Thomas Bergmann
ÖDP
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Frage von Nagba Nyoerpug an Thomas Bergmann bezüglich Land- und Forstwirtschaft

# Land- und Forstwirtschaft 03. Sep. 2017 - 19:41

Jeden Tag werden zig Hektar landw. Nutzfläche überbaut bzw. versiegelt. Sie fehlen somit der Nahrungsmittel erzeugung. Wie könnte man dieses zumindest vermindern?

Von: Nagba Nyoerpug

Antwort von Thomas Bergmann (ÖDP) 07. Sep. 2017 - 21:24
Dauer bis zur Antwort: 4 Tage 1 Stunde

Sehr geehrter Herr Albrecht,

das ist eine scheinbar einfache Sache, wenn es um Flächenverbrauch allgemein (in Deutschland) geht.

Im bundespolitischen Programm der ÖDP steht auf Seite 37 unsere Forderung von Flächenzertifikaten. ( www.oedp.de )

Wenn Sie aber nach der sinkenden Menge von Flächen sprechen, um eine gute Nahrungsmittelerzeugung geht, wird es meiner Ansicht etwas komplizierter und es geht nicht nur um die Überbauung und Versiegelung.

Hier konkurieren ja verschiedenste Interessen und Nutzungsformen miteinander,

Baugebiete um Wohnraum zu schaffen,
Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen,
Ausweitung von Naturschutzgebieten und Überschwemmungsflächen
Forstwirtschaft, Kiesabbau, etc.

Ausweisungen von Baugebieten sollen wie beim vorgeschlagenen Flächenzertfikat mit Bedingungen und Gebühren verknüpft werden.

Die Gewerbesteuer, die als Einnahmequelle für Kommunen Flächenfraß fördert sollte abgeschafft und durch andere Finanzierungsformen ersetzt werden, um den Anreiz zu mindern.

Wenn der Anbau von Energiepflanzen deutlich lukrativer ist als der Anbau von Nahrungsmitteln, muss über Formen der Regulierung nachgedacht werden.

Da ich jetzt keine Zahlen an der Hand habe, wie groß der Anteil von regional erzeugten Lebensmitteln am Bedarf ist, bzw. wie viele Lebensmittel (und ich spreche jetzt von den die angebaut werden können) importiert werden, oder ob es Zahlen dazu gibt, dass die Nahrungsmittelerzeugung stetig sinkt, kann ich nicht sagen,wie dringend diese Sache ist.

Aber wenn man bedenkt, dass jährlich ca. 10 Millionen fruchtbarer Boden verloren geht (Überbauung, Wüstenbildung, etc), stellt sich die Frage nach einer Sicherung von Boden zur Nahrungsmittelproduktion auch bei uns.

Fruchtbarer Boden ist ein begrenztes Gut aber so wichtig wie gutes Wasser. Beides wird international durch multinationale Konzerne (Nestle, z. Bsp.) ausgebeutet, zu Lasten der Menschen und der Umwelt. Hier muss Politik in Deutschland, auf EU-Ebene und über die UNO entgegensteuern. Das Motto der ÖDP lautet Mensch vor Profit und es gilt auch hier!

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Bergmann