. Eine Zulassung von Arzneimitteln sehe ich auf Basis gesicherter naturwissenschaftlicher Evidenz. Das gewährleistet Therapiesicherheit und stellt sicher, dass medizinische Ressourcen gezielt für nachweislich wirksame Heilmethoden eingesetzt werden.

Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sind ein Teil der Gesundheitsversorgung und es gibt sicherlich viele untern ihnen, die ehrlich Menschen helfen wollen und können. Ich sehe allerdings kritisch, dass bei den beiden Heilpraktikzertifikaten keine fachlichen Voraussetzung für die Prüfung gesetzt sind. Zur Verbesserung der Patientensicherheit und zum Schutz vor Fehldiagnosen bin ich dafür, die Standards für die Heilpraktik einheitlich gezogen wird und beeinhaltet:
Fundierte Ausbildung sowie klare Leitlinien, was behandelt werden darf und wann die Schulmedizin hinzugezogen werden muss.

Das aktuelle System macht es zu leicht, unwirksame oder sogar gefährliche „Therapien“ an vulnerable Personen zu verkaufen und deren Not auszunutzen.

Wenn wir das besser regeln, können wir eine Ergänzung zur Schulmedizin erhalten, die verlässlich hilft.

 

 

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