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Torben Braga
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Frage von Peter H. •

Sind Sie bereit, sich in der wissenschaftlichen Original-Literatur einen Überblick über den Diskussionstand zu den Ursachen des aktuellen Klimawandels zu verschaffen?

Sehr geehrter Herr Braga,

Laien können sich einen direkten Einblick in den Diskussionsstand der Wissenschaft verschaffen, denn einige Fachzeitschriften publizieren nur Artikel von übergeordneter Bedeutung, z.B. die britische „Nature“ oder die US-amerikanische „Science“. Dort findet man Artikel zum Klimawandel, in deren Einleitung den Stand der Wissenschaft rekapituliert wird. Etwas seltener findet man Übersichtsartikel (review article), die den Wissensstand umfassender darstellen. Die Zeitschriften sind in allen Universitätsbibliotheken mit naturwissenschaftlicher Abteilung kostenlos einsehbar, teilweise auch online und damit einer Stichwortsuche zugänglich. Eine solche Recherche ist mühsam, doch 10.000 zusätzliche Hitzetote in diesem Jahr in Deutschland (laut RKI) und volkswirtschaftliche Schäden von 280 und 900Mrd. € bis 2050 (laut DIW) rechtfertigen m.E. den Aufwand.

Freundliche Grüße aus Mellingen

Peter Häusler (Bitte meinen Namen ausschreiben, ich möchte mich nicht verstecken)

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Antwort von AfD

Sehr geehrter Herr H.,

Ihre letzte Frage nach der Position meiner Partei habe ich Ihnen ausführlich und, wie ich finde, fair beantwortet. Diese zweite Frage beantworte ich kürzer: Nein.

Ich bin kein Umweltpolitiker, sondern – zumindest derzeit – in meiner Fraktion für Finanz- und Außenpolitik zuständig, und ich werde meine begrenzte Zeit leider nicht damit verbringen können, mich auf Zuruf durch bestimmte Publikationen zu arbeiten, um vor Ihnen eine Prüfung abzulegen, deren Ergebnis Sie ohnehin schon festgelegt haben.

Zur Sache dennoch zwei Punkte, weil sie das Muster zeigen, das ich für das eigentliche Problem halte. Sie führen "10.000 Hitzetote in diesem Jahr" und Schäden von "280 bis 900 Milliarden Euro" ins Feld, als handelte es sich um abgezählte Tatsachen. Das sind sie nicht. Die Hitzetoten sind eine statistisch geschätzte Übersterblichkeit, die je nach Rechenmodell erheblich schwankt und für einen noch laufenden Sommer ohnehin nicht seriös feststeht. Die Schadensspanne, hingegen, stammt aus einer Szenariostudie und beschreibt Annahmen, keine Beträge, die irgendwo anfielen. Schon die Bandbreite der Zahlen – ein Wert zum Dreifachen des anderen – verrät, wie unscharf die Grundlage ist. Diese Zahlen werden präzise vorgetragen, um Betroffenheit zu erzeugen, ihre Weichheit wird aber gern verschwiegen. Genau das ist der Mechanismus, den ich ablehne. Erst werden die alarmierendsten Schätzungen als feststehende Wahrheit präsentiert, dann wird jeder, der die politischen Schlüsse daraus nicht teilt, in die Nähe der Realitätsverweigerung gerückt und zur Nachhilfe in die Bibliothek geschickt. Das ist übrigens das Gegenteil von Wissenschaft, die eigentlich vom Ausweis der Unsicherheit lebt, nicht von ihrer Verschleierung zum Zweck der politischen Mobilisierung. Wer so vorgeht, verwechselt die eigene Betroffenheit mit Evidenz.

Meine Position und die meiner Partei habe ich Ihnen dargelegt. Sie unterscheidet nüchtern zwischen der wissenschaftlichen Diagnose, über die wenig Streit besteht, und den politischen Konsequenzen, über die man in einer Demokratie unterschiedlicher Auffassung sein darf. An dieser Unterscheidung ändert auch die dringlichste Lektüreempfehlung nichts. Ich wünsche Ihnen dennoch alles Gute.

Einen Hinweis noch, weil Sie ausdrücklich darum baten, Ihren Namen auszuschreiben: Das liegt nicht in meiner Hand. Abgeordnetenwatch kürzt die Namen der Fragesteller meines Wissens grundsätzlich ab. Darauf habe ich keinen Einfluss. 

Mit freundlichen Grüßen
Torben Braga

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