Renate Will
FDP
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Frage von Znk Teüa an Renate Will bezüglich Bildung und Forschung

# Bildung und Forschung 05. Juli. 2013 - 10:04

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Will,

anlässlich der nahenden Landtagswahl in Bayern würde mich die Position der FDP zum Thema Ganztagsschulen interessieren. Was hat die Landesregierung bzw. Ihre Landtagsfraktion in den vergangen Jahren gemacht, um den steigenden Bedarf an Ganztagsschulen zu decken? Außerdem würde mich interessieren, was Sie im Bereich der Ganztagsschulen planen, sofern sie wieder in den Bayerischen Landtag einziehen?

Mit freundlichen Grüßen,

Max Grün

Von: Znk Teüa

Antwort von Renate Will (FDP) 08. Juli. 2013 - 10:18

Sehr geehrter Herr Grün,

vielen Dank für Ihre Anfrage auf "abgeordnetenwatch.de" vom 05.07.2013 zum Thema Ganztagsschule.

Der Aufbau und der Ausbau von Ganztagsklassen ist sicherlich eine der wichtigsten Aufgaben in der bayerischen Schulpolitik. Mit Eintritt der FDP in die Bayerische Staatsregierung ist der Ausbau der Ganztagsschulen in Bayern signifikant vorangekommen. Im Koalitionsvertrag haben wir Liberale mit dem
Koalitionspartner CSU vereinbart, dass wir „den Ausbau eines flächendeckenden und bedarfsorientierten Angebots an Ganztagsschulen in allen Schularten“ voranbringen werden und dass dies für uns eine prioritäre Aufgabe darstellt.

Die FDP-Landtagsfraktion ist von den Vorzügen der Ganztagsschule, insbesondere in der gebundenen Form, überzeugt, da sie einen pädagogischen Mehrwert hat. Den Erfolg der Ganztagsschule bestätigen auch die wichtigsten aktuellen Studien: Die PISA-Studie 2009 identifiziert für den Erfolg von Lernprozessen neben lern- und leistungsorientierten Haltungen der Jugendlichen, der Qualität von Bildungsprozessen auch den Umfang der Lernerfahrungen. Die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler bei PISA 2009 wurden nach Bilanz der Studie auch deshalb besser, weil mit Einführung der Ganztagsschulen mehr Unterrichtszeit und weniger Störverhalten festgestellt wurde. Die Zeit wird dort nach Meinung der Autoren gezielter genutzt.

Die offenen Ganztagsangebote haben sich in den letzten fünf Jahren von gut zwei auf dreieinhalb Tausend, die gebundenen von 390 auf über Elfhundert gesteigert. Der Anteil der allgemeinbildenden Schulen, die über ein Ganztagsangebot verfügen (gebundene bzw. offene Form oder Mittagsbetreuung), stieg von 64 Prozent im Schuljahr 2009/2010 auf 78 Prozent im aktuellen Schuljahr. Im Doppelhaushalt 2013/2014 werden zusätzliche Stellen und Mittel zur Verfügung gestellt, um zum Schuljahr 2013/2014 an 90 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen Ganztagsangebote anbieten zu können. Zum Schuljahr 2012/2013 sind an insgesamt 964 Schulen gebundene Ganztagszüge eingerichtet oder befinden sich im Aufbau. An insgesamt 1.363 Schulen stehen offene Ganztagsangebote für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 zur Verfügung. Die verschiedenen Angebote der Mittagsbetreuung sind an über 2000 Schulen eingerichtet.
Auch eine aktuelle Studie zur Ganztagsschulentwicklung der Bertelsmann-Stiftung bescheinigt Bayern bundesweit mit die größte Dynamik im Ausbau der Ganztagsschulen.

Bei der Ressourcenausstattung der schulischen Ganztagsangebote liegt Bayern bundesweit an der Spitze: Grundschulen erhalten z.B. pro gebundener Ganztagsklasse und Schuljahr zusätzlich 12 Lehrerwochenstunden und Mittel in Höhe von 6.000 Euro (davon Mitfinanzierungsanteil der Kommunen: 5.000 Euro). Im Rahmen des gerade eben beschlossenen Bildungsfinanzierungsgesetzes wird die Ausstattung für die Jahrgangsstufe 1 um 4.500 und für die Jahrgangsstufe 2 nochmals um 3.000 Euro pro Klasse erhöht. Mit diesen Mitteln für den Einsatz externer Partner werden qualitätsvolle Angebote am Schulanfang gesichert. Seit 1. August 2010 ist die Ganztagsschule außerdem als besonderes schulisches Bildungsangebot im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) verankert. Die Bestimmungen zu Gastschulverhältnissen wurden geändert und die Bildung gesonderter Ganztagsschulsprengel ermöglicht – ebenso wie die Einrichtung reiner gebundener Ganztagsschulen. Seit dem Schuljahr 2011/2012 (bei Mittelschulen bereits zum Schuljahr 2010/2011) ist auch die offene Ganztagsschule in die Kostenfreiheit des Schulweges einbezogen. Und seit dem 1. August 2012 können auch bestimmte Förderschulen gebundene und offene Ganztagsschulen werden.

Das ist alles ist jedoch erst ein Anfang, aber bei weitem nicht das, was wir uns wünschen würden. Wir wollen den Ausbau flächendeckend, mit einem bedarfsorientierten Ganztagsangebot und in allen Schularten. Ein ganz wichtiges Ziel in der nächsten Legislaturperiode sind daher mehr gebundene Ganztagsschulen, und zwar voll gebundene Ganztagsschulen und nicht nur Ganztagszüge. Die FDP sieht des Weiteren Handlungsbedarf in der Umsetzung der gebundenen Ganztagsschule. Hier reichen die derzeit vorhandenen zusätzlichen zwölf Lehrerwochenstunden nicht aus, um in den ersten beiden Jahrgangsstufen ein qualitätsvolles Ganztagsangebot umzusetzen. Nach Ende des Ganztagsunterrichts sollten alle schulischen Verpflichtungen erledigt sein. Hausaufgaben sollten nach unserer Überzeugung in der gebundenen Ganztagsschule der Zukunft nicht länger notwendig sein, wenn die Schule sie in ihrem pädagogischen Konzept und der Stundenplanorganisation einplant, dass es ausreichend Lern- und Übungszeiten gibt. Eine Lehrkraft kann in diesen Lern- und Übungszeiten jeden Schüler individuell bestmöglich fördern. Dies wäre somit auch eine Maßnahme des Ausgleichs von sozialer Benachteiligung, wenn Eltern ihre Kinder zuhause nicht unterstützen können.

Für weitere Frage stehe ich Ihnen darüber hinaus gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Renate Will, MdL