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Frage von Steffen B. •

Frage an Rosemarie Hein von Steffen B. bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

Sehr geehrter Frau Dr.Hein

werden Sie die Rede des Papstes im Bundestag verfolgen? Wie sehen Sie den Auftritt eines konfessionellen Hauptvertreters im Bundestag?
Immerhin handelt es sich beim Bundestag um die Zentralstelle unserer Demokratie, die ja ausdrücklich auf die Trennung zwischen Staat und Kirche abhebt!

Wie stehen Sie zum Plan, leere Sitzplätze im Bundestag durch "Alt-" Abgeordnete zu besetzen? Haben wir (BRD) es wirklich nötig, einen solchen Kotau/ Verschleierung vorzunehmen?

Vielen Dank für Ihre Antwort!
Stefen Bönigk

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Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Bönigk,

ich werde an der Rede des Papstes im Plenum des deutschen Bundestages nicht dabei sein können, weil ich einen anderen, längerfristig geplanten Termin, der sehr wichtig ist, wahrnehmen muss. Allerdings hätte ich mir die Rede des Papstes sehr gerne angesehen, weil ich gern wissen möchte, warum ein Mensch als Vertreter einer Institution wie der katholischen Kirche so viele, vor allem auch junge Menschen begeistern kann, dass sie zu Tausenden auf die Straße strömen, um ihn zu erleben. Worin liegt das Versprechen, das Beeindruckende? Mich hätte einfach interessiert, woher der Nimbus kommt, der diese Person umgibt. Außerdem bin ich neugierig, ob der Papst - wie das sein Vorgänger durchaus getan hat - auf die wichtigen Fragen der Menschheit Antworten geben will und kann und welche das sind. Immerhin ist er Vertreter einer der ganz großen Kirchen der Welt und es ist für mich auch Ausdruck der Achtung vor den AnhängerInnen dieses Glaubens, ihre Denkweisen aufzunehmen, und die werden nun mal wesentlich von einer Persönlichkeit wie dem Papst bestimmt. Ich persönlich lehne, auch aus der Erfahrung meines eigenen Lebens Dogmatismus ab und habe schon von daher eine äußerst kritische Distanz zur Institution Papst und nach dem Auftreten der letzten Jahre auch zu der Person Ratzinger. Ganz sicher hätte ich ihn in den Bundestag nicht eingeladen, aber ich würde mich eines solchen Auftritts auch nicht vehement verweigern, wenn so viele meiner Abgeordnetenkollegen das wollen. Ich wünschte mir von ihnen im Gegenzug die gleiche Toleranz in anderen Fragen, weiß aber, dass ich sie nicht erwarten kann.
Was die Sitzplätze im Bundestag betrifft, so ist das eine Verfahrensweise, wie sie auch zu anderen öffentlichen oder feierlichen Ereignissen gepflegt wird. Wenn ich das kritisiere, muss ich es generell tun. Wenn es daher angesichts der exorbitanten Sicherheitsmaßnahmen früheren Abgeordneten und vielleicht auch einigen MitarbeiterInnen der Verwaltung, die vielleicht genauso neugierig sind wie ich, ermöglicht wird den Papst authentisch zu erleben, dann ist es vielleicht sogar in Ordnung.
Ich wünsche mir insgesamt etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Papstbesuch, auch von den Gegnern der Show. Man kann die Bedeutung auch durch das Ausleben der Ablehnung hochstilisieren. Ich finde, das ist unnötig.

Mit freundlichen Grüßen
Rosemarie Hein