Frage an Thomas Kemmerich von Nybvf Wnaqnhfpu bezüglich Soziales und Familie

22. August 2009 - 10:46

Herr Kemmerich,

ich hätte gerne gewußt, ob Sie Ihre Angestellten nach Tarif bezahlen. Ich weiss, dass die FDP nicht für einen Mindestlohn eintritt, im Gegenteil! Für ordentliche Arbeit sollte man auch einen guten Lebensstandart erreichen. Außerdem würden nicht so viel junge Leute abwandern.

Frage von Nybvf Wnaqnhfpu
Antwort von Thomas Kemmerich
15. September 2009 - 11:00
Zeit bis zur Antwort: 3 Wochen 3 Tage

Sehr geehrter Herr Jandausch,

Ja, ich bezahle meine Angestellten nach gewerkschaftlich festgelegten Tarifen. Diese sind in unserer Branche niedrig und sorgen daher in öffentlichen Diskussionen immer wieder für Kontroversen. Der Tariflohn ist aber nur eine Seite der Medaille. Neben diesem Anteil werden alle meine angestellten Friseurinnen am Umsatz der Filialen beteiligt und haben die Höhe des Trinkgeldes durch Freundlichkeit und Kundenorientiertheit bzw. handwerkliches Gespür und Geschick selbst in der Hand. Zwar gibt es auch in meinem Umfeld Angestellte, die aufstockende Transferleistungen in Anspruch nehmen müssen. Das ergibt sich in den meisten Fällen aber dann, wenn meine größtenteils weiblichen Mitarbeiter Alleinerziehend sind oder auf Grund ihrer Kinder nur stundenweise bzw. halbtags arbeiten wollen/können. Der Anteil der Halbtagskräfte ist bei uns nicht zu unterschätzen. Die Löhne sind entsprechend reduziert im Vergleich zu Ganztageskräften. Ein Lohnvergleich der diesen Umstand nicht berücksichtigt darf als Vergleich nicht herhalten und verzerrt das Bild zu Ungunsten meiner Mitarbeiterinnen. Im Übrigen sind die wenigsten Kunden bereit, um vierzig Prozent teurere Preise für Haarschnitte zu zahlen, sollten wir einen Mindestlohn zahlen müssen.

Zum Thema Jugendarbeitslosigkeit erlauben Sie mir den vergleichenden Blick auf Frankreich, wo Mindestlöhne und strenge Kündigungsschutzregelungen eine Jugendlichenarbeitslosigkeit von über 20% mit verschuldet haben. Junge Menschen haben es in diesem System so schwer, das es in französischen Vororten mehrmals zu Protesten und Brandanschlägen gekommen ist. Die „Generation Praktikum“ hält von diesen strikten Vorgaben zu ihren Ungunsten herzlich wenig!

Mit den besten Grüßen aus Erfurt,
Thomas L. Kemmerich